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Schwache Berner Regierung

Meinungen von Leserinnen und Lesern zu aktuellen Themen.

In der Kritik: Regierungspräsident Christoph Ammann.
In der Kritik: Regierungspräsident Christoph Ammann.
Keystone

Zum Coronavirus

Schwache Berner Regierung

Ehe der Bund einschritt, hatten am Samstag einige Skigebiete im Berner Oberland noch geöffnet. Ich vermute, weil die Berner Regierung vor der Oberländer Schneelobby eingeknickt ist. Schwach. Bereits die Aussage zum Snowpenair von Urs Kessler hatte aufgezeigt, wie diese Herren ticken: Der Gründer und OK-Chef des Festivals hatte unter der Woche gegenüber dieser Zeitung gesagt, es gelte, «eine Interessenabwägung zu machen zwischen Gesundheit und volkswirtschaftlichen Überlegungen». Nein Herr Kessler, hier ist keine Interessenabwägung zu machen, die Gesundheit geht vor. Herr Kessler und die anderen Verantwortlichen der Skigebiete im Kanton Bern handeln wegen ein paar Franken total unverantwortlich. Und dies mit Unterstützung der Berner Regierung. Im Moment wird unermüdlich auf die notwendige Solidarität der Bevölkerung hingewiesen, um die Schutzmassnahmen umzusetzen. Dies scheint bei den Skigebieten nicht angekommen zu sein, oder sie wissen nicht, was Solidarität bedeutet. Ist halt kein Wort aus der Finanzbranche.

Markus Weber, Latterbach

Zitat des Tages

Solidarität ist kein Wort aus der Finanzbranche

Markus Weber, Latterbach


Hamstereinkäufe verbieten

Ich verstehe nicht, wieso das Verkaufspersonal nicht Einfluss nehmen kann oder darf, wenn Kunden mit zehn und mehr Einheiten von Lebensmitteln an die Kassen kommen. Wieso wird das toleriert? Die Folge: Am Samstagmorgen, um halb neun, hatte es in der Migros Langenthal kein Mehl und keinen Zucker mehr in den Regalen. Dafür war das Restaurant teilweise abgesperrt, weil sich dort nur maximal 40 Personen gleichzeitig aufhalten dürfen.

Robert Stampfli, Langenthal


Abhängigkeit ist gefährlich

Die letzten 70 Jahre bei immer vollen Regalen liess uns vergessen, was Hunger ist. Die reiche Schweiz kann immer irgendwo einkaufen, war die Meinung. Bis ein kleiner Virus kommt und uns das Gegenteil lehrt. Innert Wochenfrist leere Regale. Und unser Nachbarland Deutschland verhindert den Import von medizinischem Material. Privater und staatlicher Notvorrat wurden als altmodisch angesehen, plötzlich ist er wieder sehr wichtig. Sogar an Alkohol für Desinfektionsmittel fehlt es uns plötzlich. Auch die in den letzten Jahren so böse Chemie ist nun wieder willkommen, sehnen wir uns doch nach einem Mittel gegen dieses Virus. Die grosse Mobilität wird arg durchgerüttelt – und wir besinnen uns wieder vermehrt auf unser Zuhause. Wir sollten daraus lernen, dass Abhängigkeit von anderen sehr gefährlich ist. Das vergessen wir hoffentlich bei zukünftigen Entscheiden nicht so schnell wieder. Ein ganz grosses Merci an alle, die dazu beitragen, unsere Gesellschaft aufrechtzuerhalten.

Martin Schlup, Schüpfen, Grossrat SVP


Zögerliche Landesregierung

Es wäre relativ einfach gewesen, wirksame Sofortmassnahmen gegen das Virus zu ergreifen. Zum Beispiel die Grenzgänger nur unter Kontrolle einreisen zu lassen, aber dann in der Schweiz zu behalten und in Hotels oder Wohnungen günstig einzuquartieren. Das hätte eine rasche Ausbreitung des Virus gehemmt, im Hotel- und Beherbergungsgewerbe die Umsätze weniger einbrechen lassen, die Grenzbeamten entlastet, den Grenzverkehr vermindert – und die Wirtschaft weitgehend normalisiert. Leider hat unsere Landesregierung zu zögerlich reagiert. Gewartet bis es «fünf vor zwölf» ist, bis Italien Massnahmen trifft. Und jetzt wird gemeckert, weil der US-Präsident entschlossen die Einreise in die Vereinigten Staaten vorübergehend massiv einschränkt. Klar bringen diese einschneidenden Massnahmen für die Wirtschaft grosse Nachteile mit sich, aber eine derart gravierende Grippewelle kann nur mit solch drastischen Massnahmen bekämpft werden, will man sie in den Griff bekommen.

Sammy Gugger, Heimenschwand