Die Mängel der Kinderschutzbehörde

Erstmals liegt ein offizieller Bericht über das neue System des Kinderschutzes unter der Kesb vor. Die Experten orten vor allem in zwei Bereichen Defizite.

Heikle Eingriffe in Familien: Eine Mutter mit drei Kindern. (5. November 2014)

Heikle Eingriffe in Familien: Eine Mutter mit drei Kindern. (5. November 2014) Bild: Laurent Gillieron/Keystone

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Über die Schweizer Erwachsenen- und Kindesschutzbehörde (Kesb) wird seit Monaten hitzig debattiert. Jetzt liegen erste offizielle Erkenntnisse über das zugrunde liegende Gesetz vor, das seit dem 1. Januar 2013 gilt. Das Schweizer Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR) untersuchte im Auftrag des Bundes, wie sich die Gesetzesrevision in den Kantonen Zürich, Genf und Waadt auf das Wohl der Kinder ausgewirkt hat.

Im Fokus stand die Frage, ob das neue Gesetz der UNO-Kinderrechtskonvention, welche die Schweiz ratifiziert hat, genügt. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, zeigen die Autoren mehrere Mängel beim heutigen Kinderschutz auf: Die neue Regelung werde nicht so umgesetzt, dass die Bedürfnisse der Kinder optimal berücksichtigt seien, lautet der Befund.

Problem Kinderanwälte

So fehle es bei den Richtern, die Kinder anhörten, an einer spezifischen Ausbildung. Auch würden diese Anhörungen nicht systematisch gehandhabt. Ein weiterer Kritikpunkt: Oft werde die Meinung der Kinder in Verfahren, die sie selber betreffen, nicht in ausreichendem Masse berücksichtigt.

Die Gründe liegen bei der nicht geregelten Finanzierung spezialisierter Kinderanwälte und im Fehlen eines Pools von spezialisierten Anwälten. Der Schweizer Kindes- und Erwachsenenschutz wurde im Januar 2013 mit der erwähnten Gesetzesrevision komplett umgewälzt. Anstelle von Laienbehörden werden Entscheide über Fremdplatzierungen und Obhutsentzüge von der Kesb getroffen.

Im Parlament hatten Politiker von links bis rechts für die Revision gestimmt; nach der Kindstötung von Flaach entlud sich aber der Volkszorn über das neue System. Vor allem die neu geschaffene Behörde kriegte ihr Fett weg. SVP-Nationalrat Alfred Heer verglich die Methoden der Kesb mit jenen der Stasi in der DDR, die Bestsellerautorin Zoë Jenny organisierte in Zürich eine Mahnwache gegen die Kesb. (rub)

Erstellt: 29.03.2015, 10:34 Uhr

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