Erster Masern-Todesfall seit 2009

Erstmals seit 2009 ist in der Schweiz eine Person an Masern verstorben. Der gegen Masern geimpfte Mann verstarb im Februar.

«Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass wir das Masernvirus auch in der Schweiz eliminieren», sagte Daniel Koch, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG. (Symbolbild)

«Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass wir das Masernvirus auch in der Schweiz eliminieren», sagte Daniel Koch, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Erstmals seit 2009 ist in der Schweiz ein Mensch an Masern gestorben. Seit Jahresbeginn sind laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz rund 50 Menschen an Masern erkrankt.

Der gegen Masern geimpfte Mann verstarb bereits im Februar diesen Jahres, wie der Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG, Daniel Koch, am Freitag einen Bericht der Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» bestätigte. Der letzte Masern-Todesfall ereignete sich im Jahr 2009 in Genf. Damals verstarb ein zwölfjähriges Mädchen aus Frankreich.

Im aktuellen Fall traf es einen jungen Erwachsenen. Er verstarb auf einer Intensivstation schliesslich an Lungenversagen, wie Koch erklärte. Der junge Mann litt an Leukämie und unterzog sich einer Therapie, bei der sein Immunsystem stark unterdrückt wurde. Deshalb schützte ihn die Masernimpfung auch nicht. Gemäss dem BAG ist es unklar, wo der Mann sich mit dem Masernvirus angesteckt hat.

Ziel: Masern ausrotten

«Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass wir das Masernvirus auch in der Schweiz eliminieren», sagte Koch. Es gebe Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden dürfen, sagte er auf Anfrage.

Es gebe zudem Personen, bei denen sich trotz Impfung nicht der nötige Schutz entwickeln könne. Warum, diese Frage kann die Medizin nicht beantworten. Durch Studien belegt ist aber folgende Formel: 95 Prozent der einmal gegen das Virus Geimpften sind gegen Masern geschützt. Bei einer Person, die sich zwei Mal impfen lässt, steigt der Masernschutz auf 98 Prozent.

Gemeinsam gegen Masern

Ziel des Bundes ist, dass mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geimpft und damit vor Masern geschützt ist. Denn damit hätte das Virus keine Chance mehr, sich in der Schweiz auszubreiten.

«Bei einer Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent würde jener Teil der Bevölkerung, der gegen Masern immun ist, jene schützen, die unwissentlich keinen Schutz haben oder sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen», sagte Koch.

Deutlich mehr Masernfälle

Allein seit Jahresbeginn jedoch erkrankten gemäss BAG in der Schweiz rund 50 Menschen an Masern. 2016 waren es insgesamt 71, doppelt so viele wie im Vorjahr. Fast 90 Prozent der 2016 Erkrankten waren nicht oder unzureichend geimpft. Ein Viertel der Patienten musste ins Spital; acht Prozent erlitten eine Lungenentzündung.

Auch in Europa sind die Masern auf dem Vormarsch. Vergangene Woche erklärte das für die EU zuständige Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) allein in Rumänien seien seit Ende September 3446 Masernfälle verzeichnet worden. Die meisten Betroffenen waren nicht geimpft.

Die deutschen Gesundheitsbehörden registrierten seit Jahresbeginn gemäss ECDC 203 Erkrankungen; im ganzen letzten Jahr waren es 326. In Italien, vor allem im Nord- und Mittelitalien, erkrankten seit Anfang Jahr 700 Menschen.

Fortschritte in der Schweiz

Erst im Februar hatte der Bund Zwischenbilanz zu seiner Strategie gegen Masern gezogen. Das Ziel, die Masern bis Ende 2015 zu besiegen, konnte nicht erreicht werden. Doch die Durchimpfungsrate steigt in der ganzen Schweiz.

«Besonders ermutigend» seien die Fortschritte in Kantonen wie Appenzell Innerrhoden, Obwalden oder Zug, die lange Zeit unterdurchschnittliche Impfraten hatten. «Weil insgesamt die Durchimpfungsrate in der Schweiz gestiegen ist, dürfte es nicht erneut zu einer Masernepidemie wie in den Jahren 2006 bis 2009 kommen», sagte Koch am Freitag. Auf lokale Ausbrüche seien die Gesundheitsbehörden gut vorbereitet. (tag/sda)

Erstellt: 24.03.2017, 18:20 Uhr

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