Energiewende – aber bitte schmerzfrei

Ein Kommentar von BZ-Wirtschaftsredaktor Tobias Habegger zur Energiewende.

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Die Schweizer Energiewende ist vieles: ein Papiertiger. Eine Auflistung von Zielen. Ein Wunschkonzert. Eine Absichtserklärung. Eine emotional geführte Debatte. Eine Subventionsschleuder. Und einiges mehr.

Doch eine Wende im Wortsinn ist die Energiestrategie 2050 keine mehr, nachdem zuerst der Nationalrat und nun auch der Ständerat darüber beraten haben. Das Parlament ist sich zwar einig, wie die Energiezukunft aussehen soll: Es wird keine neuen Atomkraftwerke mehr geben, und die Sonnen- und Windenergie soll mithilfe von Subventionen massgeblich ausgebaut werden. Doch alles, was auf dem Weg zu diesem Ziel irgendjemanden schmerzen könnte, wurde aus der Energiestrategie gestrichen.

Der Fukushima-Effekt ist verpufft. Nur Mühleberg wird bald abgeschaltet. Die anderen Atomkraftwerke dürfen weiterlaufen. Die Minihürden, die der Nationalrat den AKW-Betreibern in den Weg gelegt hat, wurden vom Ständerat wieder abgebaut. Als der Bundesrat nach der Katastrophe von Fukushima den Atomausstieg ankündigte, haben die meisten Schweizerinnen und Schweizer wohl ein zügigeres Vorgehen erwartet.

Alleine am Mittwoch, dem Abschlusstag der Energiedebatte, hat der Ständerat dem Energiegesetz einen ganzen Haufen Zähne gezogen: Er sagte Nein zur Effizienz-steigerungspflicht für Elektrizitätswerke, er sprach sich gegen Mindestvorschriften für Heizungen aus. Er beerdigte die Dreckstromabgabe.

Was bleibt, sind KEV-Subventionen für den Ausbau der Sonnen- und Windenergie. Sowie die Hoffnung auf den technologischen Fortschritt: Batterien, die zuerst noch jemand auf den Markt bringen muss, sollen der Sonnenenergie zum Durchbruch und der Schweiz zu einer Energiewende verhelfen, die diesen Titel auch verdient.

Und falls es damit nichts wird, dann bleibt vor dem Blackout als letzte Hoffnung noch der Stromimport aus Europa. Aus Ländern, die wie Frankreich entweder zum Atomstrom stehen. Oder die wie Deutschland bei der Energiewende zwar Fehler machen, aber diese immerhin ernsthaft in Angriff nehmen.

Mail: tobias.habegger@bernerzeitung.ch Twitter: @TobiasHabegger

Berner Zeitung

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