Zum Hauptinhalt springen

Bern im Banne des Coronavirus«Schulschliessungen würden zu Engpässen führen»

Nach dem ersten von der Corona-Krise geprägten Wochenende in Bern zieht Gemeinderat Reto Nause Bilanz – und nennt mögliche weitere Szenarien.

Der Stadtberner Gemeinderat Reto Nause lobt die gute Kooperation der Veranstalter mit den Behörden.
Der Stadtberner Gemeinderat Reto Nause lobt die gute Kooperation der Veranstalter mit den Behörden.
Foto: Manuel Zingg

Reto Nause, die Stadt Bern hat ein spezielles Wochenende hinter sich. Die Fasnacht, Sportgrossveranstaltungen sowie vereinzelte Konzerte wurden wegen des Coronavirus abgesagt. Mussten Sie selber auf geplante Tätigkeiten verzichten?

Reto Nause: Ursprünglich wollte ich Ski fahren gehen, bin wegen der aktuellen Entwicklung aber in Bern geblieben.

Wie sieht Ihre Bilanz für die Stadt Bern nach dem Wochenende aus?

Die Veranstalter – inklusive Reitschule – haben sehr gut mit den Behörden kooperiert. Sie haben die Empfehlungen ernst genommen und ihre Verantwortung als Veranstalter vorbildlich wahrgenommen – trotz teilweise erheblichen wirtschaftlichen Schäden, die für sie entstanden sind.

Gab es Veranstalter, die sich nicht an die Weisungen der Behörden gehalten haben?

Vor allem bei kleineren Veranstaltern haben wir eine gewisse Verunsicherung festgestellt, inwiefern das verhängte Veranstaltungsverbot sie betrifft. Die Einsicht für die Massnahmen war aber bei den allermeisten spürbar.

Welche Reaktionen haben Sie aus der Bevölkerung wahrgenommen?

Dass Anlässe wie die Fasnacht nicht stattfinden konnten, tat natürlich vielen weh. Logisch, sie hatten sich schon lange darauf gefreut. Mit dem Entscheid waren entsprechend viele nicht einverstanden. Ich habe aber den Eindruck, der Grossteil der Bevölkerung verfolgt die Entwicklung aufmerksam und hat Verständnis.

Eine neue Arbeitswoche steht bevor. Gelten für die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung nach wie vor die gleichen Regeln wie bisher?

Wie vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Aussicht gestellt und bei einigen Arbeitgebern bereits umgesetzt, muss auch die Stadt als Arbeitgeberin weiter gehende Massnahmen empfehlen, so im Bereich des sogenannten Social Distancing. Dazu gehört zum Beispiel der Verzicht auf den Handschlag. Sämtliche Bemühungen zur Sensibilisierung und Information der Mitarbeitenden werden zudem nochmals verstärkt.

Gibt es weitere Anweisungen der Stadt?

Ein spezielles Augenmerk richten wir auf die Reiseempfehlungen des BAG. Mitarbeitende, die eine private Reise in ein Risikogebiet geplant haben, sollen dies melden.

Welche weiteren Herausforderungen könnten in den nächsten Tagen und Wochen auf die Stadt Bern zukommen?

Die Situation entwickelt sich stündlich, die Corona-Krise kennt aktuell noch kein Enddatum. Allein diese Ausgangslage macht die Sache derzeit zu einer grossen Herausforderung. Als Stadt Bern sind wir eine vollziehende Behörde. Wir setzen die Weisungen um, die wir von Kanton und Bund erhalten.

Welche Massnahmen könnten als Nächstes folgen?

Das müssen die Behörden von Bund und Kanton beurteilen. Derzeit sehen sie beispielsweise von Einschränkungen des öffentlichen Verkehrs oder Schulschliessungen ab.

Wie schwerwiegend wären die Folgen solcher Massnahmen für Bern?

Es wären Massnahmen, die eine Kette von neuen Herausforderungen bedeuten und die bisherigen Arbeitsabläufe auf den Kopf stellen würden. Viele Arbeitnehmer sind auf den ÖV angewiesen. Schulschliessungen würden zudem bedeuten, dass viele zu Hause ihre Kinder betreuen müssten und folglich am Arbeitsplatz zwangsläufig fehlen würden. Wir wären mit Personalengpässen konfrontiert.