«2-Klassen-AHV» stört Pro Senectute nicht

Die Befürworter der Rentenreform gewinnen einen wichtigen Verbündeten: Pro Senectute sagt Ja, obwohl die heutigen Rentner von der Erhöhung der AHV um 70 Franken ausgeschlossen sind.

Eveline Widmer-Schlumpf, Präsidentin von Pro Senectute.

Eveline Widmer-Schlumpf, Präsidentin von Pro Senectute.

(Bild: Keystone)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Wie die Abstimmung über die Rentenreform am 24. September ausgeht, ist offen. Doch eines steht fest: Der Abstimmungskampf wird heftig. So schimpfen etwa die bürgerlichen Gegner, die Reform degradiere die heutigen Pensionierten zu «Zweitklassrentnern».

Zu dieser Aussage kommen sie, weil die Reform eine Erhöhung der AHV um 70 Franken im Monat vorsieht, die aber nur für künftige Rentner gilt. Heutige Rentner hingegen sind davon ausgenommen.

Wenn die Reformgegner gehofft hatten, mit dieser Ar­gumentation die grösste Alters­organisation im Land auf ihre Seite zu ziehen, haben sie sich ­allerdings geirrt. Pro Senectute fasste am Donnerstag die Ja-Parole.

Eine grosse Überraschung war das nicht mehr, nachdem sich die frischgebackene Präsidentin des Verbands, Alt-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP), bereits öffentlich für die Reform ausgesprochen hatte.

Auf CVP/SP-Kurs

Enthusiastisch fiel die Stel­lungnahme der Präsidenten­konferenz von Pro Senectute zwar nicht gerade aus, doch hält sie fest, in ihrer Gesamtheit sei die Reform positiv zu würdigen. Diese Zurückhaltung hat aber nichts damit zu tun, dass die heutigen Rentner beim 70-Franken-Ausbau leer ausgehen.

Hier sieht Pro Senectute überhaupt kein Problem. Sie übernimmt ganz die Argumentation der Befürworter um SP und CVP: Die 70 Franken seien Teil der Kompensation für den tieferen Umwandlungssatz bei den Pensionskassen und die Erhöhung des Rentenalters der Frauen auf 65. Von beiden Massnahmen seien die heutigen Rentner nicht betroffen.

Keine Lösung auf Dauer

Dies lassen wiederum die Gegner der Reform nicht gelten. Sie weisen darauf hin, dass auch die Neurentner der nächsten 20 Jahre vom tieferen Umwandlungssatz nicht betroffen sind, da für sie eine Besitzstandsgarantie gilt.

Darauf geht Pro Senectute nicht ein. Ihre Zurückhaltung hat vielmehr damit zu tun, dass die Reform die grundlegenden Finanzierungsprobleme der Altersvorsorge nicht dauerhaft zu lösen vermag.

Ja-Parole mit Hintergedanken

Am Donnerstag gab auch der Städte­verband bekannt, dass er die ­Rentenreform unterstützt. Er begründet seinen Support einerseits damit, dass die Reform «die Finanzierung der Altersvorsorge für die nächsten Jahre sichert».

Andererseits lässt der Verband aber offen durchblicken, dass ihn auch Eigeninteressen antreiben: Er hält an prominenter Stelle fest, dass Städte und Gemeinden dank der höheren AHV-Renten mit finanziellen Entlastungen bei den Ergänzungs­leistungen ­rechnen.

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