Immer mehr Paare werden unverheiratet Eltern

In der Schweiz wächst der Anteil nicht ehelicher Kinder – im Vergleich mit dem EU-Raum aber auf tiefem Niveau.

Kinder werden immer häufiger ausserehelich geboren: Eine Familie spaziert im Park.

Kinder werden immer häufiger ausserehelich geboren: Eine Familie spaziert im Park. Bild: Sebastian Kahnert/Keystone

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In Frankreich wurden 2016 fast 60 Prozent aller Kinder ausserhalb einer Ehe geboren. Das ist EU-Rekord. Auch in zahlreichen weiteren EU-Staaten sind mehr als die Hälfte der Eltern bei der Geburt in einer nicht ehelichen Partnerschaft oder alleinerziehend. Und seit 2007 hat der Durchschnitt von rund 35 auf knapp 43 Prozent zugenommen. Das zeigt eine aktuelle Statistik des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat).

Eurostat hat auch die Efta-Staaten (Island, Norwegen, das Fürstentum Liechtenstein und die Schweiz) in die Untersuchung miteinbezogen. Berücksichtigt man sie, ist Island mit fast 70 Prozent nicht ehelicher Geburten der unangefochtene Spitzenreiter.

Und die Schweiz? Die lag im gleichen Jahr bei gut 24 Prozent nicht ehelicher Geburten, im vergangenen Jahr stieg der Anteil auf 25 Prozent. Diesen Wert hat die EU im Durchschnitt der damaligen Mitgliedsstaaten bereits 1998 erreicht. Und aktuell haben in diesem Vergleich nur Liechtenstein, Zypern, Kroatien und Griechenland noch tiefere Quoten.

Sind Schweizer Eltern also konservativer als diejenigen in anderen europäischen Ländern? Nicht unbedingt. Zwar mögen auch Vorstellungen der Ehe aus Tradition eine Rolle spielen. Und die Idee der Hochzeit, die das Ideal der romantischen Liebe verwirklicht, ist ein vom Kinderwunsch unabhängiger Faktor.

Bürokratische Hürden

Häufiger dürften die Gründe für das Jawort werdender Eltern aber rechtlich begründet sein. Denn unverheiratete Paare – und insbesondere Väter – haben in der Schweiz nach wie vor Nachteile gegenüber Verheirateten. Insbesondere müssen sie trotz Verbesserungen bürokratische Hürden meistern und mehr selbst organisieren. Ein paar Beispiele mit direktem Bezug zum gemeinsamen Kind:

  • Die Vaterschaft muss ein Vater im Gegensatz zum verheirateten Vater offiziell anerkennen. Wenn er das nicht tut, schaltet sich die Kesb ein und ernennt einen Beistand, der das Verhältnis des Kindes zum Vater feststellen muss.
  • Das Sorgerecht erhalten seit 2014 im Regelfall beide Eltern. Allerdings müssen sie den Vater anerkennen und eine gemeinsame Erklärung ausfüllen.
  • Der Familienname des Kindes ist bei Konkubinatspaaren automatisch derjenige der Mutter – ausser, sie haben sich für das gemeinsame Sorgerecht bemüht. Dann kann der Name wie bei verheirateten Paaren gewählt werden.

Eine ausführlichere Übersicht zum Vergleich von Ehe und Konkubinat finden Sie unter diesem oder diesem Link.

Trend könnte sich verstärken

Die Entwicklung ist in fast allen Ländern die gleiche: Der Anteil der nicht ehelichen Kinder nimmt zu. Zwischen 2007 und 2016 hat der Anteil in der Schweiz leicht stärker zugenommen als in den EU-Staaten, um genau 8 Prozent von 16,2 auf 24,2.

Und der Trend zu mehr nicht ehelichen Kindern wird in der Schweiz durch die Veränderung der gesetzlichen Situation begünstigt. Diese hat sich in den letzten Jahren zugunsten unverheirateter Eltern verändert.

Wie oben erwähnt, gilt seit 2014 das gemeinsame Sorgerecht für alle Paare, unabhängig vom Zivilstand der Eltern. Damit soll das Kindeswohl in den Vordergrund gestellt werden. Vorher war es für Väter mit grösserem Aufwand verbunden, das Sorgerecht auch ohne Ehe zu erlangen.

Neues Unterhaltsrecht

Schliesslich ist auch die Besserstellung alleinerziehender Eltern ein Faktor, der Kinder ausserhalb der Ehe wahrscheinlicher macht. Hier ist die Schweiz vor kurzem nachgezogen: Alleinerziehende haben mit dem 2017 eingeführten neuen Unterhaltsrecht mehr Geld zur Verfügung – ob sie unverheiratet oder geschieden sind.

Wer das Kind allein betreut, bekommt den sogenannten Betreuungsunterhalt. Bei dessen Berechnung werden seither nebst den direkten Kosten für die Betreuung des Kindes auch die finanziellen Auswirkungen für die betreuende Person berücksichtigt. Der Betreuungsunterhalt ist damit ein Entgelt für die Zeit, in der der Vater oder die Mutter das Kind betreut und keiner Erwerbsarbeit nachgeht. Das Bundesgericht hat die Höhe dieses Beitrags in einem Leiturteil auf das Existenzminimum gelegt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.08.2018, 20:54 Uhr

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