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NachgehacktSchon noch trocken

In fünf Tagen soll es Regen geben. Das meldet die Wetter-App seit Wochen. Unsere Gartenkolumnistin traut dem Wetter sowieso nicht mehr.

Die Trockenheit der letzten Wochen setzte den Pflanzen ebenso zu wie der Autorin.
Die Trockenheit der letzten Wochen setzte den Pflanzen ebenso zu wie der Autorin.
Foto: Urs Jaudas

Es staubt, dass ich huste. Der Mann reibt sich wie verrückt die Augen. Etwa so muss es sich anfühlen, wenn man mit einem Reisbesen in der Wüste wütet. Dabei wollen wir doch nur etwas den Boden lockern mit der Harke. Nun stehen wir in einer Staubwolke in unserem Garten. Wir schauen uns an. Schon noch trocken. Nicht einmal gegen Schnecken wehren muss man sich. Und das will etwas heissen.

Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, die Wetterprognosen wollen uns verhöhnen. In fünf Tagen ist Regen angesagt, meldet die App. Und das meldet sie seit etwa drei Wochen jeden Morgen. Regen als Verheissung ganz weit am Horizont, angekündigt, nur damit man durchhält. Noch einen Tag und noch einen Tag länger.

Dazu eine Wärme, die dazu verlockt, die Eisheiligen zu vergessen. Die mich dazu verleitet, stattdessen die Winterkleider wegzuräumen, die Flipflops einzutragen und die Hängematte gleich ständig an den alten Kirschbaum geknüpft zu lassen. Fast ein bisschen Sommerferiengefühl.

Raus mit Bohnen, Zucchetti, Tomaten und Gurken?

Wird es noch einmal empfindlich kühl werden in diesem Frühling? Kommen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie doch noch zu Besuch Mitte Mai? Oder sollen wir jetzt schon raus mit den Bohnen, den Zucchetti, den Tomaten und Gurken?

Die Verlockung ist stark. Bei diesem Wetter würden die Bohnen herrlich keimen. Nur etwas Wasser brauchen sie. Also so drei, vier Kannen pro Tag. Die kann ich zusätzlich zu den Kannen für die Randen, für den Salat, für die Rüebli und für die Beeren gut auch noch schleppen. Die Zwiebeln, Kefen und Kartoffeln machens ja zum Glück bisher noch ohne. Ausserdem sitze ich so viel zu Hause, da habe ich Zeit, ein paar Kannen Wasser zu schleppen. Jeden Morgen. Und jeden Abend. Innerlich buche ich das als Krafttraining ab.

Und wenn ich schon dabei bin, noch kurz die Gurken setzen. Wenn ich dann am Kannenschleppen bin, kann ich die im Vorbeigehen ebenfalls giessen. Als Nächstes folgen die Tomaten. Sie sind schon so gross, dass sie mit dem Kopf anstossen am Dach des Anzuchthauses. Ich kann ja klein anfangen, nur die setzen, die in die Töpfe kommen. Die Töpfe kann ich zur Not auch reinnehmen über Nacht, falls die Eisheiligen doch noch einen Besuch machen in unserem Garten. Es wäre ein Extrakrafttraining für mich.

Eine erfahrene Gärtnerin macht das nicht

Natürlich, eine erfahrene Gärtnerin macht das nicht. Eine erfahrene Gärtnerin setzt kein Sommergemüse raus vor Mitte Mai. Eine erfahrene Gärtnerin wartet. Allerdings: Was zählen Erfahrungen überhaupt noch im Moment? Ist in diesem Jahr überhaupt etwas so, wie es immer ist? Ich will der Verlockung nachgeben.

Diese Gedanken teile ich dem Mann mit, der sich immer noch in den Augen reibt. «Und wer trägt die Kannen?», fragt er. Die Frage ist rhetorisch. Da kommt ein Windstoss, wirbelt trockene Erde auf. Kleine weisse Flocken fliegen auf mein Haupt, legen sich als feine Schicht über den Boden. Eine Fata Morgana, denke ich im ersten Moment. Und dann, im zweiten, schade, es sind nur die weissen Blüten des Kirschbaums.