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Die teuersten Patienten kosten 2 Millionen Franken

Solidarischer könnte die obligatorische Grundversicherung nicht sein: 50 Prozent der Versicherten verursachen praktisch keine Kosten. Umgekehrt benötigen verhältnismässig wenige Patienten extrem teure Behandlungen.

Eine Patientin auf der Intensivstation: Sie gehört zu den 20 Prozent der Versicherten, die 86 Prozent der Kosten verursachen.
Eine Patientin auf der Intensivstation: Sie gehört zu den 20 Prozent der Versicherten, die 86 Prozent der Kosten verursachen.
Keystone

Die Krankenkassen zahlen in der Grundversicherung Leistungen im Umfang von rund 26 Milliarden Franken pro Jahr. 21 Prozent dieser Kosten entfallen auf 1 Prozent der Versicherten. Und nur 5 Prozent der Versicherten verursachen über die Hälfte der von den Krankenkassen vergüteten Leistungen. Das sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch an der Medienkonferenz, als er den indirekten Gegenvorschlag zur Initiative für eine Einheitskrankenkasse vorstellte.

Atupri: 266'000 Franken

Was sind das für Leiden, die derart hohe Kosten verursachen? Bei der Stadtberner Krankenkasse Atupri beanspruchte der kostenintensivste Versicherte im vergangenen Jahr Leistungen von 266'000 Franken. Es ging dabei um mehrere Krankheiten, die im weitesten Sinne als Versagen des Immunsystems zusammengefasst werden können. Auch bei den anderen Versicherten mit Behandlungskosten von über 200'000 Franken pro Jahr kommen laut Atupri meistens mehrere Krankheiten zusammen. Die häufigsten sind Herz-Kreislauf-Krankheiten, Organversagen, Transplantationen und Krebserkrankungen.

Visana: 2,3 Millionen Franken

Mit 200000 Franken ist Atupri noch gut bedient. Die Visana, mit 234'000 Kunden der grösste Grundversicherer im Kanton Bern, bezahlte für eine noch nicht pensionierte Frau mit Magen-Darm-Problemen Leistungen im Betrag von 2,3 Millionen Franken im Jahr. Darin inbegriffen sind mehrere Aufenthalte in Spitälern und Pflegeheimen.

Swica: 500'000 Franken

Bei der Swica-Gesundheitsorganisation mit Hauptsitz Winterthur sorgte die seltene, zu Muskelschwund führende Stoffwechselkrankheit Morbus Pompe für die teuerste Therapie. Sie kostete zwischen 400'000 und 500'000 Franken. Dies wegen des Medikamentes Myozyme, welches allein über 300'000 Franken pro Jahr kostet. Vor zwei Jahren befand das Bundesgericht, die Kassen müssten die Kosten für das Medikament nicht übernehmen, da dessen Wirksamkeit zu wenig nachgewiesen sei.

Doch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzte darauf das Medikament der amerikanischen Herstellerfirma Genzyme auf die Spezialitätenliste, sodass die Kassen die Kosten decken müssen. Laut Swica-Sprecher Tobias Nussbaum seien es häufig die Medikamente bei seltenen Erkrankungen, etwa Immunschwächen, welche zu überdurchschnittlich teuren Behandlungen führten.

KPT: 530'000 Franken

Ebenfalls bei der Berner Krankenkasse KPT war es eine Stoffwechselkrankheit, welche zu den höchsten Kosten führte. Die Behandlung belief sich in einem konkreten Fall auf 530000 Franken im Jahr –und auch hier vorwiegend wegen des teuren Medikamentes.

CSS: 1,3 Millionen Franken

Bei der CSS, dem zweitgrössten Krankenversicherer in der Schweiz, waren die drei teuersten Behandlungen im vergangenen Jahr auf seltene Erbkrankheiten zurückzuführen: Die Kosten beliefen sich laut Angaben von Stephan Michel auf 1,3 Millionen, 750'000 und 700'000 Franken.

Herztransplantation für 100'000 Franken

Generell ist festzuhalten, dass es nicht die Herztransplantationen sind, welche die ganz hohen Kosten verursachen, wie man das etwa vermuten könnte. Eine Herztransplantation kostet nach Angaben der Association Suisse des Transplantés etwa 100'000 Franken. Wenn man bedenkt, dass in der Schweiz pro Jahr um die 40 Herzen transplantiert werden, so fallen diese 4 Millionen Franken kaum ins Gewicht.

Für extrem hohe Kosten schliessen die Kassen schon heute Rückversicherungen ab. Geht es nun nach den Vorstellungen des Bundesrats, sollen überdurchschnittliche Kosten mit einer einheitlichen Rückversicherung gedeckt werden. Diese Rückversicherung in Form einer Stiftung würde Kosten ab einer bestimmten Höhe übernehmen. Die Schwelle will Berset relativ tief ansetzen – zwischen 5000 und 20'000 Franken pro Jahr.

Geringere Unterschiede

Der Versicherte wird nichts davon merken, wie weit seine Leistung direkt von der Krankenkasse oder via Rückversicherung bezahlt wird. Merken wird er von diesem Mechanismus höchstens dann etwas, wenn die Prämienunterschiede zwischen den einzelnen Krankenversicherern dank dieser Rückversicherung und dank eines verfeinerten Risikoausgleichs nicht mehr so hoch ausfallen werden.

All das ist Zukunftsmusik. Der indirekte Gegenvorschlag zur Initiative für eine Einheitskrankenkasse muss noch im Parlament beraten werden. Nach ersten Reaktionen von Interessenvertretern ist davon auszugehen, dass die vom Bundesrat vorgeschlagenen Änderungen die politischen Mühlen nicht passieren werden.

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