«Es gibt gemeinsame Rituale und Treffen»

Gestern fanden Razzien bei Mitgliedern der rechtsextremen Werwolf-Zelle statt. Der Basler Extremismus- und Gewaltexperte Samuel Althof ordnet diese Organisation ein.

Lorenzo Petrò@tagesanzeiger

Wer ist der Schweizer Sebastien N., der verdächtigt wird, Anführer einer rechtsextremen Terrorgruppe aus Deutschland zu sein?
Ein hoch gewaltbereiter, dominanzorientierter Mensch. Er glaubt zu wissen, was richtig und falsch ist, und lässt absolut nicht mit sich diskutieren.

Und er ist nicht allein mit seiner Weltanschauung. Was ist diese Werwolf-Zelle, die er anführen soll? Eine Gruppe innerhalb der rechtsextremen Szene, die sich als Bruderschaft versteht. Es gibt gemeinsame Rituale und Treffen. Sie verbindet der Werwolf als Emblem.

Wie sind diese Werwölfe organisiert? Wie wir Nichtrechtsextremisten auch: Man kommuniziert auf Facebook, trifft sich mit Kollegen aus dem In- und Ausland zum Grillieren. Hier von einem Terrornetzwerk zu sprechen, wie es der «Spiegel» tut, ist jedoch völlig übertrieben. Wenn sechs Personen ein Terrornetzwerk sind, was ist dann al-Qaida?

Die Gruppe hat offenbar das Ziel, mit Bombenanschlägen das deutsche System zu stürzen.
Rechtsextreme pflegen eine sehr gewaltaffine Sprache und Rhetorik. Umso mehr, wenn Alkohol im Spiel ist. An manchem Schweizer Stammtisch wird Ähnliches gefordert, weil es sich bei diesen Menschen aber nicht um Rechtsextreme handelt, geht dem aber niemand nach.

Muss man diese nicht ernst nehmen? Immerhin wird Sebastien N. verdächtigt, einen Menschen im Zürcher Niederdorf niedergeschossen und schwer verletzt zu haben?
Doch, aber diese Razzia wird extrem heiss gekocht. Es ist niemand festgenommen worden, was darauf hindeutet, dass die Polizei zwar den Verdacht hat, dass hinter der Kriegsrhetorik etwas stecken könnte. Zu diesem Zweck fanden die Haus- und Zellendurchsuchungen statt. Im Moment sieht die Polizei offenbar aber keinen Grund, weiter einzugreifen.

Keine Verhaftung, keine akute Gefahr. Ist es so einfach?
Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird nichts passieren. Von den sechs Mitgliedern sind zwei vor längerer Zeit verhaftet worden. Die übrigen lässt man nach wie vor frei herumlaufen. Eine aufmerksame Polizei rechnet jederzeit mit allem. Aber von dieser kleinen Gruppe geht wohl keine ernsthafte Terrorgefahr aus. Sonst hätte man sie nicht laufen lassen. Aber natürlich kann sich die Situation auch in diesem Fall ändern.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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