Giezendanner ist wütend

Dass Fraktionskollege Thomas Minder gegen die zweite Röhre am Gotthard kämpft, bringt den SVP-Fuhrhalter in Rage. Jetzt will er den parteilosen Schaffhauser loswerden.

«Nach einem solchen Affront gegen uns, wir, die so kämpfen für eine zweite Röhre, glaube ich, sollte er den Anstand haben und selber (aus der Fraktion, die Red.) austreten»: Ulrich Giezendanner. (Archiv)

«Nach einem solchen Affront gegen uns, wir, die so kämpfen für eine zweite Röhre, glaube ich, sollte er den Anstand haben und selber (aus der Fraktion, die Red.) austreten»: Ulrich Giezendanner. (Archiv)

(Bild: Keystone)

Ständerat Thomas Minder (parteilos) aus Schaffhausen hielt sich nicht zurück: Eine zweite Gotthardröhre wäre eine «Weltpremiere des Blödsinns», «eine Spinnerei», und weil diese Erweiterung die Kapazitäten am Gotthard erhöhen würde, verstosse sie gegen den Alpenschutzartikel und sei daher verfassungswidrig. Und rhetorisch fragte er, ob es denn nachhaltig sei, 1,4 Milliarden für einen Pannenstreifen auszugeben.

Minder ist ein Freund von Kraftausdrücken, das ist nicht neu. Dass er seit gestern als Mitglied eines bürgerlichen Nein-Komitees dem Kampf gegen die zweite Röhre ungeahnten Schub verleiht, kam für viele überraschend – insbesondere weil er sich so mit seinen Fraktionskollegen der SVP angelegt hat. Ein zweiter Tunnel zwischen Airolo und Göschenen ist ein wichtiges Anliegen der SVP und in der Partei praktisch unbestritten. Im Januar fassten die Delegierten mit 285 zu 6 Stimmen die Ja-Parole für das Referendum, das voraussichtlich im Februar 2016 zur Abstimmung gelangt.

Haudegen gegen Haudegen

Die Reaktion auf Minders Unterstützung des Nein-Komitees kam postwendend, und zwar von einem Fuhrhalter aus dem Aargau, einem, der Strassen als Lebensader bezeichnet und der es sich nicht bieten lässt, wenn man einen Tunnel als Pannenstreifen beleidigt. SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner sagte einem Journalisten von TeleZüri, wenn einer nicht begriffen habe, worum es gehe (so wie Minder), dann sollte er sich besser nicht zum Gotthard äussern. Mehr noch: «Nach einem solchen Affront gegen uns, wir, die so kämpfen für eine zweite Röhre, glaube ich, sollte er den Anstand haben und selber (aus der Fraktion, die Red.) austreten.» Minder wollte sich gegenüber TeleZüri nicht äussern.

Der geistige Vater der Abzockerinitiative wurde 2011 in den Ständerat gewählt und verhandelte mit der SVP und der GLP über einen Fraktionsbeitritt. Er kam zum Schluss, dass er mit der SVP in vielen Fragen keine grossen Differenzen habe. Er werde aber insbesondere in der Energiepolitik, der Atomfrage und ökologischen Anliegen seine eigene Position einbringen.

Laut TeleZüri wird die Personalie Minder an der heutigen Fraktionssitzung der SVP thematisiert. Das lässt sich nach einer Rückfrage bei SVP-Generalsekretär Martin Baltisser nicht bestätigen. Es gebe kein entsprechendes Traktandum, sagt Baltisser. Falls der Knatsch zwischen dem Haudegen Minder und dem Haudegen Giezendanner tatsächlich zu einem Beschluss der Fraktion führen sollte, werden wir es heute Abend erfahren.

fxs

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