«Das sind Methoden, die man aus Mafia-Filmen kennt»

Der Anwalt des Kickboxers Shemsi Beqiri kritisiert die Untersuchungsbehörden scharf. Und er sagt, wer die Bilder des Überfalls auf dessen Studio an die Presse weitergegeben hat.

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Jascha Schneider, heute hat die Basler Zeitung Bilder des Kickbox-Überfalls auf Ihren Mandanten Shemsi Beqiri veröffentlicht. Hat er die Bilder an die Presse weitergegeben?
Ja. Am vorletzten Sonntag ist in der «Schweiz am Sonntag» ein Artikel erschienen, in dem Paulo Balicha Shemsi Beqiri als Lügner dargestellt hat. Shemsi Beqiri hat sich darauf bei der «Schweiz am Sonntag» gemeldet, um eine Gegendarstellung zu erwirken. Dabei sollten auch die Bilder veröffentlicht werden. Wir wollten die «Schweiz am Sonntag» für ihre journalistische Fehlleistung nicht mit zusätzlichen exklusiven Bildern belohnen. Deshalb haben wir die Bilder auch an andere Medien verschickt.

Was sagen die Bilder aus?
Die Bilder sind selbstredend. Die muss ich gar nicht kommentieren. Es ist jedem Leser und jeder Leserin freigestellt, sich die Bilder anzuschauen und sie mit den Aussagen von Paulo Balicha in der «Schweiz am Sonntag» zu vergleichen, der sagte, er wollte einen Zweikampf in einem fairen Rahmen.

Die «Basler Zeitung» schreibt, auf den Bildern sei zu sehen, dass Balicha Schlagringe trage. Er streitet das ab. Hat Balicha nun Schlagringe getragen, und inwiefern ist das juristisch relevant?
Dazu möchte ich keinen Kommentar abgeben.

Wie kamen Sie in den Besitz des Videofilms?
Paulo Balicha und seine Verbündeten haben die Videokamera im Sportcenter von Shemsi Beqiri liegen gelassen. Die Staatsanwaltschaft hat den Tatort untersucht, die Kamera aber übersehen. Die Kamera wurde erst entdeckt, als Beqiri und seine Freunde den Tatort aufräumten. Das wirft ein schlechtes Licht auf die Untersuchungsbehörden.

Können Sie den Videofilm beschreiben?
Dazu möchte ich keine Stellung beziehen. Es geht mir nicht darum, das Verfahren in der Öffentlichkeit durchzuführen. Ich will aber den Eindruck korrigieren, dass mein Mandant ein Lügner sei.

Sie haben gesagt, dass Shemsi Beqiri «schamlosen Demütigungen» ausgesetzt sei. Können Sie das erklären?
Kurz nachdem Paulo Balicha im Mai aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, hat er auf Facebook das Hintergrundbild mit dem Spruch «Ich bereue nichts in meinem Leben, denn ich hatte auch die Eier für die Konsequenzen!» veröffentlicht. Sein Profilbild zeigte ihn in der Hängematte, wie er beide Mittelfinger in die Kamera streckt (siehe Bildstrecke). Das zeigt, dass mein Mandant und auch die Justiz gedemütigt werden.

Kritisieren Sie die Basler Justiz?
Das Opfer erhält den Schutz nicht, den es verdient. Da wurden 20 bis 30 Leute angeheuert, das waren nicht einfach Schüler von Balicha. Sie nahmen in Kauf, die Existenz von Beqiri zu vernichten. Das sind für mich Methoden, die man aus Mafia-Filmen kennt. Die Justiz nimmt das nicht ernst und behandelt den Fall wie eine normale Schlägerei. Es erstaunt mich, dass man jemand bei einer solchen Intensität von organisierter Kriminalität nach so kurzer Zeit wieder freilässt.

Wie geht es Shemsi Beqiri?
Mein Mandant hat Angst. Aus dem Dunstkreis von Balicha sind bereits gewisse Anfeindungen eingegangen. Wir haben die Staatsanwaltschaft darüber in Kenntnis gesetzt.

Gibt es überhaupt noch Kampfschüler, die nach dem Überfall den Unterricht in der Schule von Shemsi Beqiri besuchen wollen?
Viele Schüler haben Angst. Die Anzahl der Kampfschüler ist klar zurückgegangen.

Shemsi Beqiri ist selber kein Musterschüler. 2012 verprügelte er mit einem seiner Brüder einen ehemaligen Trainingspartner auf offener Strasse. Die Staatsanwaltschaft verurteilte ihn dafür wegen einfacher Körperverletzung und Drohung. War die Schlägerei mit Balicha für ihn nicht Courant normal?
Shemsi Beqiri wurde vor mehreren Jahren angegriffen und hat sich gewehrt. Er gilt in der Kampfszene als fairer Kämpfer. Es ist völlig falsch zu sagen, mein Mandant sei regelmässig in Schlägereien verwickelt. Zu behaupten, er würde rechtsbrüchig durchs Leben laufen, ist eine Frechheit. Ich erlebe Beqiri als sehr integre Person. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.07.2014, 20:45 Uhr

Der Fall in Kürze

Vor fünf Monaten eskalierte der länger anhaltende Streit zwischen Paulo Balicha (37) und seinem ehemaligen Schüler Shemsi Beqiri (28), schweizweit bekannt als Trainer von «Carlos». Balicha marschierte mit einer Gruppe von maskierten Schlägern in das «Superpro Sport Center» von Shemsi Beqiri in Reinach BL. Balicha zwang Beqiri zu einem Kampf. Bei der Aktion gab es mehrere Verletzte. Balicha stellte sich im Anschluss und war bis Mitte Mai in Untersuchungshaft.

Am vorletzten Sonntag hat sich Balicha in der «Schweiz am Sonntag» zum Angriff geäussert. Es sei ihm darum gegangen, einen «fairen Zweikampf» mit Beqiri zu führen.

Sieht seinen Mandanten «schamlosen Demütigungen» ausgesetzt: Jascha Schneider, der Anwalt von Shemsi Beqiri. (Bild: Kanzlei Lexpartners.MCS)

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