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Neuer Schulraum für Bern-WestEin Provisorium, das lange bleibt

Die Stadt Bern hat das Schulraumprovisorium in Brünnen eröffnet. Warum es voraussichtlich 20 Jahre bleibt und was die Lüftung so speziell macht.

Drei Häuser mit je zwei Stock: Die Schule Bethlehemacker nutzt die Modulbauten in Brünnen seit den Herbstferien.
Drei Häuser mit je zwei Stock: Die Schule Bethlehemacker nutzt die Modulbauten in Brünnen seit den Herbstferien.
Foto: Christian Pfander

Es lebt bereits. «Machet, schnäu, schnäu, hopp, hopp», ruft eine Schülerin ihren beiden Kameraden zu. Die drei wetzen die Treppe hinauf, ihrem neuen Schulzimmer entgegen. Seit den Herbstferien gehen sie hier zur Schule. In den neuen Modulschulhäusern in Brünnen, am Rande Berns. Die ländlichen Aussengebiete der Stadt lassen sich erahnen, doch Hochhäuser versperren die Sicht.

Erst elf Monate sind vergangen, seit die Bevölkerung einem Kredit über 16,1 Millionen zugestimmt hat, damit die Stadt neuen, provisorischen Schulraum schaffen kann. Die Bauzeit betrug schliesslich mit Vorarbeiten rund sechs Monate, und das Projekt kostete 13,8 Millionen. Den drei zweistöckigen Bauten sieht man von aussen kaum an, dass es sich nicht um «richtige» Häuser handelt. Eher erwecken sie den Eindruck einer schlichten Mehrfamilienhaus-Siedlung. Die Provisorien, die aus Holzelementen gefertigt sind, bieten Platz für insgesamt 14 Klassenräume, diverse Fachunterrichtszimmer und Büros.

Kinder aus fünf Schulen folgen

Sehr zufrieden mit dem Ergebnis zeigen sich die Behördenvertreter. Bildungsdirektorin Franziska Teuscher (Grünes Bündnis) und Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) gaben sich an einer Presseführung die Klinke des Provisoriums in die Hand. Obwohl von Graffenried später anmerkt: Wie lange ein temporärer Bau bleibe, sei immer schwer zu sagen. «Es gibt in der Stadt Bern auch Beispiele von Provisorien, die heute denkmalgeschützt sind.»

Das ist bei den Modulbauten in Brünnen noch nicht der Fall. Zuerst einmal gehen hier die Kinder vom Bethlehemacker zur Schule, bis ihr Stammschulhaus durch einen Neubau ersetzt ist. Gemeinderätin Teuscher bezeichnet die gelb-grauen Häuser des Provisoriums, die laut Stadt dem Minergie-ECO-Standard entsprechen, als Basis. Denn reihum folgen fünf weitere Schulhäuser in Bern-West dem Vorbild, und die Lehrer unterrichten die Kinder im Schulraum-Provisorium Brünnen, bis die Schulhäuser saniert und erneuert sind. So finden voraussichtlich bis 2040 Kinder und Jugendliche der Schulen Schwabgut, Bümpliz, Statthalter, Gäbelbach und Tscharnergut Unterschlupf in Brünnen.

Die Turnhalle und das Alter

Franziska Teuscher sagt, die ersten Reaktionen der Schülerinnen und Schüler seien positiv ausgefallen. Ein Medienvertreter bestätigt dies, seine Enkeltochter komme gerne hier zur Schule. Die Schulbauten sind zwar schlicht, aber zweckmässig gehalten und ein Blick in ihr Inneres zeigt: Sie bieten sehr viel Tageslicht. Es riecht nach frischem Holz und etwas Leim. Bewusst sei darauf verzichtet worden, erklärt Stadtbaumeister Thomas Pfluger, die Räume speziell zu veredeln, die Funktionalität stehe im Vordergrund.

Holz und Laminat: Die Einrichtung ist simpel, aber dass man sich in einem Provisorium befindet, merkt man nicht.
Holz und Laminat: Die Einrichtung ist simpel, aber dass man sich in einem Provisorium befindet, merkt man nicht.
Foto: Christian Pfander 

Da es sich um einfache Gebäude handelt, ist auch die Lüftung simpel gehalten. Dennoch ist es ein neuartiges System. Ein Sensor misst die CO2-Konzentration in den Klassenzimmern und lüftet die Räume selbstständig. Die Zuluft wird dabei von den Korridoren in die Schulstube geleitet, und die Abluft macht den umgekehrten Weg. Zuerst sei man dem System kritisch gegenübergestanden, gesteht Pfluger, aber Tests hätten ergeben, dass es funktioniert.

Einzig der Sportunterricht findet nicht in den Provisorien statt. Auf dem Areal an der Brünnenstrasse 15 befinden sich bereits eine Turnhalle und ein Sportplatz. Diese werden für die Laufzeit des Provisoriums weiterbetrieben und teilweise instand gesetzt. Ob die Turnhalle aus dem Jahr 1977 aber weitere 20 Jahre durchhält, davon sind die Behördenvertreter nicht recht überzeugt. Jedoch finden die Sportlektionen der Oberstufenschüler teilweise auch in der nahegelegenen Halle des Schulhauses Brünnen statt.

SDA/flo