Bundesrat fährt mit dem Füllhorn nach Zürich

Wirtschaftsredaktor Julian Witschi zum Bahnausbau 2035.

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Diese Runde beim Bahnausbau geht nach dem Willen des Bundesrates an Zürich. Über die Hälfte der geplanten Investitionen von 11,5 Milliarden Franken sieht er für drei Grossprojekte im Grossraum der Wirtschaftsmetropole vor: 2,8 Milliarden für den Brüttener Tunnel zwischen Dietlikon und Winterthur, 2,2 Milliarden für die Verlängerung des Zimmerberg-Basistunnels von Thalwil nach Zug und 1,2 Milliarden für die Erweiterung des Bahnhofs Zürich-Stadelhofen um ein Perron. Damit hat das von der Landesregierung geschnürte Paket eine geografische Schlagseite.

Bundespräsidentin Doris Leuthard betont zwar, dass von diesen Ausbauten nicht nur Zürcher profitieren. Zudem preist sie den Viertelstundentakt auf den nachfragestärksten Strecken zwischen Bern und Zürich sowie zwischen Genf und Lausanne. Auf diesen Abschnitten ist der Ausbau aber mit vergleichsweise geringen Investitionen zu haben.

Die Verkehrsministerin hat ihre Bundesratskollegen – die notabene mehrheitlich aus Bern und der Westschweiz kommen – davon überzeugen können, eine grosse und Zürich-lastige Ausbauvariante zu propagieren. Die alternative Variante von 7 Milliarden Franken bis 2030 reiche nicht, weil nur ein kleiner Teil der Kapazitätsengpässe beseitigt würde. Von der spendierfreudigen Aufstockung profitiert neben den Zürcher Projekten einzig die Strecke Neuenburg–La Chaux-de-Fonds. Dabei hatte das Bundesamt für Verkehr für die nun erkorene Variante das Verhältnis von Nutzen und Kosten schlechter beurteilt,als wenn neben dem unbestrittenen Brüttener Tunnel und der Stadelhofen-Erweiterung auch der Lötschberg-Basistunnel ausgebaut worden wäre.

Die Nichtnomination des Lötschbergs ist für die Kantone Bern und Wallis bitter. Denn es geht um den unproblematischen Ausbau eines bereits ausgebrochenen Tunnelabschnittes. Also um den Einbau von Schienen, Oberleitung und Anlagen sowie um nötige Erweiterungen in Brig. Für knapp eine Milliarde Franken könnte so die Kapazität dieses Tunnels der zweiten Alpentransversale von 110 täglichen Zügen fast verdoppelt werden. Andere Projekte haben nicht diese Baureife.

Die Westschweizer Verkehrsdirektoren unterstützen Bern und das Wallis beim Lötschberg-Ausbau. Sie haben Projekte eingereicht, die gut ein Drittel der Totalinvestitionen von 11,5 Milliarden Franken beanspruchen würden. Das scheint gerechtfertigt, stellen diese Kantone doch 40 Prozent der Fläche, des Bahnnetzes, der Arbeitsplätze und der Bevölkerung der Schweiz. Es ist nun an ihren Vertretern, in der Vernehmlassung und dann vor allem im Parlament dafür zu kämpfen, dass der historische Fehler – einen ­Tunnel auszubrechen, aber nicht in Betrieb zu nehmen – bald korrigiert wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.09.2017, 08:42 Uhr

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