Roma verlassen die Schweiz

Die meisten Roma, die in ­Vallorbe Asyl suchten, kehrten in ihre ungarische Heimat zurück.

Zurück in die Heimat: Ungarische Roma werden in der Schweiz nicht als Flüchtlinge anerkannt. Foto: Fabrice Coffrini / Keystone.

Zurück in die Heimat: Ungarische Roma werden in der Schweiz nicht als Flüchtlinge anerkannt. Foto: Fabrice Coffrini / Keystone.

Bernhard Odehnal@BernhardOdehnal

Zwei Wochen waren sie weg. Jetzt sind 41 der insgesamt 65 Roma, die in der Schweiz um Asyl nachsuchten, wieder in ihre Heimatstadt Miskolc zurückgekehrt. In mehreren Gesprächen machten ihnen die Vertreter des Bundesamts für Migration klar, dass sie keine Chance hätten, in der Schweiz den Status als Flüchtling zu bekommen. Darauf zogen die ungarischen Roma ihre Asylanträge zurück. Die Rückfahrt nach Ungarn mit Bahn oder Bus mussten sie selbst bezahlen. Auch jene, die noch in der Schweiz sind, dürften in den nächsten Tagen die Heimreise antreten.

Seit 2009 habe die Schweiz keine EU-Bürger mehr als Flüchtlinge anerkannt, heisst es in einer Medienmitteilung des Bundesamts: Der Bundesrat bezeichne EU-Mitgliedsstaaten, also auch Ungarn, als sichere Staaten. Die Asylgesuche der 65 Ungarn seien auch nicht materiell geprüft worden, da «sämtliche Personen ihr Asylgesuch zurückgezogen haben».

Jetzt stehen sie vor dem Nichts

Die Gruppe bestand aus mehreren Grossfamilien mit Jugendlichen und kleinen Kindern. Sie hatte sich am Abend des 19. Oktober in einem ge­mieteten Bus auf den Weg in die Schweiz gemacht (Bernerzeitung.ch/Newsnetz vom 23. 10.) Den meisten Familien waren von der Stadtverwaltung Miskolc die Mietverträge gekündet worden und es drohte ihnen die Zwangsräumung. Ein in Genf lebender Verwandter einer Familie hatte in dieser verzweifelten Situation geraten, im Aufnahmezentrum Vallorbe in der Westschweiz um Asyl nachzusuchen. Um die Reise im Car zu bezahlen, verkauften die Familien Wohnungseinrichtung und Haustiere. Jetzt können sie zwar in ihre Wohnungen zurück, müssen aber auf Matratzen auf dem Boden schlafen und stehen vor dem Nichts. Die Gefahr der Zwangsräumung besteht weiterhin, die Kündigungen wurden nicht zurückgenommen. Weitere Busreisen aus Miskolc in die Schweiz werden dennoch mit grosser Wahrscheinlichkeit abgesagt. Zwar waren bereits Cars für Anfang Novem­ber gebucht worden. Doch die zweite Gruppe wollte nur losfahren, wenn die erste Gruppe schon Bleiberecht in der Schweiz erhalten hat.

Am 29. Oktober besuchte der Schweizer Botschafter in Ungarn, Jean-François Paroz, die Romasiedlung in Miskolc, um die Bevölkerung «auf die Medienmitteilung der Botschaft und des Bundesamts für Migration aufmerksam zu machen», wie er sagt. In der Mitteilung steht, dass Asylgesuche von EU-Bürgern beschleunigt behandelt werden und Abgewiesene kein Geld für die Rückreise erhalten. Bewohner der Siedlung interpretierten den Besuch als Versprechen, den Roma in Miskolc in ihrer Heimat zu helfen. Botschafter Paroz sagte hingegen dem Bernerzeitung.ch/Newsnetz, er habe «weder Zusicherungen noch Angebote gemacht».

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