Auf der Suche nach dem eigenen Stil

TV-Kritik

Härter auf den Punkt, mehr Tempo: Das ist die neue «Arena». Ist die Sendung damit auf gutem Weg? Noch nicht.

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Christian Lüscher@luschair

Kennen Sie die dänische Fernsehserie «Borgen – Gefährliche Seilschaften»? Gegen Ende der dritten Staffel kommt es zwischen Torben Friis, dem Chefredaktor von TV1 News, und dem ehrgeizigen Programmchef Alexander Hjort zum Konflikt. Dieser will im Hinblick auf die Schlussdebatte im Wahlkampf neue Saiten aufziehen. In der dänischen Version der «Arena» will er mit Anzeigetafeln, beleuchteten Pulten, Punktetabellen und Effekten auf Zuschauerfang gehen. Torben entgegnet ihm: «Das ist Politik, keine politische Gameshow.»

So weit sind die Macher der neuen «Arena» nicht gegangen. Die Quizshow-Ästhetik ist allerdings nicht von der Hand zu weisen: Mit dramatischer Trailermusik und Lichteffekten bauen die TV-Profis Spannung auf. Der runde Tisch ist Geschichte. Die Diskutanten sitzen einzeln an kleineren Pulten (beleuchtet!). Und an der Seitenlinie sitzen so quasi neu zwei Schiedsrichter mit einem neuen Spielzeug: dem Veto-Buzzer. Damit können sie sich während der Diskussion einschalten, wenn sie zu einer Äusserung eines Gastes Einspruch erheben wollen.

Abstraktes Thema

Wir wollen uns nicht zu lange mit diesen Neuerungen aufhalten. Das neue Studio, die neue Sitzordnung und der Quizshowcharme sind Geschmacksache. Richten wir den Blick auf den Inhalt: Ist die neue «Arena» spannender? Besser? Geht so. Es ist das erklärte Ziel der Redaktion, dass die «Arena»-Diskussionen eine Verständnishilfe bieten sollen zu den vielen komplexen Sachverhalten, mit welchen die Bürger in der Schweizer Demokratie konfrontiert sind. Das gelang der gestrigen Arena nur bedingt. Das Thema Neutralität war zu abstrakt, setzte viel Vorwissen voraus. Es war für einen Relaunch ungeeignet.

Die Debatte hat das Schweizer Fernsehen auf der eigenen Website gut zusammengefasst. Für den Grossteil der Zuschauer dürfte die Diskussion zu unstrukturiert gewesen sein, ja ein Durcheinander. Die vier Gäste Adrian Amstutz, Jakob Büchler, Tiana Angelina Moser und Jean Ziegler waren sicher sehr engagiert und streitlustig. Aber konnten sie die Frage «Was heisst Neutralität für die Aussenpolitik der Schweiz?» beantworten? Nur bedingt. Es war über weite Strecken ein Platzieren von Parolen.

Publikumsreaktionen können nicht einbezogen werden

Aufgefallen ist der Wille, das Publikum am Schirm einzubeziehen. Da waren Einblender, die auf Twitter aufmerksam machten. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Die Inputs der Zuschauer wurden nicht aufgenommen. Können ja auch nicht aufgenommen werden, da die «Arena» keine Livesendung ist. Somit kann man es auch gleich bleiben lassen. Auch der Einbezug des Publikums – neu auf zwei Etagen verteilt – war nicht der Fall. Ist das auch künftig so, kann man auch gleich verzichten.

Und wie schlug sich Moderator Jonas Projer? Ja, er ist schlau und gut vorbereitet. Und man merkt es ihm an, dass er sich grausam darüber aufregt, wenn Politiker ins Schwadronieren kommen. Er will verhindern, dass die Politiker mit vorbereiteten Sätzen die Sendung für ihre Zwecke nutzen. Er will eine Debatte. Leider unterbricht er die Politiker noch zu oft, fährt ihnen ins Wort. Hier muss er noch den richtigen Mix finden. Die Einführung des Prüfstandes, eine Kopie des heissen Stuhls der «Rundschau», macht Sinn. Er sorgt für mehr Tempo.

Das Beste von verschiedenen Sendungen

Kommen wir zum Fazit: Unter dem Strich ist die «Arena» noch nicht das, was man sich unter einer erfolgreichen Neuausrichtung vorstellt. Die neue «Arena» hat sich das Beste von «Hart aber Fair», «Schawinski» und «Rundschau» abgeschaut. Die eigene Identität müssen Projer und Redaktion noch erarbeiten. Die Reaktionen auf Twitter, wonach die Sendung auf dem Weg in die Belanglosigkeit sei, sind nicht ganz unberechtigt. Aber es wäre unfair, nach einer Sendung schon ein solches Urteil zu fällen.

Es zeigt sich einmal mehr, dass mit einem neuen Konzept die Sendung nicht unbedingt besser wird. Ob eine «Arena» gelingt, hängt in erster Linie vom Thema und den Gästen ab. Die Debattenthemen müssen griffig sein, konkret, nah an den Leuten. Und wenn wir an dieser Stelle einen Wunsch anbringen dürfen: Weg mit den Gadgets. So hat es – und wir schliessen mit «Borgen» – auch Torben Friis gehandhabt. Er entschied sich gegen die Pläne seines Vorgesetzten. Statt das Politquiz führte er eine glaubwürdige und harte Diskussionsrunde mit den Politikern. Der Journalismus siegte über den Entertainment-Schnick-Schnack.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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