Heidi Diethelm Gerber hat den Bann gebrochen

Heidi Diethelm Gerber bezwingt im Wettkampf mit der Sportpistole über 25 m die Nummer 1 der Weltrangliste und sichert der Schweiz mit Bronze das erste Edelmetall an den Olympischen Spielen in Rio.

Mit ihrem durchaus überraschenden dritten Platz sorgte Heidi Diethelm Gerber für den ersten Schweizer Medaillengewinn in Brasilien.

Mit ihrem durchaus überraschenden dritten Platz sorgte Heidi Diethelm Gerber für den ersten Schweizer Medaillengewinn in Brasilien.

(Bild: Keystone)

Über mehrere Stunden zog sich die Qualifikation hin. Und dann, fünf Schüsse vor Ende ihres Programms, schien Heidi Diethelm Gerber die Finalqualifikation zu entgleiten. Nichts anderes als das Erreichen des Endwettkampfs hatte sie von sich erwartet, der Druck wurde nun gewaltig. Doch die 47-Jährige blendete die negativen Gedanken aus, erzielte bei den letzten fünf Schüssen das Punktemaximum. Und zog den Kopf gerade noch aus der Schlinge.

Im Final begann alles von neuem – und das war Heidi Diethelm Gerbers Glück. Nicht mit leeren Händen, nein, mit der Bronzemedaille um den Hals verliess sie die Arena. Mit der Hand im Hosensack hatte sich die Thurgauerin den Podestplatz gesichert. Im Duell um die Bronzemedaille gegen Branchenleaderin Zhang Jingjing, ihrerseits Weltmeisterin von 2014, setzte sich Diethelm Gerber 8:4 durch. Den Medaillengewinn, welcher als Überraschung, gewiss aber nicht als Sensation zu werten ist, hatte sie bereits vor dem letzten Schuss auf sicher.

Mit Platz 4 gerechnet

Die Freude war riesig, auch wenn sie diese im ersten Moment nicht richtig ausdrücken konnte. Aber im Schiessen ist grenzenloser Jubel keine einfache Sache. So stand Diethelm Gerber nach ihrem Coup zunächst allein auf weiter Flur da. Die Betreuer durften nicht zu ihr vordringen.

Die erste und lange Zeit einzige Gratulantin in den ersten Minuten nach dem finalen Schuss war daher die chinesische Gegnerin. Danach galt es der Prozedur zu folgen. Sachen zusammenpacken, ab zur Nachkontrolle der Waffe und der Schuhe.

Nach der Zeremonie sprudelte es aus der 47-Jährigen nur so heraus. Ein harter Kampf sei es gewesen. Im Final habe sie sich viel besser und stärker gefühlt als in der Qualifikation, in der sie beinahe ausgeschieden war. Doch vor dem Kampf um Bronze habe sie mit Platz 4 gerechnet, denn mit der Chinesin Zhang hatte sie sich schon oft duelliert und meistens den Kürzeren gezogen.

Das Duell um Bronze begann für Diethelm Gerber schlecht. Sie geriet mit 0:2 in Rückstand, gewann danach aber zwei Duelle à jeweils fünf Schüsse und übernahm mit 4:2 die Führung. Nach zwei Unentschieden stand es 6:4 für die Schweizerin. Schon in der fünften Passe hätte sich Diethelm Gerber Bronze sichern können, aber beim «Matchschuss» verfehlte sie das Ziel.

Dafür entschied sie die sechste Passe mit 4:2 Treffern überlegen zu ihren Gunsten und holte nicht nur die erste Schweizer Medaille an diesen Sommerspielen in Rio de Janeiro, sie war auch für die erste Olympiaauszeichnung einer Schweizer Schützin überhaupt besorgt. Die vorangegangenen zwanzig Medaillengewinne bei Olympischen Spielen waren allesamt auf das Konto von männlichen Schützen gegangen. Als letzter Schweizer stand der Obwaldner Michel Ansermet vor sechzehn Jahren in Sydney auf dem Podest, auch er reüssierte mit der Sportpistole.

Olympiasiegerin wurde Anna Korakaki. Die Griechin setzte sich im Final gegen die Deutsche Monika Karsch durch.

Berner Zeitung

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