Im Otelli zeigten junge Artisten ihr Können

Der Zirkus aus Otelfingen ging mit seinem Publikum in 80 Tagen um die Welt. Die Manege gehörte den Kindern - und ihrem Direktor Fritz Zollinger.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Otelfingen. - Schon als Kind war der heutige Zirkusdirektor Fritz Zollinger vom zirzensischen Virus befallen. Seinen Eltern war klar, dass ein Leben als Zirkusdirektor alles andere als ein Zuckerschlecken sein würde. Darum ermöglichten sie ihrem Sohn ein Praktikum beim Circus Knie in dessen Winterlager in Rapperswil. Seine Erfahrungen daraus: «Zirkusarbeit ist anstrengend, hart, dreckig, eintönig und geistig völlig uninteressant - keine Manegenauftritte, keine Kreativität.»

So studierte der junge Fritz nach bestandener Matura an der ETH Kulturtechnik und arbeitet heute in leitender Funktion beim Kanton. Allerdings ermöglichte ihm diese Arbeit, den Zirkus und die damit verbundene Jugendförderung in seinem Dorf zu seinem Hobby zu machen. Zu einem sehr aufwendigen und einem lang anhaltenden, wie es die 24-jährige Geschichte des Zirkus Otelli zeigt.

Zollinger ist Direktor, Trainer und Choreograf: Er ist streng und gerecht, er fordert und fördert die Kinder - und er sprudelt nur so von Kreativität. Damit der Zirkus funktioniere, brauche es klare Richtlinien, ist er überzeugt: Wer mitmachen will, muss zwei Bedingungen erfüllen: Die Eltern müssen sich mit minimaler «Fronarbeit» beteiligen. Das kann ein Nachmittag lang Kostümnähen sein oder das Bauen von Requisiten. Die zweite Bedingung ist, dass die Kinder alle Proben besuchen.

Mal Kapitän, mal Häuptling

Zollinger steht an der Drehorgel beim Eingang und geleitet die grossen und kleinen Gäste mit Musik ins Zelt. Die Manege ist so klein, dass nur die allerkleinsten Ponys darin eine Dressur vorführen können. Das Zelt war ursprünglich ein Einmaster von acht Meter Durchmesser. Später wurde der Hauptmast ersetzt durch eine Zweibeinkonstruktion, damit Trapeznummern möglich sind.

Während der Vorstellung schlüpft der «Direktor» immer wieder in andere Rollen, er ist Indianerhäuptling, Kapitän, Neptun oder der finale Dudelsackbläser. Zwischendurch hilft er den Artistinnen aufs Stangenrad oder sichert sie beim Salto.

Paul Eggimann aus Otelfingen ist mit Frau und Kindern gekommen. Sohn Mario ist sieben und steht, wie viele Kinder in seinem Alter, auf der Artisten-Warteliste. «Wer die Zirkusvorstellung nicht besucht, ist kein richtiger Otelfinger», sagt Paul Eggimann.

Fasziniert ist er jedes Mal von der Hintergrundgeschichte, diesmal ist es Jules Vernes «Reise um die Erde in 80 Tagen». Allerdings wird verkehrtherum gereist, und die Handlung ist gespickt mit viel Humor und witzigen Wortspielen aus der aktuellen Politik.

Auch Andrea Frey ist einmal mehr begeistert von den liebevoll gestalteten Details, von den farbenfrohen Kostümen und der kreativen Dekoration. Sie wohnt in Otelfingen und staunt zusammen mit ihren Kindern, 7 und 9 Jahre alt, über die Talente und den grossartigen Einsatz der Schulkameraden und Nachbarskinder. «Ich bin beeindruckt von der Zusammenarbeit der verschiedenen Altersgruppen und beobachte bei einigen Artisten eine Steigerung gegenüber letztem Jahr.»

Aline Zimmermann (11) ist multifunktionale Artistin. Stolz erzählt sie, dass sie die Einzige sei auf dem Schlappseil. Konzentriert und erfolgreich balanciert sie über das schaukelnde Seil, mit der gleichen Sicherheit fährt sie auch Einrad und das hohe Stangenrad.

Daneben spielt Aline Zimmermann noch Panflöte und mimt den Eisbär und die Queen. In ein paar Jahren wolle sie dann im Hintergrund mithelfen, im Sattelgang oder in der Garderobe. Weitere Vorführungen am kommenden Wochenende. www.otelli.ch.

Selbst eine Trapeznummer trauten sich die Nachwuchsartisten im kleinen Zelt des Zirkus Otelli zu.

Fritz Zollinger: Ein Direktor mit vielen Rollen.

Paul und Mario (l.) Eggimann sind «richtige Otelfinger».

Andrea Frey: «Einige Artisten haben sich gesteigert.»

Artistin Aline Zimmermann balancierte auf dem Seil. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2009, 02:03 Uhr

Blogs

History Reloaded Die Schweiz, ein Land der Streiks

Beruf + Berufung Die Angst des Rebellen

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...