7 Tipps für eine bessere Öko-Bilanz

Die Geschirrspülmaschine ist ökologischer als der Abwasch von Hand. Wer im Alltag die Umwelt schonen will, muss also auf Bequemlichkeit nicht verzichten. Aber einige Regeln kennen.

hero image
Mirjam Comtesse

Über ein Drittel des Stromverbrauchs in der Schweiz fällt in unseren Haushalten an. Wer die Ökobilanz seines Heims verbessern will, achtet aber nicht nur auf Strom, sondern auch auf Schadstoffe wie Treibhausgase, den Wasserverbrauch sowie die sogenannte graue Energie. Das ist die Energie, die nötig ist für Herstellung, Lagerung, Transport und Entsorgung eines Produkts – zum Beispiel eines Fernsehers. Alle diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen, ist nicht leicht. Unumstössliche Wahrheiten gibt es nicht, aber folgende Leitlinien:

1. Geschirrspülmaschine Von Hand abwaschen benötigt in der Regel mehr Energie und Wasser als eine moderne Geschirrspülmaschine. Voraussetzung ist, dass der Geschirrspüler richtig eingesetzt wird: aufs Vorspülen unter heissem Wasser verzichten, das Sparprogramm wählen und das Gerät nur voll beladen laufen lassen. So verringere sich der Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie um rund 600 Kilowattstunden pro Jahr und der Wasserverbrauch um rund 8000 Liter, hält WWF Schweiz fest. Dies entspricht dem Strom, den es braucht, um ein halbes Jahr lang fernzusehen, und der Wassermenge von 57 gefüllten Badewannen. Allerdings belastet die Geschirrspülmaschine die Umwelt durch Chemikalien. «Weil die Maschine die Speisereste nicht wegschrubben kann, braucht es stärkere Reinigungsmittel», erklärt Rolf Frischknecht. Er ist Partner in der auf Ökobilanzen spezialisierten Firma ESU-Services. Tipp: ein phosphatfreies Spülmittel verwenden.

2. Waschen Wie der Geschirrspüler zählt die Waschmaschine zu den Strom- und Wasserfressern im Haushalt (siehe Grafik). Beim Kauf lohnt es sich, ein Gerät der Energieklasse A auszusuchen. Doch wer nun seine alte Schleuder durch eine neue, umweltfreundlichere ersetzt, handelt nicht unbedingt ökologisch. Denn bei Transport und Herstellung entstehen 53 Prozent der Umweltverschmutzung im Lebenszyklus einer Waschmaschine. Das Bundesamt für Energie (BFE) rät, in diesem Fall das alte Gerät nur zu ersetzen, wenn das neue 100 bis 130 Kilowattstunden weniger Strom im Jahr braucht. Auf jeden Fall die Umwelt schonen kann, wer sein Gerät voll auslastet, seine Kleider bei 60 statt 95 beziehungsweise 40 statt 60 Grad Celsius reinigt, aufs Vorwaschen verzichtet und das Waschmittel eher knapp dosiert.

3. Trocknen Beim anschliessenden Wäschetrocknen sollten Umweltbewusste möglichst auf den Tumbler verzichten. Am besten lassen sie ihre Textilien im Freien oder im Estrich trocknen. Die zweitbeste Lösung ist ein Trockenraum, in dem warme Luft zirkuliert. Doch selbst wer seinen Tumbler weiter nutzen will, kann sein grünes Gewissen beruhigen. Einfach die Wäsche zuerst in der Waschmaschine mit möglichst hoher Drehzahl schleudern. So bleibt weniger Feuchtigkeit zurück, und der Tumbler braucht anschliessend im Idealfall nur noch halb so viel Energie.

4. Kühlen Auch beim Kühlen und Gefrieren lässt sich mit kleinem Aufwand Energie sparen. «Stellen Sie die Kühlschranktemperatur um ein Grad höher auf fünf bis sieben Grad Celsius ein. Das senkt den Verbrauch um rund 100 Kilowattstunden», rät WWF Schweiz. Für das Tiefkühlen gilt: Eine Gefriertruhe benötigt 12 Prozent weniger Energie als ein Gefrierschrank. Zudem sollten sowohl Kühlschrank als auch Gefriertruhe richtig platziert werden, also nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein und weder neben dem Herd noch der Heizung oder der Spülmaschine stehen. Gefrorenes taut der bewusste Konsument am besten im Kühlschrank auf – die frei werdende Kälte kühlt die übrigen Lebensmittel automatisch mit.

5. Kochen Ebenfalls Energie sparen können Mikrowellengeräte – 10 bis 20 Prozent gegenüber dem konventionellen Kochen. Allerdings trifft dies nur bei kleinen Mengen unter 400 Gramm zu und beim Erwärmen bereits gekochter oder gebackener Speisen. Auch Wasserkocher sind deutlich effizienter als der Herd. Beim Backen ist wichtig zu wissen, dass der Ofen oft gar nicht vorgeheizt werden muss, was den Energieverbrauch um rund 20 Prozent verringert. Verunsichert sind viele beim Gebrauch der Kaffeemaschine. Hier gilt: ganz ausschalten, wenn einem gerade nicht nach Koffein ist. Eine Kaffeemaschine, die das Wasser ständig vorheizt, sollte man nur laufen lassen, wenn man pro Stunde mehrere Kaffees trinkt.

6. Beleuchtung Bei der Beleuchtung unserer Wohnungen und Häuser besteht gemäss einer Studie des BFE das grösste Einsparpotenzial. Es rät konsequent zu Energiesparlampen – obwohl deren Vorteile umstritten sind. Das Bundesamt meint aber, trotz höherem Kaufpreis lohne sich die Anschaffung sowohl ökologisch wie auch wirtschaftlich.

7. Elektronische Geräte Der Stand-by-Modus von elektronischen Geräten wie Computern und DVD-Spielern verschlingt Strom. Die einfachste Lösung ist, sich eine Steckerleiste anzuschaffen. So kann eine ganze Gerätegruppe bei Bedarf einfach und bequem vom Stromnetz getrennt werden. Neben all diesen Regeln gibt es zahlreiche weitere, damit die persönliche Ökobilanz verbessert werden kann: duschen statt baden, weniger heizen, online bestellen, anstatt mit dem Auto einkaufen zu gehen. In den meisten Fällen tragen die Schweizer Haushalte dadurch nicht nur der Umwelt Sorge, sondern auch ihrem Portemonnaie. Über 2300 Franken kann eine vierköpfige Familie durch solch kleine Verhaltensänderungen gemäss WWF Schweiz im absoluten Idealfall jährlich sparen – ohne gross auf Komfort verzichten zu müssen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt