Die FDP brüskiert ihre Freunde

Die Kritik der FDP-Spitze an den Spitzenlöhnen von Bankern verärgert CS-Verwaltungsräte und Wirtschaftskapitäne. FDP-Präsident Fulvio Pelli krebst aber nicht zurück – im Gegenteil.

«Liberalismus kämpft für Wettbewerb, nicht für Privilegien»: Fulvio Pelli.

«Liberalismus kämpft für Wettbewerb, nicht für Privilegien»: Fulvio Pelli.

(Bild: Keystone)

Die Spitzenlöhne einiger weniger Banker – so etwa die 70 Millionen Franken des Credit-Suisse-Chefs Brady Dougan – stünden in keinem Verhältnis zur geleisteten Arbeit, liess die FDP vor ein paar Tagen verlauten. In einem Communiqué, dessen Tonfall an die SP erinnerte. Ein Vorgang, der fast das Attribut «historisch» verdient, wie die Zeitung «Sonntag» bemerkt. Denn die FDP und die einstige Kreditanstalt verbindet eine lange Freundschaft; nie kam es da der einen Seite in den Sinn, der anderen an den Karren zu fahren.

Bis heute gibt im CS-Verwaltungsrat die FDP den Ton an, angefangen beim Präsidenten Hans-Ulrich Doerig. Auch sein Vorgänger, Walter Kielholz, der heute einfacher Verwaltungsrat ist, aber im Vergütungsausschuss sitzt, gehört zur FDP. Er ist sogar Gründungsmitglied des Anfang 2005 ins Leben gerufenen Gönnervereins «Freunde der FDP», zu dem auch zwei weitere CS-Verwaltungsräte gehören: der frühere Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft David Syz sowie Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner, der allerdings an der GV am Freitag zurücktrat.

Syz: «Das war ziemlich daneben»

Der neue Ton der freisinnigen Parteispitze kommt bei den «Freunden der FDP» gar nicht gut an: «Das war ziemlich daneben. Es hat mich genervt, weil es unsachlich war», sagt CS-Verwaltungsrat Syz zur Zeitung «Sonntag». Vielleicht kehrt er den «FDP-Freunden» gar den Rücken. Er sagt auf die Austrittsfrage: «Ich weiss es nicht. Ich habe es mir noch nicht überlegt.»

Auch ein anderer prominenter «FDP-Freund» ist irritiert: André Kudelski, Chef der gleichnamigen Firmengruppe, sagt: «Es ist schade. Etwas mehr Abgeklärtheit oder Ausgeglichenheit täte gut.» Besorgt zeigt er sich über die «Eskalation der Unvernunft in der Kommunikation der politischen Parteien». Dazu gehöre auch die zunehmende Vermischung der Rollen: «Es ist ungewöhnlich, dass politische Parteien ihnen sagen wollen, was sie zu tun haben.»

Pelli: Gefahr für das liberale System

FDP-Präsident Fulvio Pelli bleibt bei seiner Meinung: «Was die CS mit ihrer Boni-Politik tut, gefährdet das liberale System, die Marktwirtschaft. Das ist unverständlich und unverantwortlich.» Und er fügt an: «Liberalismus kämpft für Wettbewerb, aber nicht für Privilegien.» Pelli ermahnt die Grossbanken zur Einsicht: «Es wurden zu viele Fehler gemacht», sagt er. «Die zwei Grossbanken haben Korrekturen eingeleitet, aber sie sind nicht sichtbar, weil andere Nachrichten alles verstecken.»

Als Beispiel nennt Pelli das CS-Bonusprogramm PIP: «Das ist das Top der Übertreibungen.» Das sei umso stossender, als die CS wie auch die UBS von einer impliziten Staatsgarantie profitierten. Pelli: «Es ist jetzt die letzte Chance für die Grossbanken, endlich mit ihren Fehlern aufzuhören: Sonst wird der Staat eingreifen, ja eingreifen müssen.» Pelli selbst ist eigentlich gegen solche staatliche Eingriffe, aber er gibt zu, dass der Druck für solche Schranken wächst: «Firmen wie die CS zwingen uns dazu, wenn sich nicht bald etwas ändert.»

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