«Die Frage ist nicht ob, sondern wann etwas passiert»

VBS-Chef Ueli Maurer sieht die Schweiz zunehmend auf dem Radar von radikalen Islamisten. Konkrete Gefahr bestand offenbar an einem Kongress in Luzern.

Bundesrat Ueli Maurer ist besorgt: Es gibt konkrete Hinweise, dass die Schweiz auf dem Radar des IS gelandet ist.

Bundesrat Ueli Maurer ist besorgt: Es gibt konkrete Hinweise, dass die Schweiz auf dem Radar des IS gelandet ist. Bild: Keystone

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Spürhunde, Zivile Beamte unter den Gästen, Scharfschützen auf den Dächern: Die Verlegung eines Kongresses vom Kultur und Kongresszentrum (KKL) in Luzern auf ein Schiff vor gut einer Woche erfolgte offenbar aufgrund einer konkreten Gefahr.

In der vergangenen Woche hätten sich in der Deutschschweiz Personen mit IS-Hintergrund und entsprechendem Gefahrenpotenzial aufgehalten, schreibt die «Schweiz am Sonntag». Solche Hinweise des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) lagen laut der Zeitung der Luzerner Polizei vor.

An dem Anlass, dem Swiss Media Forum, waren mit Jørn Mikkelsen, dem Chefredaktor der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten», und mit Bassem Youssef, dem TV-Satiriker aus Ägypten, zwei international stark gefährdete Redner vorgesehen. Das KKL wurde am Freitag geschlossen, die Polizei drängte auf die Verlegung des Anlasses. Die Begründung: eine «erhöhte Gefährdung» einiger Kongressteilnehmer. Die Schweiz sei in den letzten Wochen verstärkt in den Fokus von Islamisten gerückt, folgert die «Schweiz am Sonntag».

Bundesrat Ueli Maurer bestätige laut der Zeitung entsprechende Befürchtungen indirekt: Der Verteidigungsminister habe am Kongress darauf hingewiesen, dass die Schweiz auf einschlägigen Internetseiten «mehr genannt werde, als dies früher der Fall war».

«Wir sind etwas beunruhigt», hielt Maurer zudem fest, «weil wir in den letzten Wochen da und dort Hinweise gefunden haben, in denen die Schweiz auf den Rand des Radars gerückt ist – konkret, nicht nur abstrakt.» Noch gebe es aber keinen begründeten Verdacht auf einen Anschlag. «Wir sagen uns aber intern trotzdem, dass auf die Dauer nicht die Frage ist, ob, sondern wann.» Auch FDP-Präsident Philipp Müller ist besorgt: «Die Schweiz ist inzwischen genauso gefährdet wie alle europäischen Staaten».

Zehn Terroristen an Einreise gehindert

Bislang waren die Behörden hauptsächlich mit der Überwachung von Jihadreisenden beschäftigt. Die Gefahr, dass islamistische Extremisten getarnt als Flüchtlinge in die Schweiz einreisen, scheint zu steigen. Erst Anfang Woche deckte die norwegische Zeitung «Dagbladet» auf, dass der norwegische Geheimdienst einen solchen Fall knapp verhindern konnte. Der Behörde gelang es, zehn Terroristen des Islamischen Staates (IS) und der mit al-Qaida verbundenen Al-Nusra-Front im Nahen Osten an der Einreise nach Norwegen zu hindern. Die Extremisten wollten als Flüchtlinge aus Syrien nach Norwegen gelangen.

Auch die Schweiz möchte in den nächsten drei Jahren 3000 schutzbedürftige syrische Staatsbürger aufnehmen. Für die FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger ein Risiko, wie sie gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagt: «Spätestens seit dem Fall Norwegen mache ich mir sehr grosse Sorgen, ob wir im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsstrom genug Sicherheitsvorkehrungen haben.»

Ende Mai wusste der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) von 68 Jihad-Reisenden, die in Konfliktgebieten waren – oder es noch sind. Und in ganz Europa sind gemäss NDB seit 2011 «mehrere tausend Personen» in die Jihad-Gebiete Syrien und Irak aufgebrochen. (ale)

Erstellt: 07.06.2015, 13:43 Uhr

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