Die SP-Frau, die Béglé zur Post holte

Wie hat es Claude Béglé überhaupt an die Spitze der Post geschafft? Eine wichtige Rolle hat bei der Ernennung Béglés eine Bekannte von Bundesrat Moritz Leuenberger gespielt: Headhunterin Doris Aebi hat ihn vermittelt.

Headhunterin Doris Aebi hat Post-Präsident Claude Béglé an die Post-Spitze gebracht.

Markus Grunder

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Der Führungsstil von Post-Präsident Claude Béglé sei forsch, er sei ein klassischer Machtmensch, heisst es immer wieder. Es scheint eine Frage der Zeit zu sein, bis sich Béglé, der erst seit dem 1.April 2009 im Amt ist, mit Rücktrittsforderungen konfrontiert sieht. Wie hat es jemand, der so aneckt, überhaupt an die Spitze der Post geschafft?

Eine tragende Rolle kam damals einer Parteikollegin von Bundesrat Moritz Leuenberger zu: Die in Zürich tätige Headhunterin Doris Aebi, Mitinhaberin der Executive Search Firma «Aebi+Kuehni AG», brachte Béglé für den Posten des Verwaltungsratspräsidenten der Post ins Spiel und konnte ihn schliesslich auch vermitteln.

Aebi wollte gestern auf Anfrage zwar nicht bestätigen, dass sie es war, die Béglé vermittelt hat. In der Headhunterbranche ist dies aber längst kein Geheimnis mehr.

Leuenberger im Dilemma?

Doris Aebi sass für die SP zwischen 1993 und 2000 im Solothurner Kantonsparlament. Sie ist laut gut informierten Quellen eine Bekannte von Moritz Leuenberger.

Sollte Béglés Engagement bei der Post im Frühling ein abruptes Ende nehmen, könnte es auch für Leuenberger ungemütlich werden. Er müsste sich wohl den Vorwurf gefallen lassen, bei der Kandidatensuche nicht sorgfältig genug vorgegangen zu sein und dabei einer Parteikollegin erst noch ein lukratives Geschäft ermöglicht zu haben.

Zudem soll der Post-Verwaltungsrat Bundesrat Leuenberger bereits im Oktober 2008 vor Béglés Alleingängen gewarnt haben, wie bernerzeitung.ch/ Newsnetz berichtet. Béglé wurde im Juni 2008 offiziell als neuer Post-Verwaltungsratspräsident vorgestellt und hatte offenbar innert kürzester Zeit den Verwaltungsrat gegen sich aufgebracht.

«Nicht nachvollziehbar»

Ob Leuenberger mit Claude Béglé unter Umständen den falschen Mann an die Spitze der Post gesetzt hat, bleibt abzuwarten. Fakt ist: In der Headhunter-Branche war die Ernennung Béglés damals umstritten. Ein bekannter Berner Headhunter etwa sagt: «Als ich den Lebenslauf von Herrn Béglé gelesen habe, war ich sofort skeptisch.» Besonders die häufigen Stellenwechsel hätten sein Misstrauen geweckt. «Klar kann man sagen, der hat viel Erfahrung. Wenn aber jemand nach sehr kurzer Zeit einen führenden Posten wieder abgibt, deutet das für mich auf ungenügendes Leistungsvermögen hin.»

Deshalb sei für ihn Béglés Ernennung zum Post-Präsidenten «nicht nachvollziehbar» gewesen.

«Béglé fehlt das Gespür»

Bei der Suche nach einem Verwaltungsratspräsidenten eines Staatsbetriebs sei besondere Sorgfalt geboten, sagt der Branchenkenner. «Es braucht neben den unternehmerischen Fähigkeiten auch das nötige politische Gespür. Und das fehlt Herrn Béglé völlig.»

Aus dem Lebenslauf von Claude Béglé geht zwar hervor, dass er in vielen Konzernen in führender Position tätig war, unter anderem beim Nahrungsmittelmulti Nestlé. Auch bei der Deutschen Post war Béglé angestellt, und zwar als CEO von DHL Express Deutschland und Zentraleuropa. Mit welchem Erfolg Béglé in seiner bisherigen Management-Karriere aufwarten kann, bleibt bis heute relativ unklar. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.01.2010, 14:44 Uhr

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