6 Fragen und Antworten zur Quellensteuer

Basel diskutiert über die Einführung einer Art Quellensteuer, die direkt vom Lohn abgezogen wird. Wie funktioniert das genau?

Typische Quellensteuerzahler: Grenzgänger verlassen am Genfersee die Fähre, die sie von Evian nach Lausanne brachte.

Typische Quellensteuerzahler: Grenzgänger verlassen am Genfersee die Fähre, die sie von Evian nach Lausanne brachte.

(Bild: Keystone Jean-Christophe Bott)

Lynn Scheurer@Ciao_Lynn

Wie funktioniert die Quellensteuer?
Der Arbeitgeber zieht seinem Angestellten die Steuern direkt vom Monatslohn ab. Wie viel abgezogen wird hängt einerseits von der Höhe des Lohnes ab. Andererseits spielen aber auch Zivilstand, Anzahl Kinder oder Religionszugehörigkeit eine Rolle. Im Kanton Zürich muss der Arbeitgeber zum Beispiel anhand der Anzahl Kinder, der Höhe des Lohnes, der Konfession und des Zivilstandes den richtigen Tarif für seinen Angestellten wählen.

Wer zahlt heute in der Schweiz bereits Quellensteuer?
Alle ausländischen Arbeitnehmer, die keine Niederlassungsbewilligung, aber ihren steuerrechtlichen Wohnsitz oder «Aufenthalt» in der Schweiz haben. So steht es im Steuergesetz. Quellensteuerpflichtig sind auch Grenzgänger, die zur Arbeit in die Schweiz kommen. Die Quellensteuer betrifft dabei nur Personen, die angestellt sind – keine Selbständigen und keine Firmen. Die Grenzgänger sind aber nur eine Kategorie der Quellenbesteuerten. Zur anderen gehören Personen, die in der Schweiz wohnen, aber noch keinen C-Ausweis, also keine Niederlassungsbewilligung haben. Auch Asylbewerber und Personen, die erst eine Aufenthaltsbewilligung haben, zahlen Quellensteuer. Erzielt eine quellensteuerpflichtige Person Einkommen, das der Quellenbesteuerung nicht unterworfen ist, – zum Beispiel aus Liegenschaften – erfolgt eine ergänzende Einschätzung im ordentlichen Verfahren.

Kann man bei einer Quellensteuer Abzüge machen?
Die ordentlichen Abzüge werden in erster Linie in die Tarife eingerechnet. Als Quellenbesteuerter hat man zudem die Möglichkeit, Abzüge im Rahmen einer sogenannten Tarifkorrektur geltend zu machen. Auf diese Weise erhält man beispielsweise Abzüge für Einzahlungen in die dritte Säule.

Funktioniert die Quellensteuer für alle gleich?
Nein. Verdient eine quellenbesteuerte Person mehr als 120'000 Franken im Jahr muss sie eine Steuererklärung ausfüllen. 2014 wurde allerdings im Rahmen der geplanten Revision der Quellensteuerordnung darüber diskutiert, ob die 120‘000 Franken pro Jahr nicht zu hoch angesetzt sind. Der Kanton Solothurn sprach sich für eine Senkung des Schwellenwerts auf 80'000 Franken aus, die Mehrheit der Kantone – auch Zürich – wollte allerdings den höheren Wert beibehalten. Begründet wurde dies vor allem mit dem administrativen Mehraufwand, den eine Senkung des Schwellenwerts mit sich bringen würde.

Was würde sich bei einer schweizweiten Quellensteuer ändern?
Ob die Steuerveranlagung durch eine Quellensteuer vereinfacht werden würde, ist umstritten. Manche Steuerexperten gehen davon aus, dass es trotz Quellensteuer noch eine Steuererklärung bräuchte, um die vielen Abzüge – etwa für den Arbeitsweg – zu gewährleisten.

Warum wurde die Quellensteuer ursprünglich eingeführt?
Mit der starken Zunahme der ausländischen Arbeitnehmer in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wuchs in den Kantonen das Bedürfnis nach Steuersicherung und nach einem einfachen, auch für fremdsprachige Arbeiter geeignetem Steuersystem.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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