«Zivis wären willkommene Hilfe»

Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerdachverbands LCH, ist über das Nein des Nationalrats zu Zivildiensteinsätzen an Schulen enttäuscht. Viele Schulen bräuchten Hilfe, um alle ihnen übertragenen Aufgaben erfüllen zu können.

«Wir diskutieren derzeit mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation über die Einführung einer Berufslehre für Schulassistenten», sagt Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerdachverbands LCH.

«Wir diskutieren derzeit mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation über die Einführung einer Berufslehre für Schulassistenten», sagt Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerdachverbands LCH.

(Bild: Henry Muchenberger)

Herr Zemp, der Nationalrat will keine Zivildiensteinsätze in Schulen. Sind Sie enttäuscht?
Beat W. Zemp: Ja, ich bedaure das Nein sehr. Zivildienstleistende wären eine willkommene Hilfe, damit Schulen alle ihnen übertragenen Aufgaben bewältigen könnten. Ich verstehe zwar den Einwand der Gegner, dass der Zivildienst nicht zu attraktiv werden dürfe, weil das dem Militärdienst schaden könnte. Zugleich gibt es ein Recht auf Zivildienst. Also müssen wir den Zivis auch Plätze anbieten können. Ich hoffe, dass der Ständerat den Entscheid korrigiert und Zivildiensteinsätzen an Schulen zustimmt.

Wie gross ist der Bedarf nach Zivis an Schulen?
Wie viele Zivis benötigt würden, müsste zuerst abgeklärt werden. Eine unserer wichtigsten Bedingungen ist, dass Zivis nicht einfach platziert werden, sondern jede Schule ihren Bedarf anmelden und in einem Pflichtenheft definieren kann. Das Pflichtenheft würde dann mit dem Zivi besprochen, um abzuklären, ob er für diese Aufgaben geeignet ist.

Weshalb besteht Bedarf?
Das hat vor allem mit der Berufstätigkeit der Eltern zu tun. Wenn beide Elternteile arbeiten, sind sie möglicherweise darauf angewiesen, dass sie ihre Kinder bereits um 7Uhr in die Schule bringen können oder diese über Mittag betreut werden. Die Schule muss sich an den Bedürfnissen der Eltern orientieren. Freiwillige können solche Aufgaben zwar auch übernehmen. Sie stehen aber meist nur tageweise zur Verfügung. Und wenn sie krank werden, gibt es keine Stellvertretung. Schulen brauchen aber mehr Verlässlichkeit. Mit Zivis wäre das der Fall, weil ihre Einsätze mehrere Monate dauern würden.

Welche Aufgaben könnten Zivis übernehmen?
Neben der Betreuung der Kinder an Mittagstischen oder zu Randzeiten könnten Zivis zum Beispiel die Aufgabenhilfe oder die Pausenaufsicht übernehmen. Auch im Sportunterricht könnten sie assistieren. Gerade in der Primarschule wären mehr Männer nicht schlecht, damit Kinder nicht nur Frauen als Vorbilder haben. Sicher ist, dass keine Lehrpersonen durch Zivis ersetzt würden, wie das bürgerliche Nationalräte befürchtet haben. Zivis würden nur für Tätigkeiten eingesetzt, für die es keine pädagogische Ausbildung braucht.

Was machen Sie, wenn auch der Ständerat Zivildiensteinsätze an Schulen ablehnt?
Wir diskutieren derzeit mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation über die Einführung einer Berufslehre für Schulassistenten. Andere Länder kennen dieses Berufsbild schon lange.

Die Alternative wären professionelle Schulassistenten?
Ja. Das Problem ist aber, dass wir nicht warten können, bis es diesen Beruf auch in der Schweiz gibt. Die Schule muss die zusätzlichen Aufgaben, die ihr übertragen worden sind, bereits heute erfüllen. Die dafür nötigen finanziellen und personellen Ressourcen fehlen aber.

Drohen nun Engpässe?
Es wird sicher schwierig. Aber auch wenn der Ständerat Nein sagen sollte, verschwinden Zivis ja nicht ganz aus der Schule. Einsätze zur Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen in Regelklassen bleiben zum Beispiel weiter möglich. Diese Einsätze sind zulässig, weil sie zum Tätigkeitsbereich Sozialwesen gezählt werden.

Berner Zeitung

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