«Er wird der Schweiz noch viele Probleme bescheren»

Wie denkt die Leserschaft über Blochers Rücktritt? Die Meinungen gehen stark auseinander.

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Christian Lüscher@luschair

Christoph Blocher tritt als Nationalrat zurück. Seine Demission beschäftigt die Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Geht es um den SVP-Vize, geht es in der Regel kontrovers zur Sache. Schauen wir zuerst auf die Leserumfrage. Einige Leserinnen und Leser zeigten sich überrascht, können aber seine Entscheidung nachvollziehen. Mit 52 Prozent ist eine Mehrheit der Teilnehmenden unserer Umfrage froh, dass der Zürcher SVP-Politiker das Nationalrat-Mandat «endlich» abgibt.

Der Grundtenor in der Kommentarsektion ist in etwa dieselbe. Zahlreiche Leser bedauern Blochers Entscheidung, zum Beispiel Christopher Chandiramani. Er erachtet Blochers Demission als grossen Verlust für die Schweizer Politik, kann dessen Entscheidung aber nachvollziehen: «Mit dem Verhalten des heutigen Bundesrats hätte ich auch ziemlich Mühe. Aber sehen wir es so: Christoph Blocher hat nun mehr Zeit, den EU-Beitritt der Schweiz zu bekämpfen.»

Wo sind die neuen starken Figuren?

John Meier sieht es ähnlich. Er schreibt: «Hätte die Schweiz Blocher nicht gehabt, wären wir vermutlich heute schon in der EU. Ich schätze seine Art nicht besonders, aber umso mehr seinen Einsatz, seine Spenden und seinen gut gemeinten Geist für die Schweiz.» Er fordert zudem eine neue starke Figur, seine Hoffnungsträger dafür sind Thomas Minder, Rudolf Strahm und Toni Brunner.

Leser Max Meier kommentiert: «Blocher hat uns vor viel Unheil bewahrt.» Georg Schneider stimmt ins Lob ein: «Dank seiner Intuition hat er die Entwicklung der EU und des Euro schon vor 20 Jahren vorausgesehen – obwohl alle das Gegenteil behauptet haben. Ein Mann, der vielen um Lichtjahre überlegen ist und der nie von den Medien abhängig wurde.»

Argument der «Zeitverschwendung» in der Kritik

Es setzt aber auch viel Kritik für den SVP-Strategen ab. Linus Luchs kritisiert den SVP-Politiker vor allem wegen seiner Charakterisierung der Parlamentsarbeit als «Zeitverschwendung». Wer in den Nationalrat gewählt wurde, habe einen Auftrag von seinen Wählern erhalten. «Entlarvend, wie Christoph Blocher damit umgeht. Aber seine Gefolgschaft wird nicht merken, wie mit ihr gespielt wird, und erneut applaudieren». Marc Rinderknecht unterstellt Blocher schlechten Stil: «Blocher gibt den anderen Parlamentariern die Schuld, dass er seine Zeit verschwendet. Und das obwohl er am meisten Sitzungen geschwänzt hat. Für das Nachtreten gibt's im Fussball die rote Karte.»

Ja, Blochers Begründung mit der «Zeitverschwendung» spaltet die Leserschaft und sorgte für die meisten kritischen Stimmen. Hier führten die User eine heisse Debatte. René Wetter: «Da er ja der Rekordhalter im Schwänzen ist, ist sein Rücktritt nur folgerichtig. Als Abschluss zeigt er noch seine Geringschätzung gegenüber der Parlamentsarbeit: Es ist halt nicht wie bei einer Firma, wo autoritär Beschlüsse gefasst werden.» Auch Marc Rinderknecht stört sich an Blochers häufigem Fehlen: «Weil er als Abwesender seine Pflichten als Vertreter des Volks nicht genügend wahrnimmt. Und somit letztlich Steuergelder verschwendet.» Truttmann Elias kontert: «Andere verschwenden mit den während ihrer Anwesenheit gefällten Entscheiden wesentlich mehr Geld. Die Kosten des Parlamentsbetriebs sind im Vergleich zu den Folgekosten gewisser Entscheide lächerlich.»

Blochers Extrazeit im Fokus

Die Leser zeigen sich besorgt über Blochers neu gewonne Freizeit. Thomas Binder: «22 Jahre hat Herr Blocher alles unternommen, um unser Land gegen die Wand zu fahren. Ich fürchte, als Ex-Mitglied der ‹Classe Politique› wird er nun erst recht loslegen.» Auch Monica Geismar sorgt sich, dass Blocher nun weniger im Parlament eingebunden sein wird: «Kombiniert mit seinem Vermögen, kann er der Schweiz noch ganz viele Probleme bescheren.»

Nach jedem Rücktritt spekulieren die Leser über nicht publik gemachte Gründe. Theodor Rickli glaubt, dass mehr hinter Blochers Entscheidung steckt: «Ich frage mich eher, ob ein Donnerschlag in Sachen Hildebrand und Nationalbank ansteht und Blocher vorbeugend Schaden von der SVP ableiten wollte.»

Gesundheitliche Probleme?

Leser Hanspeter Mathys spekuliert: «Als Nationalrat war Blocher immerhin in eine demokratische Institution mit gewissen Regeln eingebunden. Seine Verachtung des Parlamentes könnte auch bedeuten, dass er ganz auf die rechte ausserparlamentarische Opposition setzt. Im Gegensatz zum Parlament kann er dort schalten und walten, wie er will.»

Für Userin Anja Heubi ist klar, dass Blocher aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt: «Christoph Blocher wirkte angespannter als sonst im Interview und auch die Zukunft liess er völlig offen. So redet niemand, der noch grosse Pläne hat.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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