Der älteste Atomreaktor der Schweiz schaltet Ende Jahr ab

Bald verschwindet das älteste Schweizer Atomkraftwerk: Der Forschungsreaktor der Universität Basel wird abgeschaltet. Teuer ist der Transport des waffenfähigen Urans, es soll in die USA verschifft werden.

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Das älteste Schweizer Atomkraftwerk steht nicht in Mühleberg und auch nicht im aargauischen Beznau. Nein, der älteste Reaktor steht mitten in einer Stadt, im Keller des physikalischen Instituts der Universität Basel. Die Forschungsanlage läuft bereits seit 1959. Mühleberg ging 1972 ans Netz, Beznau I 1969.

Allerdings ist das Ende des Reaktors in Basel besiegelt. Die Anlage wird bereits per Ende dieses Jahres ausser Betrieb genommen. Zumindest wenn es möglich sei, wie Reto Caluori, Sprecher der Universität Basel, auf Anfrage bestätigt.

Eile wegen Sammeltransport

Dass der Basler Reaktor so kurzfristig abgeschaltet werden soll, hat seinen Grund: Die Anlage wird mit Uran betrieben, das zum Bau von Atombomben verwendet werden könnte. Derzeit befinden sich noch rund zwei Kilogramm in Basel. Dieses waffenfähige Uran muss zurück in die USA, von wo es ursprünglich hergekommen ist. Denn die USA sind der einzige Staat, der willens ist, das Material anzunehmen – allerdings nur bis 2016, dann läuft das entsprechende Rückführungsprogramm aus.

Im Rahmen dieses Programms gibt es zudem im Februar 2014 einen Sammeltransport von Uran in die USA. Diesem möchten sich die Basler anschliessen. Denn muss das Uran danach auf eigene Faust in die USA verschifft werden, kostet dies nach ersten Schätzungen der Universität bis zu 1,7 Millionen Franken. Der Sammeltransport wäre wesentlich günstiger.

Um das waffenfähige Uran zu verschiffen, muss es allerdings zuerst in die Normandie nach Cherbourg gebracht werden. Wie das genau gehen soll, kann Sprecher Caluori heute noch nicht beantworten. Dafür sei die Universität auf auswärtige Experten angewiesen, sagt er. «Wir sind daran, für die Rückführung der Brennelement eine Lösung zu finden.» Zurzeit holt die Universität Offerten für den Transport bei spezialisierten Unternehmen ein. Offen ist daher auch, was der Urantransport in die Normandie überhaupt kostet.

Nur noch 20 Betriebsstunden

Klar ist hingegen, warum der Reaktor abgeschaltet wird: Laut Caluori hat sich der Schwerpunkt des physikalischen Instituts in all den Jahren von der Kernphysik zu den Nanowissenschaften verlagert. «Wir brauchen die Anlage nicht mehr.» So kommt der Reaktor pro Jahr nur noch auf rund 20 Betriebsstunden. Genutzt wird er etwa für Praktika von Physikstudenten – unter anderem auch von der Universität Bern.

Der Reaktor hat aber noch aus einem zweiten Grund ausgedient: Die Universität Basel plant 2020 einen Neubau, und im Rahmen der Arbeiten müsste der Reaktor gezügelt werden, doch dies würde eine neue Betriebsbewilligung bedingen. Dazu hält der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt in einer Antwort auf einen Vorstoss fest: Aus heutiger Sicht sei kaum denkbar, dass der Reaktor mitten in einem Wohnquartier wieder eine Bewilligung erhalte.

Ein dritter Grund ist schliesslich das revidierte Kernenergiehaftpflichtgesetz, das bald in Kraft treten soll: In diesem Zusammenhang erhöht sich die Versicherungsprämie für den Basler Reaktor von 3500 Franken auf bis zu 45'000 Franken. Auch die Prämien der konventionellen Atomkraftwerke sollen erhöht werden (siehe Box).

Ein Nullenergiereaktor

Als gefährlich gilt die Anlage in Basel indessen nicht. Es handelt sich um einen sogenannten Nullenergiereaktor, dessen maximale Leistung nur 2 Kilowatt beträgt. Zum Vergleich: Mühleberg verfügt über eine Leistung von 370'000 Kilowatt.

Der universitäre Forschungsreaktor ist jedoch die einzige Anlage der Schweiz, die mit waffenfähigem Uran betrieben wird. Der Forschungsreaktor der ETH in Lausanne nutzt nur sogenannt niedrig angereichertes Uran. Auch die drei Forschungsreaktoren am Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen liefen ohne waffenfähiges Uran. Diese drei Reaktoren sind mittlerweile alle stillgelegt. Wie in Basel war auch am PSI das mangelnde Interesse der Forschung ausschlaggebend für die Stilllegung der Anlagen.

Berner Zeitung

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