Blocher und die Medien

Christoph Blocher gewinnt mit der «Basler Zeitung» weiteren Einfluss auf die Schweizer Medienlandschaft. Seit Jahrzehnten streckt der Politiker seine Fühler nach den Medien aus.

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Claudia Blumer@claudia_blumer

Anfang der Achtzigerjahre hielt Christoph Blocher Einzug in der Ems Chemie. Bald darauf kaufte er das serbelnde «Bündner Tagblatt». Zehn Jahre später gab er die Zeitung dem Verleger Hanspeter Lebrument weiter, mit den Worten: «Ich kriege das nicht hin.»

Was wollte Blocher mit dem «Bündner Tagblatt»? «Ich rettete das ‹Tagblatt› allein deshalb, weil mir erstens dieser Kanton und zweitens die Meinungsvielfalt in diesem Kanton am Herzen lag und liegt», sagte Blocher Jahre später an einer Veranstaltung im Kanton Graubünden. «Ich glaube, es ging ihm damals weniger um parteipolitische Einflussnahme», sagt Lebrument. Die Einschätzung teilt auch Fredy Gsteiger, der eine Biografie über Blocher geschrieben hat. «Wahrscheinlich war für ihn damals eher die Medienvielfalt ausschlaggebend», sagt Gsteiger.

Vom Scheitern abgelenkt

Blochers Medien-Engagement ruhte nicht. Noch im Jahr der «Tagblatt»-Weitergabe schmiedete er öffentlich Pläne für eine nationale, konservative Boulevardzeitung. Chefredaktor sollte der frühere «Blick»-Chef Peter Übersax werden, wie Blocher an einer SVP-Versammlung verbreitete. Die Pläne wurden ernst genommen. «In Zürich haben alle von dieser neuen Zeitung geredet, nach Graubünden hat niemand geschaut», sagt Lebrument. Das sei sicher Blochers Ziel gewesen, um von seinem Scheitern mit dem «Tagblatt» abzulenken. Die nationale Boulevardzeitung kam aber nie zustande.

Blocher indessen streckte seine Fühler weiter aus. In Gesprächen habe Blocher schon früh sein Interesse an der «Weltwoche» durchblicken lassen, erinnert sich Fredy Gsteiger, der damals Chefredaktor der «Weltwoche» war.

«Endlich Transparenz schaffen»

Das war Ende der Neunzigerjahre. Wenige Jahre später erfährt die «Weltwoche» eine radikale Änderung. Roger Köppel wird Chefredaktor, das Erscheinungsbild wird komplett erneuert, der Inhalt konservativ-bürgerlich. Eine Gruppe um den Financier Tito Tettamanti übernimmt den Jean Frey Verlag, später kauft Köppel die herausgelöste «Weltwoche». Eine offizielle Rolle spielte Christoph Blocher, der in dieser Zeit vom National- zum Bundesrat wurde, nie. Eine inoffizielle aber schon. Sicher ist, dass ihm die «Weltwoche» wohlgesonnen ist, und dass er im Gegenzug wöchentlich ein ganzseitiges Inserat schaltet und mehrere «Weltwoche»-Abonnements hat. Ausserdem ist das Läckerli Huus, ein Unternehmen der Blocher-Familie, einer der wichtigsten Inserenten.

«Der Einfluss von Christoph Blocher ist unverkennbar. Umso merkwürdiger und störender ist, dass die Führungsriege nicht dazu stehen kann», sagt Gsteiger. «Bei einer Zahnpasta-Herstellerin sind die Besitzverhältnisse weniger relevant, aber eine Zeitung wie die ‹Weltwoche› müsste Transparenz schaffen.» Es gibt laut Gsteiger zwei mögliche Varianten: Entweder habe Köppel die Zeitung zu einem sehr günstigen Preis bekommen oder aber es stünden mehrere Investoren dahinter. Laut Köppels eigener Aussage ist er der einzige Investor.

Undefinierte Rollen

Die Geschichte scheint sich in Basel zu wiederholen. Wieder hat Tettamanti mit einer Aktienmehrheit bei der «Basler Zeitung» das Sagen, und Christoph Blocher hat offiziell nur ein Beratungsmandat, um die Zeitung finanziell auf Kurs zu bringen. Redaktionell ist der bürgerliche Kurs schon mit der Ernennung des Blocher-Biografen Markus Somm gesichert worden.

Blocher, auch Aktionär der bürgerlichen «Schweizerzeit» und Namensgeber des wöchentlichen Video-Interviews «Teleblocher», hat auch beim «Bündner Tagblatt» weiterhin einen Fuss drin. Sollte Lebrument die Zeitung schliessen, hat Blocher das Vorrecht, sie zu übernehmen und weiterzuführen.

Vertreter einer raren Spezies

Blocher, heute Vizepräsident der SVP Schweiz, ist Vertreter einer raren Spezies geworden. Bis in die Siebzigerjahre hinein mischten Herausgeber, Verleger und Chefredaktoren aktiv in der Politik mit. «Heute kann es sich ein Verleger kaum mehr leisten, nebenher noch Politik zu machen», sagt Hanspeter Lebrument, heute Präsident des Verbands Schweizer Medien. FDP-Ständerat Filippo Lombardi, der auch Medienunternehmer im Tessin ist, sei eine Ausnahme, und eben Christoph Blocher.

Nach Blochers Zielen bei der «Basler Zeitung» gefragt, sagt Fredy Gsteiger: «Blocher hat via ‹Weltwoche›, ‹Schweizerzeit› und Teleblocher durchaus einen gewissen Einfluss in der Schweizer Medienlandschaft. Aber von einem entstehenden Blocher-Medienimperium zu sprechen, halte ich zumindest vorläufig für weit übertrieben.» Und Lebrument antwortet: «In einem Jahr sind Wahlen. Das sagt eigentlich alles.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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