«Karin hat schon alles gesagt», «Ich sehe es wie Hans»

Die drei FDP-Bundesratskandidaten Keller-Sutter, Amsler und Wicki touren durch die Schweiz – und zelebrieren Harmonie.

Christian Amsler, Karin Keller-Sutter und Hans Wicki präsentierten sich im Rahmen einer FDP-Roadshow in Muttenz. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Christian Amsler, Karin Keller-Sutter und Hans Wicki präsentierten sich im Rahmen einer FDP-Roadshow in Muttenz. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

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Wenn sich Parteifreunde in den USA um dasselbe politische Amt bewerben, gehen sie in den ­Debatten hart aufeinander los – gemeinsame Grundhaltung hin oder her. Der Kontrast zur ak­tuellen «Roadshow» der frei­sinnigen Bundesratskandidaten könnte kaum grösser sein. Etwas mehr als eine Stunde dauerte der Anlass am Montag in Muttenz BL, wo sich die drei FDP-Papabili, moderiert von Nationalrätin Daniela Schneeberger, der Öffentlichkeit präsentierten.

Nicht nur unterliessen Karin Keller-Sutter, Christian Amsler und Hans ­Wicki in dieser Zeit jede persönliche Attacke aufeinander. Es wurde im Gegenteil geradezu demonstrativ Familienharmonie zelebriert («Karin hat schon alles Wesentliche gesagt», «Ich sehe es genau gleich wie Hans», und so weiter).

Der Fragerunde durch das Publikum am Ende blieb es vorbehalten, politische Standpunkte der Kandidierenden und zumindest Anflüge von Differenzen zu ermitteln. So liessen Keller-Sutter und Wicki auf eine Zuschauerfrage hin ein gewisses Un­behagen gegenüber dem umstrittenen UNO-Migrationspakt durchblicken – wobei sie sich nur am Rande über den Inhalt des Pakts äusserten, dafür aber ein institutionelles Problem konstatierten: Die Übernahme von «soft law», von nur halb verbindlichem internationalem Recht also (wie es auch der Migrationspakt darstellt), habe oft fragwürdige demokratiepolitische Konsequenzen. Amsler setzte hier einen leichten Kontrapunkt, indem er davor warnte, dass sich die Schweiz durch ein Nein zum Pakt «in eine Linie mit Trump und Orban» stellt.

Befähigung zum Kompromiss

Ebenfalls aus dem Publikum kam die Frage, wie die drei die Altersvorsorge reformieren würden. Hier gab nur Keller-Sutter eine eindeutige Antwort: Frauenrentenalter 65, «moderate soziale Kompensation» für Frauen mit tiefem Einkommen, «moderate» Erhöhung der Mehrwertsteuer, besser 0,6 statt 1,5 Prozent. Wicki und Amsler hoben hervor, dass «jetzt Lösungen hermüssen» (Amsler) und man wieder «an unsere Enkel und Enkelsenkel» denken müsse (Wicki). Konkret wurden sie dabei nicht.

Video – Die drei Bundesratskandidaten der FDP

Ständeratspräsidentin Karin Keller-Suter (SG), Ständerat Hans Wicki (NW) und Regierungsrat Christian Amsler (SH) wollen in den Bundesrat. Video: SDA

Ohnehin setzte das Trio primär auf Geschmeidigkeit und Harmonie. Alle drei hoben ausgiebig ihre Verankerung im «liberalen Gedankengut» und die Vorzüge ihrer Biografien hervor. Mehrfach betonten sie ihre Befähigung zum Kompromiss und sprachen sich gegen Polarisierung aus. Den Verbleib in der Sphäre des Grundsätzlichen konnten sie sich insofern leisten, als es sich beim Publikum nicht um den Wahlkörper für den Bundesrat handelte. Die Bundeshausfraktionen werden vieles konkreter wissen wollen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.11.2018, 11:09 Uhr

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