In Neuenburg gibt es nie wieder «Sale»

Schluss mit «Sale»: Die Neuenburger Kantonsregierung will Ladenbesitzer dazu zwingen, vermehrt auf die französische Sprache zu setzen.

«Sale» bedeutet auf Französisch «schmutzig»: Der Neuenburger Kantonsrat will das Wort aus den Geschäften verbannen.

«Sale» bedeutet auf Französisch «schmutzig»: Der Neuenburger Kantonsrat will das Wort aus den Geschäften verbannen.

(Bild: Keystone)

Neuenburg geht gegen englische Begriffe vor: Während des Ausverkaufs müssen Ladenbesitzer herabgesetzte Preise zukünftig mit dem französischen Begriff «soldes» anschreiben – die alleinige Bezeichnung «Sale» soll nicht mehr erlaubt sein. In einem Bericht schreibt der Neuenburger Kantonsrat, dass zahlreiche Geschäfte die störende Angewohnheit angenommen hätten, herabgesetzte Produkte mit «Sale» anzupreisen. Dieser Begriff sei unschön: «Obschon es durchaus berechtigte Anglizismen gibt, stellt dieser eine Beleidigung für die französische Sprache dar und verdient es deshalb, zu verschwinden.»

«Eigentlich sollte man in Neuenburg das schönste Französisch sprechen», argumentiert Pierre Bonhôte, Direktor der kantonalen Handelspolizei. Bei nationalen Werbekampagnen soll Neuenburg nun einen Ausnahmestatus erhalten – was den Kantonsrat offenbar nicht weiter kümmert. «Sale» sei in einem mehrsprachigen Land wie der Schweiz einfach eine bequeme Lösung, heisst es. Den Ausverkauf stattdessen mit «soldes» anzupreisen, wertet er nur als «bescheidenes Hindernis für die Handelsfreiheit».

«Ein bisschen übertrieben»

Dieses «bescheidene Hindernis» erzürnt Hervé Devanthéry von SW Schweizer Werbung. Es sei «ein bisschen übertrieben», ein solches Detail gesetzlich zu verankern – obwohl auch er es ein wenig lächerlich findet, Kleider mit dem Aufhänger «Sale» (Französisch für «schmutzig») zu verkaufen. Trotzdem müssten die Kunden selbst darüber entscheiden können, wie sie zu diesem Wort stehen. Zudem werde das allgegenwärtige Thema des «Franglais» von «Fundamentalisten» monpolisiert.

«Es ist zu hoffen, das andere Kantone unserem Beispiel folgen», erklärt Ständerat Didier Berberat begeistert. Viele Verkäufer würden sich mit dem Franglais – oft ein Produkt von Zürcher Werbeagenturen – ohnehin schwertun. «In der Romandie ist man diesbezüglich vielleicht ein bisschen empfindlicher. In Zürich kann man auch einmal ‹sorry› sagen, wenn man am Bahnhof jemanden anrempelt.»

Diese Sichtweise teilt auch das Neuenburger Kantonsparlament: «Westschweizer Konsumenten stören sich vielleicht an Dingen, die Deutschschweizer nicht schockieren.» Für den Neuenburger Kantonsrat ist die Verteidigung der französischen Sprache «gegen Angriffe des schlechten Geschmacks» ein Thema des öffentlichen Interesses.

(Übersetzung und Bearbeitung: cor)

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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