Einbrecher auf Raubzug im Haus der Kantone

In Bern wurden die Büros mehrerer interkantonaler Gremien ausgeraubt. Sogar ein ganzer Tresor soll verschwunden sein.

Sitz der Stände: Im Haus der Kantone wimmelt es von offiziellen Stellen. Symbolbild: Peter Klaunzer (Keystone)

Sitz der Stände: Im Haus der Kantone wimmelt es von offiziellen Stellen. Symbolbild: Peter Klaunzer (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Haus der Kantone ist die Machtzentrale der 26 Stände. An der Speichergasse in Bern, nur 500 Meter Fussmarsch vom Bundeshaus entfernt, versuchen die Kantone der Bundesverwaltung Paroli zu bieten. Die Sekretariate von 13 Regierungs- und Direktionskonferenzen und rund ein Dutzend weitere interkantonale Gremien haben im Haus der Kantone ihren Sitz. Sie koordinieren etwa die Bildungspolitik, die Energiepolitik oder das Gesundheitswesen.

Über allem thront die Konferenz der Kantonsregierungen (KDK) als oberste Lobbyorganisation der Kantone. Auch für die innere Sicherheit des Landes ist das Haus der Kantone mit der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) eine Schlüsselstelle. Doch selbst ihre Anwesenheit und ihre Türschilder vermochten die Einbrecher nicht abzuschrecken, die vor zwei Wochen einen Raubzug durch das Haus der Kantone unternahmen.

«Verschiedene Stände» gestohlen

Die Kantonspolizei Bern bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung, dass im Haus der Kantone am 20. März «verschiedene Gegenstände» gestohlen worden seien. Mehr Informationen gibt die Polizei unter Verweis auf «laufende Ermittlungen» nicht preis. Auch im Haus der Kantone selber gibt man nur ungern über den Vorfall Auskunft. Sandra Maissen — als Generalsekretärin der KDK so etwas wie die Hausherrin — spricht von einem «Einschleichdiebstahl» und betont, es sei «keine so grosse Sache».

Wie gross oder wie klein die Sache genau ist, wollen weder die KDK noch die Polizei derzeit erklären — alles unter Verweis auf die laufenden Polizeiermittlungen. Und immerhin so gross ist die Sache, dass nicht nur ein Büro, sondern die Sekretariate mehrerer interkantonaler Gremien ausgeraubt wurden. All diese Gremien hätten anschliessend individuell Strafanzeige bei der Polizei gestellt, so Maissen.

Was genau weggekommen ist und wie gross der Sachschaden ist, ist ebenfalls unter Verschluss. Informationen dieser Zeitung, wonach ein ganzer Tresor aus dem Gebäude abtransportiert worden sein soll, werden derzeit weder bestätiget noch dementiert. Laut Maissen sind «ausschliesslich Barwerte» entwendet worden. Allzu viel zu stehlen gebe es im «Haus der Kantone» jedoch nicht, sagt Maissen. «Das wertvollste hier ist das Know-how, das kann man nicht mitnehmen.»

Albert Einsteins Arbeitsplatz

Nicht betroffen vom Diebstahl ist die Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz. Vielleicht habe dies damit zu tun, dass sie ihre Büros jeweils abschliesse, mutmasst Generalsekretär Roger Schneeberger. Offenbar haben dies nicht alle der bestohlenen Gremien getan.

Das Haus der Kantone feiert in Kürze sein zehnjähriges Bestehen. Es wurde im Juni 2008 eingerichtet in einem repräsentativen Gebäudekomplex, der in den 1890er-Jahren vom Bund errichtete wurde – zunächst als Sitz des Eidgenössischen Telegraphen- und Patentamtes. In dieser Zeit hatte das heutige Haus der Kantone auch seinen berühmtesten Mitarbeiter: Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Albert Einstein im Eidgenössischen Patentamt eine Anstellung als «Experte 3. Klasse» inne.

Als die Kantone im Juni 2008 in diesem historischen Gebäude ihre Kräfte bündelten und ihre interkantonalen Gremien zusammenführten, ging das nicht ohne kritische Stimmen über die Bühne. Die SVP etwa – aber auch mehrere Kantone – fürchteten, dass der Bund in Zukunft nur noch mit den interkantonalen Gremien im Haus der Kantone verhandeln werde und nicht mehr direkt mit den einzelnen Kantonen. Diese Kritik ist in den vergangenen Jahren verebbt. Ein sicherheitsrelevanter Vorfall wie der Raubzug vom 20. März ist im Haus der Kantone noch nie vorgekommen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.04.2018, 22:47 Uhr

Artikel zum Thema

Jungfirma will Schlüssel revolutionieren

Einbrecher können Schlüssel mit einem 3-D-Drucker kopieren. Ein Schweizer Start-up hat ein Produkt entwickelt, das ein Duplizieren verunmöglichen soll. Mehr...

Einbrecher kämpft mit Fernseher

VIDEO Eine Überwachungskamera zeigt, dass es nicht so einfach ist, einen Fernseher zu stehlen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Blog

Paid Post

So wird mehr aus Ihrem Spargeld

Es sind karge Zeiten für Sparer: Die Sparkonten werfen so gut wie keinen Zins mehr ab. Doch es gibt eine attraktive Alternative.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Das grösste Tier der Erde: Ein Besucher des Royal National Parks, südlich von Sydney, Australien, betrachtet einen toten Wal, der an die Wattamolla Beach angespült wurde. (24. September 2018).
(Bild: Dean Lewins) Mehr...