Gorbatschow wirft Bäumle Sabotage vor

Die Umweltschutzorganisation Green Cross und ihre Schweizer Sektion erheben gegenseitige Vorwürfe.

Ist von seiner Position im Dachverband von Green Cross zurückgetreten: Michail Gorbatschow, ehemaliger Staatspräsident der Sowjetunion. (Archivbild)

Ist von seiner Position im Dachverband von Green Cross zurückgetreten: Michail Gorbatschow, ehemaliger Staatspräsident der Sowjetunion. (Archivbild) Bild: Jens Meyer /Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es herrscht dicke Luft zwischen Green-Cross-Gründer Michail Gorbatschow und Martin Bäumle, Präsident der Schweizer Abteilung. Ersterer ist vor kurzem zurückgetreten – schuld soll das Fehlverhalten der Schweizer Sektion sein. Sie würde ihren Zahlungspflichten nicht nachkommen. Die fehlenden Mitgliederbeiträge würden Green Cross in eine unmittelbare Liquiditätskrise führen, wie die Organisation auf ihrer Website schreibt.

Konkret richten sich die Vorwürfe aber gegen Martin Bäumle, dessen Namen mehrfach genannt wird. So schreibt Gorbatschow in einem Brief von «Intrigen» und «Sabotagen», die letztendlich zu seinem Rücktritt geführt hätten.

Bäumle hält sich noch zurück

Martin Bäumle bestätigt die Auseinandersetzungen auf Anfrage von SRF: «Es gibt Differenzen über die Lage bei Green Cross International. Es ist aber ganz klar, dass wir das intern diskutieren müssen. Im Moment darf und kann ich keine Informationen geben.» In einer Mitteilung soll er dazu jedoch geschrieben haben, dass die Schweiz erst dann wieder bereit sei, ihre Beiträge zu leisten, wenn Green Cross mehr Transparenz in Finanzierungsfragen zeige.

Neben der Schweizer Sektion habe auch die Tochter des verstorbenen polnischen Unternehmers Jan Kulczyk ihre Spendenzahlungen eingestellt. Dominika Kulczyk wird von GCI als eine ihrer wichtigsten Geldgeberinnen bezeichnet. Ausstehend seien auch die Zahlungen der amerikanischen und der italienischen Sektion.

13 Millionen Franken Spenden in der Schweiz

Green Cross International mit Sitz in Genf wurde 1993 nach der UNO-Umwelt-Konferenz in Rio von Gorbatschow gegründet. Die NGO engagiert sich weltweit für die Bewältigung von Folgeschäden aus Industriekatastrophen wie Tschernobyl, für die Sanierung von militärischen Altlasten aus der Zeit des Kalten Krieges und für die Prävention von neuen Kriegen. Green Cross ist in 30 Ländern vertreten.

Green Cross Schweiz nahm im letzten Jahr Spenden in Höhe von 13 Millionen Franken ein. Die Zahl der Mitglieder stieg gleichzeitig auf 51'700. Die Ziele der Umweltorganisation werden von der Parlamentarischen Gruppe Green Cross unterstützt. Diese setzt sich parteiübergreifend aus 28 Ständerätinnen und -räten sowie aus 100 Nationalrätinnen und Nationalräten zusammen.

(kat/sda)

Erstellt: 22.02.2017, 09:20 Uhr

Artikel zum Thema

Umweltgifte bedrohen 95 Millionen Menschen

Ein Bericht von Green Cross Schweiz und Pure Earth liefert erschreckende Zahlen. Demnach ist die Anzahl kontaminierter Orte weit höher als bisher angenommen. Mehr...

Radioaktive Verseuchung auch ausserhalb der Sperrzone

Die Hilfsorganisation Green Cross präsentierte in Zürich knapp fünf Jahre nach dem Reaktorunfall in Fukushima neue Messresultate. Mehr...

Gorbatschow warnt vor neuem Kalten Krieg

Im Gespräch mit Bernerzeitung.ch/Newsnet äussert sich der letzte Präsident der Sowjetunion zur Ukrainekrise. Für die Spannungen zwischen Russland und dem Westen macht er vor allem die USA und die Nato verantwortlich. Mehr...

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Farbiger Protest: Hunderte Bauern nehmen an einer Kundgebung in Mexiko teil. Sie verlangen, dass die Landwirtschaftsklausel im NAFTA-Handelsabkommen nicht erneuert wird. (26.Juli 2017)
(Bild: EPA/Mario Guzman) Mehr...