Ex-DRS-3-Chef fordert Verkauf von DRS 3

Die Politik fordert von der SRG einschneidende Sparmassnahmen. Nun bringt der ehemalige SRG-Kader Bendicht Luginbühl mit einem radikalen Vorschlag weiter Bewegung in die Debatte.

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In den letzten Tagen haben Medienexperten und Parlamentarier mehrere einschneidende Vorschläge aufs Tapet gebracht: So etwa die Streichung von Spartensendern wie Musikwelle und Virus oder eines Tessiner Radio- oder TV-Programms; was die Tessiner CVP-Nationalrätin Chiara Simoneschi-Cortesi im «Tages-Anzeiger» umgehend als «Verbrechen an der Verfassung» geisselte. Einen neuen, radikaleren Vorschlag zur Reform der bürokratischen SRG kommt nun aber just von einem ehemaligen SRG-Kader.

Sparpotenzial in dreistelliger Millionenhöhe

So empfiehlt der frühere DRS 3-Chef Bendicht Luginbühl, der heute mit seinem Beratungsunternehmen im In- und Ausland tätig ist, künftig solle jede der vier SRG-Sprachregionen bloss noch je einen TV- und Radio-Sender betreiben, welcher auf die Erbringung des Kulturauftrags und der Informationsleistungen ausgerichtet ist. Die zweiten Programme, die vor allem für kulturelle Angebote zuständig sind, müssten dazu verpflichtet werden, die technische Leistungserbringungen zu standardisieren und ihre Angebote über die Sprachregionen hinaus zu koordinieren. Dies würde massive Kosteneinsparungen möglich machen, nicht zuletzt auch über einen unvermeidlichen Personalabbau und die Redimensionierung der SRG-Privilegien. Die dritten und vierten Programme empfiehlt Luginbühl zum Verkauf oder zur Einstellung: «Inbesondere für DRS 3 dürften Verleger einen schönen Preis zu zahlen bereit sein.»

Die seit Jahrzehnten reichweitenschwachen, aber teuren Sender Couleur 3 und Rete 3 müssten wohl eingestellt werden. Der SRG-Kenner glaubt, dass mit diesem Modell ohne Weiteres ein dreistelliger Millionenbetrag gespart werden könnte und gar eine Gebührensenkung möglich wäre. Zugleich könnte mit diesem Modell auch eine neue ökonomische Basis für private Anbieter im Radio- und TV-Markt gelegt werden: «Wollen wir ein wettbewerbsorientiertes Gleichgewicht zwischen privatwirtschaftlichen elektronischen Medien und den Öffentlich-Rechtlichen herstellen und zugleich massive Spareffekte generieren, müssten Politik und Verleger dieser Strategie Hand bieten.» Bereits hat Luginbühls Vorschlag den Weg in die Wandelhalle im Bundeshaus gefunden.

Zustimmung bei Parlamentariern

«Die zweiten TV-Programme müssten in der Tat besser koordiniert werden», findet CVP-Nationalrat Norbert Hochreutener. Er ist überzeugt, dass etwa mit einer stärkeren Zusammenarbeit der zweiten Programme viel Geld gespart werden könnte. Etwa bei den Sportübertragungen oder auch in der Kultur und Unterhaltung. «Warum müssen die sprachregionalen zweiten Kanäle immer einen anderen Spielfilm zeigen?», fragt er. Denkbar wäre laut Hochreutener auch eine Rückkehr zum Modell des früheren Senders S+, dem Vorgänger von SF zwei, dem Hochreutener als Chefredaktor vorstand. Dieser war zunächst in erster Linie Ereignis-und Sportkanal mit Ergänzungen im Informationsbereich, erst später entwickelte das Schweizer Fernsehen ein vollwertiges Programm.

Auch bei SVP-Nationalrätin Natalie Rickli stösst der Vorschlag Luginbühls auf offene Ohren. Als erste Sparmassnahme im Fernsehbereich möchte sie erreichen, dass die SRG sich künftig mit zwei TV-Sendern in der Deutschschweiz begnügt. SF zwei oder SF info müsste dann weichen. Und auch sie hätte nichts dagegen, wenn die SRG DRS 3 abstossen müsste: «Abgesehen von der Newsleistung unterscheidet sich DRS 3 nicht von einem Privatsender», so Rickli. «Ich begrüsse es, dass nun auch andere Parteien offen über Sparmassnahmen bei der SRG diskutieren», erklärt die junge Parlamentarierin, die für Goldbach Media arbeitet – einer Konkurrentin der SRG-Tochter Publisuisse.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.05.2010, 13:56 Uhr

«Für DRS3 dürften Verleger einen schönen Preis zu zahlen bereit sein»: Der frühere DRS-Chef Bendicht Luginbühl. (Bild: TA)

Keine Geschenke für die SRG

Eine Million Verlust pro Woche fährt der Medienkoloss SRG mit seinen 8 Fernsehstationen und 18 Radiosendern ein, wenn er in den kommenden vier Jahren so weiterwirtschaftet wie bisher – und das trotz eingeleiteter Sparmassnahmen. Deshalb soll nun der Bundesrat diese Finanzierungslücke von über 220 Millionen Franken stopfen – mit einer Gebührenerhöhung oder einer Lockerung der Werbebeschränkungen.

Doch ein grosszügiges Entgegenkommen des Bundesrats gegenüber der SRG ist heute politisch kaum durchsetzbar; zu gross ist in Bundesbern derzeit die Unzufriedenheit mit dem Management des staatsnahen Konzerns. Das weiss auch Medienminister Moritz Leuenberger: Er lässt zwar offen, ob er den Forderungen der SRG entgegenkommt, erklärt zugleich aber auch, dass es bei der SRG keine Tabus mehr gebe, und auch Senderschliessungen durchaus in Betracht zu ziehen seien. Einen Beschluss zum Finanzbedarf der SRG wird der Bundesrat voraussichtlich im Sommer fällen.

Bernerzeitung.ch/Newsnet-Leser könnten auf Musikwelle verzichten

In der Sonntagspresse denkt Moritz Leuenberger laut über die Schliessung ganzer SRG-Sender nach. Auch die Leser von Newsnetz/Tagesanzeiger.ch machten sich Gedanken, wo sie beim SRG-Programm den Rotstift ansetzen würden – das Verdikt ist deutlich. Fast jeder dritte der insgesamt 1550 Teilnehmer könnte auf die Radiostation DRS Musikwelle verzichten. Knapp 18 Prozent hätten nichts dagegen, wenn DRS Virus die Segel streichen würde, und immerhin 16 Prozent würden SF zwei nicht vermissen. Fast jeder zehnte Umfrageteilnehmer gab seine Stimme DRS 3 – sie könnten auf den Popsender verzichten.

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