«Das Fürstenhaus trickste die Nazis aus»

In Bern zeigt das Liechtensteiner Fürstenhaus Teile seiner Kunstsammlung. Erbprinz Alois erzählt, wie sein Grossvater wertvolle Gemälde vor den Nazis rettete. Und sagt, wo er sich ein besseres Verhältnis zur Schweiz wünscht.

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Jon Mettler@jonmettler

Durchlaucht, hat Liechtenstein ein Imageproblem?
Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein: Nein. Weshalb meinen Sie?

Teile der fürstlichen Privatsammlung sind derzeit im Kunstmuseum Bern zu sehen. An der Olma war Liechtenstein auch zu Gast. Das sieht nach einer Imagekampagne aus.
Meines Wissens kamen die Anfragen für diese Aktivitäten jeweils aus der Schweiz. Von einer Kampagne zu sprechen, wäre also falsch. Was aber stimmt: Früher waren wir zurückhaltender, wenn es darum ging, über Liechtenstein zu informieren. Seit einigen Jahren sind wir der Meinung, dass es in der heutigen Zeit von Vorteil ist, offensiver zu kommunizieren.

Liechtenstein galt lange als Steuerparadies und kam deswegen unter Druck. Ging es nicht auch darum, im Ausland wieder ein positiveres Bild zu vermitteln?
Der internationale Druck hat dazu geführt, dass wir uns früher als andere Länder mit dem neuen Zeitalter des Informationsaustausches auseinandergesetzt und diesen schneller umgesetzt haben. Natürlich ist es auch wichtig, gegen aussen ein positives und vor allem richtiges Bild zu vermitteln. Mittlerweile gibt es eine staatliche Einrichtung namens „Liechtenstein Marketing“, die für die Schwerpunktsetzung verantwortlich ist. Die Schweiz ist ganz klar eines der Schwerpunkt-Länder.

Welche Rolle spielt dabei die fürstliche Kunstsammlung?
Sie ist „Botschafterin“ – für das Land und das Fürstenhaus. Ausstellungen machen auf Liechtenstein aufmerksam, ermöglichen Begegnungen und bieten die Gelegenheit, über unsere Geschichte zu informieren.

Viele Mythen ranken sich um die fürstliche Sammlung. Sie soll sehr wertvoll sein.
Sie wird gerne als eine der weltweit bedeutendsten Privatsammlungen bezeichnet. Aber einen Wert zu nennen, wäre nicht seriös. Der Marktwert hängt von vielen Faktoren ab.

Und wie steht es um den Versicherungswert?
Zum Versicherungswert kann ich keine Angaben machen.

Die Sammlung – das zeigt sich auch in der Berner Ausstellung – spiegelt die Interessen, den Geschmack der jeweiligen Herrscher wider. Wie ist das bei Ihnen?
Da unsere Sammlung aus Altmeistern besteht, bin ich vor allem mit solchen Kunstwerken beschäftigt. Das hat auch mein Interesse geprägt. Es gibt aber durchaus zeitgenössische Kunst, die mir gut gefällt. Meist ist es Kunst, von der ich mir vorstellen könnte, dass ich sie auch zu Hause aufhängen und mich mit ihr wohlfühlen würde.

Wird die Sammlung auch heute noch erweitert?
Wir kaufen seit rund 30 Jahren wieder Kunstwerke an. Oft solche, die früher mal in der Sammlung waren und veräussert wurden. Aber auch andere Werke, die vergleichbar sind mit solchen, die wir früher hatten.

Kunstbesitz bedeutet Prestige. Private und Herrscherhäuser – gerade im arabischen Raum – umgeben sich mit teuren Werken und wirken als Preistreiber im Kunstmarkt, der zu Exzessen bei Spitzenwerken tendiert. Sind das Konkurrenten für Sie?
Wir konzentrieren uns nicht auf die Kunstwerke, um die ein exzessiver Wettbewerb herrscht. Wir kaufen lieber in anderen Bereichen zu. Glücklicherweise ist die Sammlung recht breit, es gibt viele Anknüpfungspunkte.

Die fürstliche Sammlung hat eine bewegte Geschichte, gerade im 20. Jahrhundert. Die Werke wurden im Zweiten Weltkrieg aus Wien nach Vaduz evakuiert. Wie muss man sich das vorstellen?

Das war sehr dramatisch. Grosse Teile der Sammlung konnten in den letzten Kriegsmonaten einerseits aus Wien, andererseits aus dem Gebiet der heutigen tschechischen Republik evakuiert werden. Das war allerdings immer nur nach langen Verhandlungen mit den Nazis möglich. Zunächst versuchte man die Werke weiter nach Westen zu bringen, sie wurden dann in einem Salzbergwerk eingelagert. Später konnte man erreichen, dass sie auf die Insel Reichenau am Bodensee gelangten.

Und anschliessend nach Vaduz?
Ja. Aber die wichtigsten Werke, die von Ausfuhrbeschränkungen betroffen waren, konnte man nur in Nacht-und-Nebel-Aktionen über die Grenze schaffen. Unter anderem indem man die Nazis austrickste.

Austrickste?
Man hat zum Beispiel die Kinderporträts von Rubens als Darstellungen von Familienmitgliedern deklariert und so über die Grenze bekommen. Das war eine heikle Sache.

Das Fürstenhaus kauft seit rund dreissig Jahren wieder Kunstwerke an.

Mit dem Kunstverstand bei den Nationalsozialisten war es offenbar nicht weit her.
In den letzten Kriegsmonaten ging es drunter und drüber. Da waren wohl manche Kunstverständige bei den Nazis schon nicht mehr in der Verantwortung. So konnte das Fürstenhaus das eine oder andere erreichen, was davor vielleicht nicht möglich war.

Wie stand das Fürstenhaus zu den nationalsozialistischen Machthabern?
Liechtenstein grenzte seit dem Anschluss Österreichs 1938 direkt an das „Dritte Reich“. Ohne eigene Armee. Die Schweizer Armee hätte Liechtenstein nicht verteidigt. Man war in einer schwierigen Position. Es gab eine Nazi-Bewegung in Liechtenstein, die auch einen Putsch versuchte. Andererseits hat das Fürstenhaus alles daran gesetzt, dass Liechtenstein die Unabhängigkeit wahrt. Das ist zum Glück auch gelungen.

Ihr Grossvater Fürst Franz Josef II. hat nach dem Einmarsch ins Sudetenland Adolf Hitler offenbar zur der „grossen Tat“ beglückwünscht. Auch später noch – mitten im Krieg – soll er sich beim „Führer“ angebiedert haben. Wie stehen Sie dazu?
Mein Grossvater hat Hitler und den Nationalsozialismus verachtet. Liechtenstein hat ausserdem im Unterschied zu fast allen westlichen Staaten das Münchner Abkommen nie anerkannt, mit dem das Sudetenland Nazideutschland zugeschlagen wurde. Gleichzeitig musste aber auch die Anerkennung der Souveränität Liechtensteins durch die Nazis erreicht werden. Dies gelang nicht zuletzt auch durch den Besuch meines Grossvaters bei Hitler – etwas um das sich der österreichische Kanzler vor dem Anschluss vergeblich bemühte. Die Aussagen meines Grossvaters müssen daher in diesem Gesamtkontext betrachtet werden.

1945 soll die Rote Armee auf Schloss Hollenegg – der Sommerresidenz in der Weststeiermark – Staatspapiere des Fürstentums als „feindliches Vermögen“ einkassiert und nach Moskau gebracht haben. Stimmt das?
Dass die Rote Armee Liechtenstein als „Feind“ betrachtet haben soll, ist mir neu. Es stimmt aber, dass der Roten Armee ein grosser Teil unseres Hausarchivs in die Hände fiel. Die Sowjets erbeuteten Archive, weil sie dachten, diese könnten nachrichtendienstlich von Interesse sein. Die Rote Armee tat es den Nazis gleich. Es gab zum Beispiel wichtige französische Archive, die von den Nazis aus Paris nach Berlin verschleppt wurden – und anschliessend von den Sowjets nach Moskau.

Die Papiere des Fürstenhauses sind aber inzwischen wieder in Vaduz?
Ja, es ist uns gelungen, historische Dokumente zu erwerben, mit denen die Ermordung des letzten Zaren und seiner Familie durch die Bolschewiki 1917 dokumentiert wurden. Dieses sogenannte Sokolow-Archiv kam nach der Wende 1989 auf den Markt. Im Austausch gegen die Dokumente konnten wir unser Archiv zurückerhalten.

Ein strategischer Kauf also…
Genau.

Ist die Geschichte mit Russland damit ausgeräumt?
Fast. Im Zuge der Aufarbeitung stellten wir fest, dass wir einen Teil des Archivs der Stadt Danzig erhielten, und die Danziger einen Teil unseres Archivs. Diese Dokumente wollen wir ebenfalls austauschen. Die Gespräche mit Polen darüber sind momentan im Gang.

Noch immer belastet sind offenbar die Beziehungen zur Tschechischen Republik, zumal nach dem Zweiten Weltkrieg fürstlicher Besitz von der damaligen Tschechoslowakei konfisziert wurde. Wie beurteilen Sie die Situation?
Liechtensteinische Staatsbürgern erging es nach dem Krieg in der Tschechoslowakei ähnlich wie Schweizer Staatsbürgern: Sie wurden entschädigungslos enteignet. Im Unterschied zur Schweiz sassen aber wir nicht auf einem Grossteil der tschechischen Goldreserven. Daher haben wir – im Unterschied zur Schweiz – noch immer keine Lösung aushandeln können. Es ist das einzige offene Problem in unseren Beziehungen, die ansonsten mittlerweile wieder sehr gut sind. Und ich hoffe, dass es auch irgendwann gelingen wird, in dieser Frage eine Lösung in beidseitigem Interesse zu finden.

Da sind Sie zuversichtlich?
Ja. Aus rechtlicher Sicht ist klar, dass damals Unrecht geschah. Es wurde eine gemeinsame Historikerkommission eingesetzt. Aber eine Lösung wird ihre Zeit brauchen.

Sie haben – mit Blick auf die Ereignisse rund um den Zweiten Weltkrieg – von den Bemühungen gesprochen, die Unabhängigkeit Liechtensteins zu wahren. Wie sieht es heute aus?
Wir haben grosse Herausforderungen internationaler Natur. Und wir haben ein stark integriertes Europa. Liechtenstein steht nicht aussen vor. Die Schweiz ist über die bilateralen Verträge integriert, wir über den Europäischen Wirtschaftsraum EWR. Als Kleinstaat haben wir schon immer stark auf die Zusammenarbeit mit anderen Staaten gesetzt. Heute arbeiten wir in sehr vielem eng mit der Schweiz zusammen. Zugleich sind wir momentan sehr zufrieden mit dem EWR.

Ist es ausgeschlossen, dass Liechtenstein je der EU beitritt?
Da müsste sich auf EU-Seite sehr viel ändern. Für uns ist heute der EWR eine ideale Form der Integration, was unsere Grösse und unsere personellen Kapazitäten betrifft. In Liechtenstein gibt es eine Zustimmungsrate von 85 Prozent zum EWR, das haben wir unlängst erhoben. Noch höher ist die Zustimmungsrate zum Zollvertrag mit der Schweiz, sie beträgt fast 95 Prozent.

Zwischen der Schweiz und Liechtenstein gibt es enge Beziehungen. Trotzdem wissen wir wenig voneinander. Warum eigentlich?
Das hat zwei Gründe: Einerseits spielt die Kleinheit unseres Landes eine Rolle. Dadurch sind wir in den Medien weniger präsent wie grössere Nationen. Zweitens haben wir mit der Schweiz derart gut funktionierende Beziehungen, dass es keine Nebengeräusche gibt. Die Liechtensteiner kennen die Schweiz aber recht gut, weil viele dort ihre Berufsschule machen oder studieren und Schweizer Medien konsumieren.

Ein Wechsel vom Franken zum Euro als Landeswährung steht bei unserer Wirtschaft nicht zur Debatte.

Müssten sich die Schweizer ebenfalls mehr bemühen, um den kleinen Nachbarn besser zu verstehen?
Wir haben diesbezüglich keine besonderen Wünsche. Wir nützen aber besondere Chancen wie die Ausstellung mit Werken der fürstlichen Sammlungen im Kunstmuseum Bern, um breiter über Liechtenstein zu informieren. Ich erhoffe mir dadurch, dass wir die bereits engen Beziehungen weiter festigen können. Trotz ähnlicher Mentalität und Auffassung des Staatswesens hilft es dann doch, wenn man sich gegenseitig besser kennt.

Die Schweizer stellen in Liechtenstein den grössten Ausländeranteil. Um ein Schlagwort der SVP zu benutzen: Wie gut integriert sind wir?
Die Schweizer sind sehr gut integriert. Das liegt nicht nur an der Mentalität. Zumindest die Ostschweizer teilen denselben ethnischen Hintergrund wie die Liechtensteiner. Beide sind Alemannen. Entsprechend tut man sich bei der Sprache leicht. Und nicht zuletzt sind die Schweizerinnen und Schweizer bevorzugte Ehepartner. (lacht) Es gibt keine Probleme.

In welchen Bereichen wünschen Sie sich Verbesserungen im Verhältnis mit der Schweiz?
Natürlich gibt es auch bei sehr engen Verhältnissen immer wieder Fragestellungen, an denen man arbeiten muss. Dazu zählen die flankierenden Massnahmen, die die Schweiz vor dem Hintergrund der Bilateralen II ergriffen haben. Diese haben den grenzüberschreitenden Arbeits- und Dienstleistungsverkehr zwischen Liechtenstein und der Schweiz beeinträchtigt. Das war früher nicht der Fall. Wir sind nun auf gutem Weg, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Liechtensteiner Dienstleister, die in der Schweiz Geschäfte machen, erhalten wieder gleich lange Spiesse wie Schweizer Firmen, die in Liechtenstein Aufträge ausführen. Dabei wollen wir gleichzeitig auf beiden Seiten des Rheins bürokratische Hürden für Firmen abbauen.

Das Schweizer Parlament feilt an der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, die auch die Grenzgänger mit EU-Pass betrifft. Sind Sie mit den Vorschlägen zufrieden?
Je nachdem wie die Schweiz die Masseneinwanderungsinitiative umsetzt, würde dies den regionalen Wirtschaftsraum Liechtenstein-Schweizer Rheintal belasten. Die Lösung, die jüngst im Schweizer Parlament diskutiert worden ist, würden wir begrüssen. Dieser Vorschlag wäre mit der aktuellen Situation des regionalen Wirtschaftsraums gut vereinbar.

Die Masseneinwanderungsinitiative ist ein Ergebnis der weit ausgebauten direkten Demokratie in der Schweiz. Gibt es in Liechtenstein Bestrebungen oder Überlegungen, das demokratische System auszubauen?
Liechtenstein ist mit der Schweiz zusammen das Land in Europa mit dem am stärksten ausgebauten direktdemokratischen Recht. In Liechtenstein kann man über so ziemlich alles abstimmen. Bei einer Einwohnerzahl von fast38’000 reichen je nach Fall 1000 oder 1500 gültige Unterschriften für eine Volksabstimmung im Rahmen eines Referendums oder einer Volksinitiative. Die Liechtensteiner haben aber auch die Möglichkeit, über eine Volksabstimmung das Parlament aufzulösen, dem Fürsten das Misstrauen auszusprechen und die Monarchie abzuschaffen. Da genügt eine einfache Mehrheit. Diese drei Instrumente kamen bis jetzt aber zum Glück nicht zur Anwendung.

Debatten und Abstimmungen zur Funktion der Monarchie gab es in Liechtenstein aber durchaus. Wie schätzen Sie den Rückhalt für das Fürstenhaus in der Bevölkerung ein?
Es gab bisher zwei Volksabstimmungen zur Rolle des Fürsten in der Verfassung. Bei der letzten Abstimmung im Jahr 2012 haben sich drei Viertel der Bevölkerung bei hoher Stimmbeteiligung für das Sanktionsrecht des Fürsten ausgesprochen. Die Monarchie ist demnach stark in der Gesellschaft verankert. Die Bevölkerung begrüsst, dass der Monarch politisch eine aktive Rolle wahrnimmt. Ich gehe deshalb nicht davon aus, dass es bald wieder zu einer entsprechenden Volksinitiative kommt.

Mit dem Sanktionsrecht kann der Fürst verhindern, dass Gesetze in Kraft treten. Was entgegnen Sie Kritikern, welche die Monarchie für undemokratisch halten?
(überlegt) Eine Monarchie hat auch viele Vorteile, die heutzutage in kaum einer Schule gelehrt werden und deshalb zu wenig bekannt sind. Die Monarchie kann ein Element von Stabilität, Kontinuität sowie langfristiger Ausrichtung in die Politik hineinbringen. Ein Monarch kann sehr lange im Amt sein und muss sich nicht einer Wiederwahl stellen. Er kann so eine politische neutrale Rolle einnehmen und leichter, frühzeitig heisse Eisen thematisieren, an die sich die Parteien nicht heranwagen. Wichtig ist nur, dass man auch sicherstellen kann, dass ein politisch aktiver Monarch diese Rechte im Sinne des Volkes ausübt. Durch die vorher erwähnten direktdemokratischen Rechte gegen den Fürsten und die Monarchie haben wir in Liechtenstein ein gut funktionierendes System von „checks and balances“, das dies bewirkt.

Nationalistische und rechtskonservative Bewegungen sind in Europa und in den USA auf dem Vormarsch. Wäre die konstitutionelle Monarchie ein Rezept dagegen?
Ja. Wenn eine Mehrheit im Volk eine solche wünschen sollte. Ich habe eine gewisse Sorge, dass angesichts von Globalisierung, Konjunktur, Digitalisierung und Migration populistische Strömungen erfolgreich sein werden, die eine Abschottung fordern. Für kleine Staaten wie Liechtenstein ist das eine unerfreuliche Entwicklung. Wir haben ein Interesse an einem möglichst gut funktionierenden Welthandel. Wäre unsere Industrie darauf angewiesen, ihre ganze Produktion im eigenen Land abzusetzen, wäre das sehr schnell ein Problem. Ich behaupte, dass in Liechtenstein solche Zusammenhänge einfacher verstanden werden, weil wir ein Kleinstaat sind.

Eine Monarchie hat auch viele Vorteile, die heute in kaum einer Schule gelehrt werden.

Mitte November haben Sie in Bern Bundespräsident Johann Schneider-Ammann getroffen. Vermutlich haben Sie ihm Ihre Besorgnis über den starken Franken mitgeteilt, der Landeswährung in Liechtenstein ist.
(schmunzelt) Selbstverständlich habe ich mich auch über die ökonomische Lage mit dem für die Wirtschaft zuständigen Bundesrat unterhalten. Ja, der starke Schweizer Franken hat uns genauso beschäftigt wie die Schweizer Wirtschaft. Liechtenstein ist nicht nur Finanzplatz, sondern pro Kopf das am höchsten industrialisierte Land in Europa. Unsere Industrie exportiert praktisch die gesamte Produktion. Da ist der starke Franken manchmal hinderlich. Wir haben uns aber im Grossen und Ganzen gut darauf eingestellt.

Gibt es Druck aus der Liechtensteiner Wirtschaft, zum Euro zu wechseln?
Der Euro als Landeswährung steht bei der Liechtensteiner Wirtschaft nicht zur Debatte. Wir sind der Ansicht, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten gut mit dem Franken gefahren sind. Über lange Zeiträume betrachtet ist uns eine starke Währung lieber.

Dereinst werden Sie als Fürst von Liechtenstein die Nachfolge Ihres Vaters Hans Adam II. antreten. Wie sind Sie auf diese Verantwortung vorbereitet worden?
Es gibt keinen Kurs “Wie werde ich Staatsoberhaupt”? Ich habe viel gelernt, indem ich mich mit meinem Vater und zu seinen Lebzeiten mit meinem Grossvater Fürst Franz Josef II. über politische Themen unterhalten habe. Ab einem gewissen Alter hat mich mein Vater an offizielle Treffen mitgenommen oder mich mit der einen und anderen Aufgabe betraut. So kann man viele Erfahrungen sammeln, bevor man tatsächlich übernimmt.

Berner Zeitung

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