Armee verrechnet sich bei Diensttagen

Die Durchdiener werden dieses Jahr zu früh aus dem Militärdienst entlassen. Auf Geheiss der Verteidigungsministerin.

Nicht ganz 300: Die Durchdiener werden dieses Jahr vorzeitig aus der Dienstpflicht entlassen.

Nicht ganz 300: Die Durchdiener werden dieses Jahr vorzeitig aus der Dienstpflicht entlassen.

(Bild: Keystone)

Philippe Reichen@PhilippeReichen

300 erfüllte Diensttage müssen im Dienstbüchlein eines Durchdieners stehen. So verlangt es das Schweizer Armeegesetz. Im Dienstbüchlein der 900 Durchdiener, welche die Armee am 18. April verlassen, werden aber nur 297 Diensttage notiert sein. Eine entsprechende Recherche hat der Walliser Regionalfernsehsender Kanal 9 diese Woche publik gemacht. Die Armee habe sich verrechnet, heisst es im Beitrag bei Kanal 9. Armeesprecher Daniel Reist bestätigt den Irrtum. Er spricht von einem «Fehler im Diensttagemanagement».

Reist sagt: «Die Armee hat aus der massgebenden Verordnung den sogenannten Härtefallartikel gestrichen. Dieser erlaubte den Durchdienern zum Beispiel im Krankheitsfall, bei Geburten oder Todesfällen bis zu fünf Prozent weniger Diensttage als gesetzlich vorgegeben zu absolvieren.» Diese Streichung wird nun zum Problem. Die Armee hat den Durchdienern nämlich längst mitgeteilt, sie entlasse sie vor Ostern aus der Dienstpflicht. In diesem Moment wird ihr Diensttagekonto genau 297 Diensttage betragen. Nach der Streichung des Härtefallartikels bestünde gemäss Gesetz aber kein Spielraum mehr, dass die Armee über die fehlenden Diensttage grosszügig hinwegsieht.

Armee spricht von zu hohem Aufwand

Der fehlende Spielraum fiel in der Armee zunächst niemandem auf. Als man das Problem realisierte, wurde Verteidigungsministerin Viola Amherd informiert. Die Walliserin entschied, den Fall pragmatisch zu lösen und die Durchdiener vorzeitig aus der Dienstpflicht zu entlassen, wie das bereits kommuniziert worden war. Der administrative Aufwand, erneut Marschbefehle zu verschicken und den Dienstbetrieb für die restlichen Tage zu verlängern, wäre nicht zu rechtfertigen gewesen, heisst es seitens Armee.

Zudem hätten die Durchdiener auf Basis der bereits verschickten Marschbefehle ihre persönlichen Planungen gemacht. Ein weiterer Grund war: Auf die Schnelle konnte man den Härtefallartikel nicht wieder ins Gesetz einbauen, weil man die Gesetzesrevision wieder dem Bundesrat beantragen muss, denn dieser muss darüber entscheiden. Das soll zwar noch in diesem Jahr geschehen, erfordert aber einige Vorbereitungsarbeiten.

Die Durchdiener werden sich über Viola Amherds Entscheid freuen. Dank Amherd müssen sie ihre Osternester nicht in den Kasernengängen suchen.

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