40 Millionen für externe Informatiker

Das Informatikamt des Bundes erfindet eine neue Art von Personalbeschaffung: Es will auf Vorrat für 40 Millionen Franken Informatiker reservieren. Das stösst auf scharfe Kritik.

Beim Informatikamt des Bundes mag man nicht für jedes Projekt eine Ausschreibung machen – deshalb will es Beschaffungen nun bündeln.

Beim Informatikamt des Bundes mag man nicht für jedes Projekt eine Ausschreibung machen – deshalb will es Beschaffungen nun bündeln.

(Bild: Keystone)

Mischa Aebi@sonntagszeitung

Nur Wochen nach dem Beschaffungsskandal beim Bund schlägt das Bundesamt für Informatik (BIT) in der Personalbeschaffung neue umstrittene Wege ein. Es sucht mittels öffentlicher Ausschreibung eine Firma, die ihm bei Bedarf in den nächsten vier Jahren IT-Spezialisten für bis zu 200'000 Arbeitsstunden zur Verfügung stellt. Das Ungewöhnliche: Die Amtsleitung reserviert damit eine Vielzahl von Informatiker auf Vorrat.

Konkret bedeutet das: Die Amtsleitung weiss selber noch nicht, ob und für welche Projekte sie die Informatiker dereinst brauchen wird. Die Strategie hinter der vom BIT selber als Novum bezeichneten Beschaffung auf Vorrat: Im Bedarfsfall kann das Amt in den kommenden Jahren für ein beliebiges Projekt Informatiker bestellen, ohne dafür eine spezifische Ausschreibung machen zu müssen. BIT-Sprecher Claudio Frigerio begründet das Vorgehen so: «Würden wir die Stellenprofile erst im Zeitpunkt eines konkreten Projektstarts ausschreiben, würden sich die Projektarbeiten um mindestens 5 bis 6 Monate verzögern, da das Vergabeverfahren bis zum Zuschlag so lange dauert» (siehe Kasten).

40-Millionen-Auftrag

Doch kaum publiziert, provoziert die aktuelle Grossbeschaffung scharfe Kritik von einem überparteilichen Verbund von Politikern: Die parlamentarische Gruppe für digitale Nachhaltigkeit zählt rund 40 National- und Ständeräte von der SVP über die Mitteparteien bis zur SP und den Grünen. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen, Co-Präsident der Gruppe, sagt, er staune, «dass man so viele Arbeitsstunden in eine einzige Ausschreibung verpackt, zumal es ja nicht um ein Projekt, sondern um viele geht». Die Folge einer solchen Bündelung sei, dass in erster Linie ausländische Grossunternehmen für diesen Auftrag infrage kommen. Wenn man die ausgeschriebenen Arbeit mit einem gängigen Stundentarif für Informatikspezialisten multipliziere, komme man auf ein Auftragsvolumen von rund 40 Millionen Franken. Bei einem solchen Volumen seien kleinere einheimische Unternehmen von Anfang an ausgeschlossen, so Wasserfallen.

«Wettbewerb unterdrückt»

BIT-Sprecher Frigerio bestätigt, dass nur grosse Unternehmen eine Chance haben: Durch die Bündelung von Bedürfnissen ergebe sich ein grosses Beschaffungsvolumen. «Aufgrund des Volumens werden hier entsprechend leistungsfähige Anbieter im Geschäftsfeld des Personalverleihs von IT-Spezialisten gesucht», so der Amtssprecher.

Für Wasserfallen ist eine solche gebündelte, nicht an konkrete Projekte gebundene Ausschreibung schlicht unhaltbar. Ähnlich sieht es der Grüne Nationalrat Alec von Graffenried ebenfalls Mitglied der Gruppe: «Wenn man die Bedingungen in einer Ausschreibung extra so formuliert, dass sie nur ein Anbieter erfüllen kann, verhindert man den Wettbewerb.» Auch die Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Riklin findet das «sehr fragwürdig».

«Stellen durch Hintertür»

Die in der Ausschreibung aufgeführten 200'000 Arbeitsstunden entsprechen der Arbeitszeit von 100 Angestellten, die während eines Jahres ein 100-Prozent-Arbeitspensum leisten. Das BIT beschäftigt bereits heute 300 externe Mitarbeiter, wie eine Anfrage ergab. Wasserfallen wie von Graffenried sind überzeugt, dass das BIT mit der Ausschreibung auch die vom Parlament beschlossenen Personalvorgaben des Bundes unterlaufe. Kürzlich musste das Amt nämlich wegen eines vom Parlament für die Verwaltung verordneten Personalabbaus 45 von 1000 Stellen abbauen. Wasserfallen befürchtet, dass das BIT nun die Stellen in Form von externen Mitarbeitern durch die Hintertür wieder aufbaut, weil diese dann nicht als Bundesangestellte ausgewiesen werden. Über 300 externe Mitarbeiter auf 1000 interne findet Wasserfallen «grotesk».

Berner Zeitung

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