Die Quote für mehr Chefinnen

Damit mehr Frauen in die Chefetagen einziehen, dürfe der Staat in den Markt eingreifen, findet die freisinnige Berner Nationalrätin Christa Markwalder.

Liberal, aber für eine vorübergehende Frauenquote: Christa Markwalder.

Liberal, aber für eine vorübergehende Frauenquote: Christa Markwalder. Bild: Manuel Lopez/Keystone

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Christa Markwalder arbeitet in einem Unternehmen, das die Frauenquote bereits erfüllt, über die das eidgenössische Parlament diese Woche diskutieren wird: Die freisinnige Berner Nationalrätin ist Juristin beim Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen Zurich. Hier sind von den neun Verwaltungsratsmitgliedern vier Frauen. Die Konzernleitung zählt elf Mitglieder, drei davon sind Frauen.

«Natürlich könnten es auch bei uns noch mehr sein», sagt Markwalder, die Geschlechterrichtwerte in grossen Unternehmen befürwortet. Aber die neuen Regeln, die der Bundesrat und die Rechtskommission des Nationalrats im Aktienrecht festschreiben wollen, sind bei ihrem Arbeitgeber erfüllt: Künftig sollen im Verwaltungsrat von Firmen mit mehr als 250 Angestellten mindestens 30 Prozent Frauen sitzen. In der Geschäftsleitung müssten es mindestens 20 Prozent sein. Mit diesen Richtwerten will der Bundesrat die Gleichstellung zwischen Mann und Frau fördern.

Unterstützung auch von CVP

Die Frauenquote wird von ­bürgerlichen Kreisen abgelehnt. Denn sie sei ein unzulässiger Eingriff in die Unternehmensfreiheit. Doch ausgerechnet die Liberale Markwalder hat im Vorfeld der Debatte einen Vorschlag eingebracht, der auch innerhalb ihrer Partei oder bei der CVP Unterstützung findet: Die Geschlechterrichtwerte sollen auf zehn Jahre begrenzt werden. «Ich bin überzeugt, dass in zehn Jahren keine staatliche Regelung mehr nötig ist, weil die Unter­nehmen erkannt haben, dass gemischte Führungsteams erfolgreicher sind.»

Obschon die Pläne des Bundesrates bisher nur diskutiert worden seien, hätten sie bereits einiges bewegt. Von 2016 bis 2017 sei der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 100 grössten Schweizer Arbeitgeber um 2 Prozentpunkte gestiegen – allerdings von bescheidenen 6 auf 8 Prozent.

Eine liberal denkende Politi­kerin, die sich für einen Eingriff in den Markt einsetzt – ist das kein Widerspruch? Nein, findet Markwalder: «Wenn der Markt in einem Bereich versagt, ist ein temporärer Eingriff gerechtfertigt.»

Auch für die Väter

Eine Quote allein löst aus ihrer Sicht das Problem aber nicht. «Frauen müssen auch bereit sein, Kaderpositionen zu übernehmen.» Netzwerke würden dabei eine wichtige Rolle spielen. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsse in der Schweiz besser werden. «Das kommt nicht zuletzt auch den Vätern zugute, die sich ebenfalls um ihre Kinder kümmern wollen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.06.2018, 07:42 Uhr

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