Armeespitze leistete sich Heli-Taxi zur Kaserne

Bis zu 80-mal pro Jahr landeten Helikopter vor der Kaserne im Berner Breitenrainquartier. Dann intervenierten die Anwohner.

Militär-VIPs flogen oft mit dem Helikopter im Berner Breitenrainquartier ein. Archivbild: Keystone

Militär-VIPs flogen oft mit dem Helikopter im Berner Breitenrainquartier ein. Archivbild: Keystone

Pia Wertheimer@Wertli

Die Armeespitze leistete sich in den vergangenen Jahren nicht nur Exzesse an gediegenen Seminaren, wie kürzlich bekannt geworden ist. Sondern auch ein «Kasernen-Taxi». Recherchen zeigen, dass hochrangige Armeevertreter und Spitzenbeamte des Eidgenössischen Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die Wiese vor der Kaserne im Berner Breitenrainquartier regelmässig zum Helikopter-Landeplatz umfunktionierten.

Sie belärmten dadurch die umliegende Wohngegend und jenes Areal, das die Berner gerne als Erholungsgebiet nutzen. Zwischen 2011 und 2014 setzten die Helis pro Jahr durchschnittlich 80-mal auf der Kasernenwiese auf. Das VBS begründete diese Landungen im dicht besiedelten Quartier gegenüber dessen Anwohnern mit dem «Zeitgewinn bei übervollen Agenden von zivilen und militärischen VIPs».

Deshalb gelangte die Quartierkommission «Dialog Nordquartier» 2015 mit ihrer Lärmklage direkt an die damalige Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.

Die Anrainer monierten, dass ihr Ruhebedürfnis offenbar weniger zähle als die Zeitersparnis der hochrangigen Armeevertreter. Sie forderten eine drastische Reduzierung dieser Flüge. Die Bundespräsidentin zeigte Verständnis und versprach, dass die Anzahl der Flüge gegenüber dem Vorjahr halbiert und «auf besonders dringende Fälle» beschränkt werden solle.

Maurer griff durch

Ueli Maurer, damals noch in seiner Funktion als Vorsteher des VBS, untersagte daraufhin den Mitgliedern der Departementsleitung sowie der Armeespitze, auf der Berner Kasernenwiese zu starten und zu landen. «Der Platz steht seither nur noch den Bundesrätinnen und Bundesräten zur Verfügung», sagt VBS-Sprecher Lorenz Frischknecht.

Die Order von ganz oben zeigte offensichtlich Wirkung. Seit die Armeespitze und die hochrangigen VBS-Beamten den Landeplatz nicht mehr nutzen, ging die Zahl der Flugbewegungen auf der Kasernenwiese markant zurück: Zwischen 2015 und dem 15. November 2018 setzten die Helikopter der Armee durchschnittlich gerade noch 13-mal pro Jahr dort auf.

Der heutige VBS-Chef Guy Parmelin hat laut Angaben seines Departements den Landeplatz nicht benützt. Wie eine Aufstellung zeigt, sind Alain Berset und Johann Schneider-Ammann 2017 und 2018 die häufigsten Passagiere dieser Helikopter. Der amtierende Bundespräsident landete heuer elfmal auf der Kasernenwiese. Auf den Wirtschaftsminister entfallen sechs Landungen.

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