Zum Hauptinhalt springen

Optimistischer Roger Brennwald«Roger Federer wird seinen elften Titel in Basel anstreben»

Der Swiss-Indoors-Besitzer erklärt, wieso das Turnier in diesem Jahr wegen Corona ausfällt und welche Konsequenzen das hat. Und er blickt bereits nach vorn.

2019 wurde gekrönt von Roger Federers zehntem Titel: Roger Brennwald hofft, dass sein Namensvetter 2021 wieder dabei ist.
2019 wurde gekrönt von Roger Federers zehntem Titel: Roger Brennwald hofft, dass sein Namensvetter 2021 wieder dabei ist.
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Die Swiss Indoors müssen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie voraussichtlich abgesagt werden. Wäre es nicht möglich gewesen, das Turnier mit besonderen Sicherheitsmassnahmen und reduzierter Besucherzahl durchzuführen?

Es liegt mir viel daran, die spezifische Situation zu betonen, in der sich Basel befindet. Wenn das US Open ohne Zuschauer ausgetragen wird, Stockholm vielleicht mit halb vollen Rängen oder Antwerpen in einem vollen Stadion spielt, dann hat das mit den lokalen Gegebenheiten zu tun. Das ist eben von Ort zu Ort verschieden. Für die Marke Swiss Indoors sind Geisterspiele aus organisatorischen und finanziellen Gründen nicht tragbar. Es liegt zudem wirtschaftlich auf der Hand, dass wir nicht auf die Ticketeinnahmen verzichten können.

Was meinen Sie mit «organisatorischen Gründen»?

Ab den Viertelfinals präsentierte sich das Stadion für die drei letzten Turniertage praktisch ausverkauft. Wir als Veranstalter stünden vor einer unlösbaren Aufgabe, die rund 10'000 Besucher und Mitarbeitende pro Tag zu minimieren. Demzufolge kommen für die Swiss Indoors Social Distancing und Geisterspiele nicht infrage. Und trotz alledem: Mit Rücksicht auf die weiteren Planungen der ATP können wir eine Absage hier und jetzt noch nicht definitiv bekannt geben.

Sie sind mit den Swiss Indoors Lizenznehmer bei der ATP. Haben Sie von der Tour Sanktionen zu befürchten, wenn Sie Ihr Turnier in diesem Jahr nicht durchführen?

Sicher nicht. Wir handeln nicht eigenmächtig, sondern wir stehen im regen Austausch und besten Einvernehmen mit der ATP. Diese hat jetzt eine erste Tranche des überarbeiteten Kalenders bekannt gegeben. Und nun geht es für die Standesorganisation darum, die letzten fünf, sechs Wochen der Saison zu koordinieren. Dies wird bis Mitte Juli der Fall sein. Es ist wohl verständlich, dass die ATP alles Denkbare unternimmt, die Tour mit möglichst vielen Turnieren fortzusetzen. Und natürlich hat sie auch alles Interesse daran, dass das ATP-Finale in London stattfinden kann, das es ja selber in der Hand hat.

«Ich gehe von einem Verlust von rund 2 Millionen Franken aus. Aber ich will nicht jammern.»

Roger Brennwald

Wie schlägt sich Ihre geplante Absage der Swiss Indoors 2020 finanziell nieder?

Die Mehrheit der zehn Festangestellten sind aktuell in Kurzarbeit. Trotzdem gehe ich von einem Verlust von rund 2 Millionen Franken aus. Aber ich will nicht jammern, in dieser schwierigen Zeit sind wir nicht die Einzigen, die von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind. Wenn es zur definitiven Absage kommt, bezahlen wir selbstverständlich das Geld für die Tickets zurück, sofern die Besucher diese nicht aufs nächste Jahr übertragen wollen.

Sie hätten in diesem Jahr das 50. Jubiläum feiern wollen. Wird das nächstes Jahr nachgeholt?

Das ist unsere feste Absicht. Wie bereits vor einem Jahr angekündigt: In der Jubiläumsausgabe werden wir nicht überborden, der sportliche Gehalt steht auch 2021 im Vordergrund. Der Jubiläumsfilm wird auch um ein Jahr verschoben: ein Querschnitt durch 50 Jahre Turniergeschichte. Dieser wird nun um ein ganz besonderes Kapitel reicher.

Roger Brennwald ist gefordert: Zum 50. Jubiläum muss der Turniergründer sein Event erstmals ausfallen lassen.
Roger Brennwald ist gefordert: Zum 50. Jubiläum muss der Turniergründer sein Event erstmals ausfallen lassen.
Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Werden Sie nächstes Jahr das Budget von rund 19 Millionen Franken reduzieren, um den Verlust von 2020 zu kompensieren?

Nein, das kann nicht die Strategie sein. Eher folgen wir der Maxime, mit den Möglichkeiten und den Instrumenten, die man uns in die Hand gibt, das Beste zu machen. Wir müssen kontinuierlich so weiterarbeiten, wie wir es gewohnt sind. Ich schliesse aber nicht aus, dass wir gezwungen werden, die Kosten zu senken völlig unabhängig von den Entwicklungen in 2020.

Sind Sie bei Ihren Partnern auf Verständnis gestossen mit dem Entscheid, die Swiss Indoors dieses Jahr ausfallen zu lassen?

Es versteht sich von selbst, dass wir uns mit unseren wichtigsten Partnern ausgetauscht haben. Der Tenor ist eindeutig: Die Richtung, die wir einschlagen, ist die einzig richtige. Viele Sponsoren denken, dass es in diesem Jahr wenig Sinn macht, Kunden einzuladen. In Basel waren davon enorm viele Veranstaltungen betroffen. Um nur einige wenige aufzuzählen: Es begann mit der Absage der Basler Fasnacht, dann fiel ein Dominostein nach dem anderen: die Uhrenmesse Basel World, das Young-Stage-Festival, die Basel Art, die Baloise Session etc.

Haben Sie das Gefühl, dass Roger Federer 2021 als 40-Jähriger wieder dabei sein wird?

Mein Gefühl ist nicht entscheidend (lacht). Aber im Ernst, wir sind in der glücklichen Lage, mit unserem Rekordsieger einen lebenslangen Vertrag zu haben. Demzufolge wird Roger im nächsten Jahr seinen elften Titel anstreben.