«Das war ein Fehler, ist aber nicht bewusst erfolgt»

Wurden an der Unfallstelle im Berner Grauholztunnel Spuren verwischt? SBB-Sprecher Christian Ginsig nimmt Stellung zum Vorfall.

Am vergangenen Sonnntag kam es im Grauholztunnel zu einem schweren Vorfall. Die SBB räumten die Unfallstelle auf, bevor Ermittler der Sust diese untersuchen konnten.

Am vergangenen Sonnntag kam es im Grauholztunnel zu einem schweren Vorfall. Die SBB räumten die Unfallstelle auf, bevor Ermittler der Sust diese untersuchen konnten.

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Die SBB müssen bei schweren Vorfällen die Unfalluntersuchungsstelle Sust gemäss Vorschrift «unverzüglich» kontaktieren. Warum verzichteten die SBB darauf?
SBB-Sprecher Christian Ginsig: Wir sind vorerst von einer anderen Ursache ausgegangen. Wir glaubten, dass die Fenster an den vier Waggons beim Kreuzen mit einem Extrazug mit Fussballfans zerbrachen. Deshalb haben wir zuerst die Polizei alarmiert, die den Zug kontrollieren sollte.

Die SBB hätten aber in jedem Fall auch die Unfalluntersuchungsstelle aufbieten müssen. Weshalb geschah dies nicht?
Das war ein Fehler. Wir klären ab, weshalb eine Alarmierung der Sust nicht sofort erfolgte. Wir arbeiten sonst in sehr gutem Einvernehmen mit der Sust zusammen. Die Aufklärung von Vorfällen ist uns wichtig und entspricht unserer Sicherheitskultur.

Bei der Kontaktaufnahme mit der Sust hatten die SBB den Schrank bereits weggeräumt und die Spuren laut Sust vorschriftswidrig verwischt. Warum?
Die Mitarbeitenden vor Ort wollten sicher im guten Glauben die Strecke schnell wieder befahrbar machen, ohne sich den Konsequenzen der Unfalluntersuchung bewusst zu sein. Wir arbeiten den Fall selbstverständlich genau auf und ziehen daraus die notwendigen Lehren. Warum die Sust vor der Räumung nicht umgehend kontaktiert wurde, ist derzeit noch nicht klar. Das war ein Fehler, ist aber sicher nicht bewusst erfolgt.

Warum stand der Metallschrank unbefestigt in der Tunnelnische?
Es findet ein Austausch der elektrischen Anlagen im Grauholztunnel statt. Der Elektroschrank aus Metall stand seit dem 20.Februar in dieser Nische. Er ist 120 kg schwer und 1,8 Meter hoch. Warum der Schrank kippen konnte und mit einer Ecke ins Lichtraumprofil des vorbeifahrenden Zuges ragte, ist Gegenstand von Abklärungen.

Warum haben die SBB am Sonntagabend mitgeteilt, der Unfall sei wegen eines unbekannten Hindernisses erfolgt, obschon sie wussten, dass der Schrank die Ursache war?
Genau dies war eben zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, da man zuerst von einer anderen Ursache ausging. Klar war eben nach den Abklärungen der Polizei nur, dass nicht die Zugsbegegnung mit einem Gegenzug Auslöser der Schäden war, sondern eben ein unbekanntes Hindernis. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2014, 08:44 Uhr

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