«Super Dan» unterliegt ewigem Rivalen

Lin Dan ist der einzige Badminton-Spieler mit Starstatus. Zweimal hat der begnadete Chinese Olympiagold gewonnen, doch aus dem Hattrick wird nichts.

Fairer Verlierer: Lin Dan (rechts) gratuliert Lee Chong Wei zum Sieg.

Fairer Verlierer: Lin Dan (rechts) gratuliert Lee Chong Wei zum Sieg.

(Bild: Keystone)

Es ist zwar erst der Halbfinal, aber es ist der grosse Showdown, jener Match, dem die globale Badmintongemeinde und grosse Teile der Bevölkerung von China und ­Malaysia entgegengefiebert ­haben: Lin Dan gegen Lee Chong Wei. Das Duell entspricht von der Faszination her im asiatischen Raum einem Aufeinandertreffen von Roger Federer und Rafael ­Nadal.

Die goldenen Schuhe

Lin Dan, Übername «Super Dan», ist der erfolgreichste Spieler in der Geschichte; fünfmal ist er Weltmeister geworden, 2008 in Peking und 2012 in London hat er Olympiagold geholt – in beiden Finals schlug er Lee Chong Wei. Dieser ist der ewige Herausforderer des Seriensiegers und mittlerweile die Nummer 1 der Welt. Der Malaysier hat zwar die letzten beiden von insgesamt 36 Direktbegegnungen (11:25) gewonnen, aber die vier wichtigsten Endspiele allesamt verloren.

Ebenso denkwürdig wie dramatisch endete etwa der WM-Final 2014. Bei 16:19 im dritten Satz liess sich Lee Chong Wei wegen Krämpfen pflegen. Mitten im übernächsten Ballwechsel fiel er zu Boden und blieb liegen. Schliesslich musste der erschöpfte Asiat mit einer Bahre vom Feld getragen werden, der Match endete nach 93 Minuten 16:21, 21:17, 20:17 w. o. zugunsten von Lin Dan.

Lin Dan wird von den Chinesen ehrfürchtig als «Rockstar des Badminton» bezeichnet. Diesem Ruf wird der 32-Jährige, über dessen Tätowierungen ein Sponsor einen spektakulären Kurzfilm gedreht hat, auch in Rio de Janeiro gerecht, tritt er doch in goldenen Schuhen an. «Sie glänzen schön, und die Leute schauen sie gern an», begründet er die Wahl.

Im Halbfinal zelebrieren die beiden Ausnahmekönner die hohe Kunst des Federballspiels. Imposante Sprung-Smashs, spektakuläre Hechtsprünge, gefühlvolle Drops (kurz hinters Netz geschlagene Bälle), faszinierende Finten – alles ist dabei. Gegen Ende des ersten Satzes treiben sie es auf die Spitze: Sie nutzen auf dem 13,40 mal 5,18 Meter grossen Feld jeden Quadratzentimeter aus. Einen Ballwechsel, der 61 Sekunden dauert und 59 Ballberührungen beinhaltet, schliesst Lin Dan mit einem Reflex ab. Allen in der Halle bleibt die Luft weg – allen ausser den beiden Exponenten.

Geste des Respekts

Nach zwei relativ einseitigen Sätzen ist der dritte Durchgang an Spannung kaum zu überbieten. Plötzlich zieht Lee Chong Wei, der 2015 wegen der Einnahme eines entzündungshemmenden Mittels für acht Monate gesperrt wurde, von 16:16 auf 19:16 davon. Lin Dan wehrt kurz darauf drei Matchbälle in Serie ab, den dritten auf unfassbare Weise.

Doch dann verstummt die Musik des emotionalen Rockstars – 20:22. Der Malaysier, der zuvor keine einzige Gefühlsregung gezeigt hat, sinkt in die Knie, springt danach in die Luft und feiert mit wildem Schattenboxen. Dabei steht der Final noch bevor und der 33-Jährige unter Druck, seinem Heimatland die erste olympische Goldmedaille überhaupt zu verschaffen.

Lee Chong Wei geht nach dem 15:21, 21:11, 22:20-Erfolg auf die Feldseite von Lin Dan, die beiden Rivalen umarmen sich, tauschen ihre ärmellosen Trikots aus und umarmen sich noch einmal mit entblössten Oberkörpern.

Berner Zeitung

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