Das Geschäft mit dem Wetter

Der wirtschaftliche Nutzen von Wetterinforma­tionen wird inzwischen auf mehrere Hundert Millionen Franken geschätzt.

Mit Wettervorhersagen lässt sich viel Geld verdienen: 65 Prozent der Produkte im Detailhandel sind wetterabhängig.

Mit Wettervorhersagen lässt sich viel Geld verdienen: 65 Prozent der Produkte im Detailhandel sind wetterabhängig. Bild: Jacques Pfister

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Jedes Wetter ist gut – man muss sich nur passend anziehen. Was für die Kleidung gilt, machen sich auch Unternehmen zunutze. Mit präzisen Wetterprognosen versuchen sie, das Verhalten ihrer Kunden vorauszusehen. Genügend Grillwürste in den Regalen oder Regenschirme vor der Kasse sind darum keine Zufälligkeiten.

Der Händler hat präzis kalkuliert. 65 Prozent aller Produkte im Detailhandel sind wetterabhängig. Händler lassen sich darum geografisch gezielte und detaillierte Wetterprognosen erstellen, damit die Ware rechtzeitig zum passenden Wetter parat steht.

Wetterkapriolen antizipieren hat ein grosses Potenzial

«Das Wetter spielt eine sehr wichtige Rolle», sagt Kevin Zimmerli, Marketingleiter des Einkaufszentrums Shoppi Tivoli in Spreitenbach. An einem sonnigen Samstag etwa verzeichnet das grösste Einkaufszentrum der Schweiz bis zu 20 Prozent weniger Besucher.

Das lässt sich zwar nicht ändern, aber zumindest auf der Kostenseite optimieren – dank einer eigenen Wetterstation. Stehen die Zeichen auf ­Hitze, organisieren Shops und Restaurants bereits im Vorfeld weniger Personal und stornieren gebuchte Werbung. Umgekehrt wird vor Schlechtwettertagen beispielsweise mehr Reinigungspersonal aufgeboten.

Der Detailhandel ist nur eine der wetterabhängigen Branchen. Experten sprechen von 80 Prozent der Unternehmen, die eigentlich vom Wetter profitieren könnten, würden sie dessen Kapriolen antizipieren.

Der Weg zum passenden Wetter

Eine Studie von Eco Concept schätzt alleine für die Branchen Energie und Verkehr in der Schweiz den wirtschaftlichen Nutzen von Wetterinformationen auf hundert Millionen Franken. Nutzen meint nicht nur höhere Erträge, sondern eben auch tiefere Kosten. Augenfällig ist die Relevanz etwa im Tourismus.

Eine Studie des Marktforschungsinstituts GFK zeigt, dass sich mehr als die Hälfte aller Tagesausflügler vom Wetter beeinflussen lassen. Dabei entscheiden sie sich am Vorabend. Für Kurztrips stützt sich mehr als die Hälfte der Reisenden auf Prognosen, welche zwei bis vier Tage im Vorfeld gemacht werden.

Die Bergbahnen Graubünden haben darum ein Wetterportal kreiert, auf dem man nicht nur nach Ort, sondern auch nach Wetter suchen kann. «Irgendwo in den 150 Tälern Graubündens ist es immer schön», sagt Reto Küng, ehema­liger Projektleiter von Wetter Graubünden.

Über die Website sollen Gäste den Weg zum passenden Wetter finden. «Wir kämpfen um die 50 Prozent, die punkto Tagesausflüge flexibel sind und bei unsicheren Prognosen eher ins Hallenbad oder Einkaufszentrum gehen», sagt Küng.

Geht der Kunde ins Einkaufszentrum, dann findet er dort alles, was man bei Regen braucht. Das Shoppi Tivoli arbeitet für seine eigenen Wetterprognosen mit der Meteogroup zusammen.

Zur Gruppe mit Sitz in Schweden gehört auch die frühere Meteo­media, welche Jörg Kachelmann 2013 verkaufte. Die Gruppe erhebt für sich den Anspruch, das grösste Privatunternehmen Europas zu sein, welches mass­geschneiderte Wetterprognosen anbietet.

Ein hart umkämpfter Markt

Gute Abnehmer sind beispielsweise Verwaltungen, welche die Winterdienste organisieren. «Wir berechnen nicht nur Wetter, sondern beziehen das Verhalten der Strassen mit ein», sagt Joachim Schug, Chef des Schweizer Geschäfts der Meteogroup.

Die meisten Städte in der Deutschschweiz verlassen sich für ihre Winterdienste auf die Prognosen von Schug und seinen sechs Meteorologen. Auch die Verhältnisse auf den Deutschschweizer Autobahnen sagen sie regelmässig voraus.

Nebst der Meteogroup kämpfen knapp ein Dutzend Unternehmen um den Prognosemarkt. Sie erwirtschaften zusammen etwa zwölf Millionen Franken Umsatz und beschäftigen 80 Mitarbeiter.

Gegenspieler und zugleich Partner ist Meteo Schweiz, der staatliche Wetterdienst mit 350 Mitarbeitern an sechs Standorten und einem Umsatz von rund hundert Millionen Franken.

Laut Bettina Durrer, Leiterin Planung und Kundenbeziehungen, hat Meteo Schweiz die Tätigkeit in den letzten Jahren aber verlagert. Nur noch ein kleiner Teil des Umsatzes – etwa eine Million Franken – werde mit kommerziellen Leistungen erwirtschaftet.

Wichtiger sei das Geschäft mit Informationen, welche sicherheitsrelevante Gebiete betreffen, etwa Flugsi­cherung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.06.2017, 15:13 Uhr

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