90 Schweizer Armee-Angehörige in Ebola-Gebiete

Der Bundesrat plant eine Hilfsmission in Westafrika. Neben Personal sollen auch bis zu drei Helikopter zum Einsatz kommen. Kontakt mit Kranken soll es keinen geben.

Personell und mit Fluggeräten bestückt: Die Hilfsmission wird bis zu drei Helikopter beinhalten. (Archivbild)

Personell und mit Fluggeräten bestückt: Die Hilfsmission wird bis zu drei Helikopter beinhalten. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Eine Ebola-Mission, die der Bundesrat derzeit prüft, soll rund 90 freiwillig rekrutierte Armeeangehörige und Zivilpersonen umfassen. Geprüft wird auch, ob Helikopter und Material mitgeschickt werden.

Die Schweiz komme einem Ersuchen der UNO nach, sagte Bundesratssprecher André Simonazzi heute vor den Medien in Bern. Er sprach von zwei bis drei Helikoptern für den Transport von Menschen und Material. Geflogen würden humanitäre Helfer und Gesundheitspersonal. Erste Priorität soll Liberia erhalten.

Zunächst Abklärungen vor Ort

Bevor der Bundesrat endgültig entscheidet und den Räten die Botschaft zustellt, wird eine Erkundungsmission in den Seuchengebieten Abklärungen vornehmen. Die Mission kann frühestens kommende Woche starten, wie Karin Suini, Sprecherin des Verteidigungsdepartements (VBS), ausführte.

Die Erkundungen durchführen sollen rund ein Dutzend Freiwillige. Der Einsatz wird zusammen mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vorbereitet. Je nachdem, was die Abklärungen ergeben, wird entschieden, ob, wie und mit welchem Material die Mission durchgeführt wird. Beginnen könnte sie ab Mitte November.

Teilnehmen sollen Freiwillige – neben Personal der DEZA Armeeangehörige. Das könnten beispielsweise Piloten, Sanitäter, Mechaniker und Experten sein. Zu den Kosten konnte Suini noch keine Angaben machen. Über die Mission kann der Bundesrat in eigener Kompetenz befinden. Er muss diese allerdings nachträglich vom Parlament in einem dringlichen Verfahren bewilligen lassen. Die Botschaft dazu will er dem Parlament noch vor der Wintersession zustellen.

Aufruf der UNO

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind durch die Ebola-Epidemie bereits mehr als 4400 Menschen ums Leben gekommen. Der WHO wurden mehr als 8900 Erkrankte gemeldet. Es wird jedoch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen.

Am stärksten betroffen sind Liberia, Guinea und Sierra Leone. Eine baldige Besserung der Lage wird nicht erwartet: Eine am Mittwoch publizierte neue Prognose der WHO erwartet bis Dezember pro Woche zwischen 5000 und 10'000 neue Ebola-Fälle in Westafrika.

Die Hilfe der internationalen Gemeinschaft kommt nur langsam in Gang. Der Leiter der UNO-Ebola-Mission UNMEER, Anthony Banbury, schlug erneut Alarm: Die Welt drohe das Rennen gegen die Krankheit zu verlieren, sagte er bei einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrates am Dienstagabend (Ortszeit) in New York.

«Das Virus läuft uns davon. Es rennt schneller als wir, und wir werden den Wettlauf verlieren», sagte Banbury, der aus dem UNMEER-Quartier in Ghana zugeschaltet war. Der Brite forderte dringend weitere Ausrüstung und Personal. Auch US-Präsident Barack Obama rief die Welt erneut auf, im Kampf gegen Ebola mehr zu tun. Es gebe eine Reihe von Staaten, die sich noch nicht engagiert hätten, obwohl sie über die nötigen Kapazitäten verfügten, sagte er.

Weitere Infektion in den USA

In den USA und in Spanien infizierten sich bisher insgesamt drei Pflegerinnen, die Ebolakranke in Spitälern gepflegt hatten. In Spitälern mehrere europäischer Länder sind bisher Ebola-Patientinnen und -Patienten behandelt worden. Auch in der Schweiz befanden sich bereits Menschen wegen Ebola-Verdachts in Quarantäne.

Der zweite Fall eine Ebola-Ansteckung in den USA war erst am Dienstag (Ortszeit) bekannt geworden. Bei der Behandlung eines Ebola-Patienten in einem texanischen Spital infizierte sich die bereits zweite Krankenschwester mit dem gefährlichen Virus. Auch diese Pflegerin hatte den Liberianer betreut, der vergangene Woche in der Klinik in Dallas gestorben war.

Die Erkrankte bekam nach Angaben des Gesundheitsministeriums des US-Bundesstaates am Dienstag Fieber und kam sofort auf die Isolierstation. Einzelheiten zur Person – etwa Alter oder Geschlecht der Pflegekraft - wurden nicht bekannt.

Infizierte flog mit Passagierflugzeug

Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC mitteilte, ist die Infizierte kurz vor Ausbruch der Krankheit noch mit einem Passagierflugzeug gereist. Am Morgen danach habe sie Fieber bemerkt, wurde positiv auf Ebola getestet und auf eine Isolierstation eingewiesen. Die Behörde rief alle 132 Passagiere des Flugs auf, sich zu melden.

Normalerweise sind Ebola-Infizierte während der Inkubationszeit – also bis zum Ausbruch der Krankheit - nicht ansteckend. Wegen der kurzen Zeitspanne zwischen Flug und dem einsetzenden Fieber ordnete die Gesundheitsbehörde die Massnahme aber an.

sda

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