Ein heisser Tag für SBB und Reisende

Passagiere, die in unklimatisierten Zügen festsitzen, und mehrere Fahrleitungsstörungen: Heute geht bei den SBB einiges schief.

Ein Wagen der SBB kühlt das Bahngleis mit Wasser (Archivbild).

Ein Wagen der SBB kühlt das Bahngleis mit Wasser (Archivbild).

(Bild: Keystone Urs Flüeler)

Lynn Scheurer@Ciao_Lynn

Fast zwei Stunden dauerte es, bis die Passagiere aus dem heissen Zug aussteigen konnten. Wegen einer Fahrleitungsstörung wurde in der S3 von Zürich nach Aarau die Stromzufuhr unterbrochen - der Zug konnte nicht weiterfahren, die Klimaanlage funktionierte nicht mehr. Die S-Bahn wurde inzwischen nach Lenzburg abgeschleppt und die Strecke soll ab 12 Uhr wieder beidseitig befahrbar sein. «Jede halbe Stunde in einem solchen Zug ist eine zu viel», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli. Türen oder Fenster dürfe man in einer solchen Situation aber trotzdem nicht öffnen. «Die Gefahr, dass aussteigende Passagiere von einem vorbeifahrenden Zug verletzt werden, ist zu gross.»

Auf derselben Strecke musste auch ein Regio-Express abgeschleppt werden, er ist unterdessen in Othmarsingen angekommen, sagt Schärli. «Für die Passagiere ist das sehr mühsam. Wir bedauern diese Vorfälle und entschuldigen uns.» Auch im Welschland gab es eine Fahrleitungsstörung. Pendler steckten zwischen Rolle und Allaman fest, laut «20 Minuten» verteilten die Kondukteure Wasser, damit sich die Passagiere abkühlen konnten.

Das sind nur einige der Störungen, die es gestern und heute gab. Auf Twittergaben die SBB allein heute 13 Meldungen durch. Diese Karte zeigt die aktuellen Einschränkungen auf dem Schweizer Schienennetz. Schärli spricht angesichts der vielen Vorfälle von Murphy's Law: Alles, was schiefgehen kann, geht schief. Tatsächlich gibt es auch noch eine Stellwerkstörung in Oberentfelden. Der Bahnhof Oberentfelden auf der Linie Zofingen–Lenzburg ist voraussichtlich bis 16 Uhr unterbrochen.

Verbogene Gleise

Hat die Hitze mit all diesen Störungen zu tun? Reto Schärli verneint. Das heisse Wetter führe nicht zu Fahrleitungs- oder Stellwerkstörungen. «Nur die verbogenen Gleise waren hitzebedingt», sagt Schärli. Gestern hatte sich durch die Hitze ein Gleisstrang im Baselbieter Laufental verbogen – der Bahnverkehr musste zeitweise unterbrochen werden. Eine solche Verbiegung der Gleise komme pro Jahr nur etwa sechsmal vor, sagt Schärli.

Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz, appelliert an das Verständnis der Passagiere. «Ich würde mich auch ärgern, wenn ich ohne Strom und Lüftung in einem Zug festsitze», sagt er. Gleichzeitig litten auch die SBB unter diesen Verspätungen. Und dass sich Gleise bei extremer Hitze verbiegen, sei immer wieder mal vorgekommen. «Es gibt halt natürliche Grenzen des Metalls, da können die SBB nicht viel dagegen machen.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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