Bald startet Piccard zum nächsten grossen Abenteuer

Der Luftfahrtpionier Bertrand Piccard will nur mit Solarenergie rund um die Welt fliegen. Am 150-Millionen-Franken-Projekt Solar Impulse haben zahlreiche Schweizer Hightechunternehmen mitgearbeitet. Unterstützung kam aber auch vom Bund.

  • loading indicator

Am 1.März 1999 startete Bertrand Piccard zu seiner Nonstop-Ballonfahrt um die Erde. Wenn das Wetter mitspielt , soll der Startschuss zu seiner nächsten Pioniertat ungefähr 16 Jahre später fallen: Der Solarmotorsegler Solar Impulse 2 wird von Abu Dhabi aus zum Flug um die Welt starten. Angetrieben nur von Solarenergie, muss der Segler 35000 Kilometer zurücklegen. Nach 25 Flugtagen und 11 Zwischenlandungen (siehe Grafik) sollte das Solarflugzeug Ende Juli oder Anfang August wieder in Abu Dhabi landen.

Allein in eisiger Kälte

Pilotiert wird die Solar Impulse 2 abwechslungsweise vom 57-jährigen Psychiater Piccard und vom 62-jährigen Ingenieur und früheren Kampfjetpiloten der Schweizer Armee, André Borschberg. Bei den Zwischenlandungen setzt sich der andere an den Steuerknüppel. Auf ein Cockpit für zwei Personen wurde aus Gewichtsgründen verzichtet. Dennoch war eine Spannweite von 72 Metern dafür nötig, die 17248 Solarzellen anbringen zu können.

Diese liefern die Energie für die vier Motoren und laden die vier 158 Kilogramm schweren Lithiumionen-Batterien auf, damit auch bei Nacht geflogen werden kann. Insgesamt wiegt das Flugzeug lediglich 2,3 Tonnen, ist dafür aber sehr windanfällig. In einen Sturm zu geraten, könnte verheerende Folgen haben. Meteorologen haben deshalb die Wetterverhältnisse untersucht, sodass gefährliche Regionen umflogen werden.

Auch die Heizung fiel der Leichtbauweise zum Opfer. Gegen die eisigen Temperaturen auf bis zu 8500 Metern über Meer muss sich der Pilot deshalb mit fünf Lagen Daunen schützen. Entsprechend umständlich ist die Benutzung der Toilette, die sich unter einer Klappe im Pilotensitz befindet.

20 Minuten Erholung

Die Etappen zur Überquerung von Pazifik und Atlantik dürften den Piloten bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit treiben. Dabei ist er fünf Tage und fünf Nächte auf sich allein gestellt. Weil normales Schlafen lebensgefährlich wäre, haben sich Piccard und Borschberg eine Entspannungstechnik angeeignet, mit der sie sich in einen zwanzigminütigen Ruhemodus versetzen können. In dieser Erholungsphase könne er die Augen zur Kontrolle der Instrumente kurz öffnen, während sein Körper weiterschlafe, erklärte Piccard der «Frankfurter Allgemeinen».

Unter den rund 80 Firmen und Institutionen, die das Projekt unterstützen, ist erstaunlicherweise kein Aviatikunternehmen. Die Spezialisten hätten den Bau eines derart grossen Flugzeugs mit der geringen Belastbarkeit eines Hängegleiters für unmöglich gehalten, sagte André Borschberg der NZZ. Dem Chefkonstrukteur der Solar Impulse 2 ist es gelungen, ein Flugzeug zu bauen, das es auf eine Energieeffizienz von 94 Prozent bringt. Üblich sind zwischen 30 und 40 Prozent.

Dazu beigetragen haben auch mehrere Schweizer Unternehmen. So hat etwa der Thuner Technologiekonzern Meyer Burger für die Solar Impulse 2 einen speziellen Lötprozess entwickelt, damit die 17248 Solarzellen auch unter den grossen thermischen Belastungen in den Flügeln zuverlässig verknüpft bleiben. Die auf die Herstellung von Präzisionswaagen spezialisierte Firma Mettler-Toledo mit Sitz in Greifensee lieferte spezielle Wägezellen. Diese sorgen bei der Solar Impulse 2 für eine ausgewogene Verteilung des Gewichts, was grossen Einfluss auf Leistung und Sicherheit des Flugzeugs hat.

Pneumatisches Sitzkissen

Die Langenthaler Firma Lantal Textiles entwickelte für das Solarflugzeug eine Spezialversion ihrer pneumatischen Sitzkissen. Diese erfreuen sich wegen des geringen Gewichts, des hohen Komforts und der Langlebigkeit auch in der Zivilluftfahrt immer grösserer Beliebtheit. Der Elektrotechnikkonzern ABB, einer der vier Hauptpartner des Projekts, stellte drei Ingenieure zur Verfügung, die sich unter anderem um die Optimierung der Ladeelektronik für die Batteriesysteme des Flugzeugs kümmerten.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt