Als Trumps Team gegen die «Davoser Party» wetterte

Internationale Medien sind überrascht von Trumps Ankündigung, das WEF zu besuchen – ein Treffen des scheinbar verhassten Establishments.

Gegen das Establishment und deshalb auch gegen das WEF: Donald Trump und sein Team im Oval Office im Januar 2017.

Gegen das Establishment und deshalb auch gegen das WEF: Donald Trump und sein Team im Oval Office im Januar 2017. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Ankündigung des Besuchs von Donald Trump am World Economic Forum (WEF) in Davos sorgt bei den angelsächsischen Medien für Erstaunen. Denn war es nicht gerade er, der seinen Wahlkampf auf einer Anti-Establishment-Botschaft aufbaute?

Trump habe die Wahl unter anderem wegen seiner Attacke auf die Eliten gewonnen und weil er versprochen habe, den «Sumpf» in Washington trockenzulegen, schreibt die «New York Times». Vertreter des Establishments, Lobbyisten und einflussreiche Unternehmer seien aber genau diejenigen, die in Davos teilnehmen würden. Einige Berater seien denn auch «verwirrt» gewesen über die Entscheidung des Präsidenten – nur ein Jahr, nachdem dessen Team auf die Teilnahme 2017 verzichtete.

«Davos kriegt endlich, was es verdient – Trump.»Quartz

«Trump wird im selben Raum sitzen wie viele der internationalen Elite, die er während seiner Kampagne noch angegriffen hat», stellt auch CNN fest. Und der «Guardian» verweist darauf, dass Trumps Wahlkampfteam ausgerechnet das WEF als Beispiel dafür hochgehalten habe, was mit der Demokratischen Partei Hillary Clintons falsch laufe. Die Arbeiterschicht habe «genug vom Diktat der sogenannten Davoser Party», sagte der damalige Chefstratege Steve Bannon vor der Wahl 2016.


Video: Historischer Handshake, erster US-Präsident

Als das WEF in Davos Geschichte schrieb. (Video: Nicolas Fäs)


Aus Sicht von «Quartz» ist Davos das Synonym der Reichen und Mächtigen, die am meisten von der Globalisierung profitiert haben. Das Mitte-links-Portal beschreibt das WEF als «Konferenz des 1 Prozent» und «Narzissten-Veranstaltung», die in den vergangenen Jahren mit ihren Prognosen oft falsch gelegen habe. Es kommt deshalb zum Schluss: «Davos kriegt endlich, was es verdient – Donald Trump.»

«Trumps Entscheidung ist richtig.»«Washington Examiner»

Laut Sprecherin Sarah Huckabee Sanders wird Trump Davos in erste Linie besuchen, um für seine «America First»-Agenda zu werben. Einige Medien wie der konservative «Washington Examiner» glauben, dass das WEF dafür eine gute Gelegenheit ist. «Die Tagung ist eine Chance, um US-Interessen voranzutreiben. Und Trump könnte neue Investitionen für die USA gewinnen», schreibt das Nachrichtenmagazin. Vor allem die Anwesenheit des indischen Premierministers Narendra Modi sei für den Präsidenten ein guter Grund, nach Davos zu reisen. Zudem werde ihm die Fähigkeit, einflussreichen Personen Honig ums Maul zu schmieren, dabei helfen, die globale Zuversicht in seine Führung zu stärken.

Die meisten Beobachter gehen allerdings nicht davon aus, dass Trumps Besuch etwas bewegen wird. Zwar biete der Event dem US-Präsidenten eine Plattform, meint die «New York Times», doch zwischen seiner «America First»-Agenda und dem globalistischen Ansatz der meisten anderen Teilnehmer gebe es einen Konflikt: «Es besteht das Potenzial für dramatische Meinungsverschiedenheiten.» Nach Einschätzung von «Quartz» werden alle enttäuscht, die erwarten, dass Trump seine Anti-Globalisierungs-Rhetorik mässigen wird, um die liberalen Zuhörer zu besänftigen.


Bringt Trumps WEF-Besuch Davos an den Anschlag?

Walter Schlegel von der Kapo Graubünden macht sich auf allfällige Demonstrationen gefasst. (Key-SDA)


Mit Ausnahme von Bill Clinton vermieden US-Präsidenten bislang den Besuch in Davos. Sie befürchteten, dass das Treffen mit einigen der reichsten Leute die falschen Signale aussenden könnte. Bei Trump ist das in besonderem Masse der Fall – trotzdem reist er in die Schweiz. Verschiedene Medien vermuten, dass er so beweisen wolle, dass er es geschafft habe. Denn Donald Trump war bislang noch nie vom WEF eingeladen worden.

Umfrage

Was halten Sie vom Besuch des US-Präsidenten in Davos?






(wig.)

Erstellt: 10.01.2018, 11:25 Uhr

Artikel zum Thema

Was die Schweiz von Trumps Besuch erwarten kann

Stimmen von links bis rechts zur Aufwartung des US-Präsidenten am WEF. Mehr...

«Trumps Besuch wird Davos ganz dramatisch berühren»

Ernst Wyrsch machte das Hotel Belvédère zur bekanntesten Adresse am WEF. Er sagt, ob Davos dem geplanten Besuch des US-Präsidenten gewachsen ist. Mehr...

Trump am WEF, der Anti-Davos-Mann kommt

KOMMENTAR Am World Economic Forum wird die internationale Zusammenarbeit beschworen. Der US-Präsident steht für das Gegenteil. Mehr...

Blog

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Kommentare

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...