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Schlamperei und Eigennutz bei den Rating-Agenturen

Wer ist schuld an der Kreditkrise in den USA? Nicht unschuldig sind auf alle Fälle die Agenturen, welche die Bonität von Papieren und Firmen beurteilen sollen.

Der Satz ist entlarvend: «Hoffen wir bloss, dass wir alle reich und pensioniert sind, wenn dieses Kartenhaus zusammenbricht.» Das schrieb der Mitarbeiter einer Rating-Agentur einem Kollegen im Dezember 2006. Er bezog sich dabei auf Investitionspapiere, die mit minderwertigen Hypotheken zusammenhingen. Papiere, die damals noch von allen Agenturen mit der höchsten Bonitätsstufe AAA bewertet wurden.

Solche Mails und anderes mehr hat eine Untersuchung der Securities and Exchange Commission (SEC) an den Tag gebracht, der höchsten staatlichen Aufsichtskommission in den USA. Sie zeigt, dass Rating-Agenturen wie Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch, auf deren Urteil sich Investoren und Unternehmen verlassen, oftmals nicht objektiv urteilten bei der Vergabe der Bonität.

Einerseits waren die Mitarbeitenden schlicht überfordert. Immer mehr und immer komplexere Anlageinstrumente tauchten auf dem Markt auf – den Agenturen fehlte es an Personal und Zeit, um sie seriös zu bewerten. «Eine Kuh könnte dieses Papier rausgegeben haben und wir würden es bewerten», heisst es im Mail einer Analystin vom April 2007, die darin auch festhielt, dass sie höchstens in der Lage gewesen sei, die Hälfte des Risikos einzuschätzen, bevor sie ein Rating abgeben musste. «Wir haben nicht die notwendigen Ressourcen, um das zu tun, was wir hier gerade tun», steht in einem anderen Mail vom Februar 2007.

Andererseits gibt es auch klare Hinweise, dass Bonitäten bewusst höher gesetzt wurden, um dem eigenen Unternehmen nicht zu schaden. Dabei haben die Agenturen zum Teil Grundsätze ignoriert, die einst festgelegt wurden, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Es ist Standard, dass Investmentbanken die Agenturen dafür bezahlen, dass sie die Bonität von Papieren festlegen, welche die Banken anschliessend verkaufen. Jene Mitarbeiter, welche die Papiere beurteilen, sollten deshalb eigentlich nicht mitbekommen, was für die Rating-Agentur finanziell auf dem Spiel steht, wenn sie ein Papier bewerten.

Diese Grenzen wurden laut der SEC-Untersuchung längst nicht immer beachtet. Auch hier gibt es Mails, die das illustrieren. «Ich versuche herauszufinden, ob diese Rating-Entscheidung unserem Geschäft schaden könnte und wenn ja wie stark», heisst es in einer Nachricht vom November 2004. Und weiter: Einige Mitarbeitende seien nicht einverstanden mit dem Rating, «weil sie glauben, es könnte einen negativen Einfluss auf unser Unternehmen haben». Ratings wurden manchmal auch höher angesetzt, um im Konkurrenzkampf zwischen den Agenturen bessere Karten zu haben.

Die SEC hat die zitierten Mails keinem bestimmten Unternehmen zugeordnet, sie sollen exemplarisch für das Verhalten aller Agenturen stehen. Für die Untersuchung hat die Aufsichtskommission Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch zehn Monate lang überprüft, und alle drei haben Massnahmen angekündigt, um diese Probleme anzugehen. Moody’s hat in den vergangenen zwei Monaten bereits zwei Topmanager entlassen und schon letzte Woche eingeräumt, dass einige Angestellte interne Regeln verletzt hätten. Ob es zu Strafklagen gegen die drei Agenturen kommt, ist noch offen. In den kommenden Monaten will die SEC sieben weitere Ratingfirmen unter die Lupe nehmen.

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