Es herrscht mehr oder weniger Willkür

Mein Olympia

BZ-Sportredaktor Micha Jegge schildert Eindrücke aus Rio de Janeiro. Seiner Ansicht nach herrscht an Austragungsstätten ausserhalb des Olympiaparks bei den Sicherheitskontrollen mehr oder weniger Willkür.

Die Sicherheit geniesst in Rio hohen Stellenwert. Das ist nicht nur in Anbetracht der geopolitischen Lage begrüssenswert, gehört doch die Kriminalität wie die Copacabana und der Zuckerhut zu den prägenden Merkmalen der Stadt. In den Buchten patrouilliert die Marine.

An den Wettkampfstätten ist die Anzahl der mit Maschinenpistolen ausgestatteten Sicherheitskräfte fast so hoch wie jene der Zuschauer. Kann eine herumliegende Tasche niemandem zugeordnet werden, wird der entsprechende Sektor evakuiert und das verdächtige Utensil in die Luft gesprengt.

Der Einlass ins Hauptmedienzentrum führt über eine Sicherheitsschleuse; die Instrumente sind die gleichen wie an Flughäfen. Durchgeführt werden die Kontrollen von Armeeangehörigen ohne Englischkenntnisse, nachdem eine private Sicherheitsfirma den Auftrag zurückgegeben hat, weil sie nicht genügend Leute stellen konnte. Der Versuch, die Rekrutierung via Onlinebewerbung und -ausbildung vorzunehmen, brachte nicht den erhofften Erfolg. Zum Glück nicht, lässt sich aus persönlicher Optik festhalten.

An jenen Austragungsstätten, die sich ausserhalb des Olympiaparks befinden, wird improvisiert. Stramm stehen die Uniformierten da, mit Mimik und Gestik signalisieren sie Konsequenz. Sie sind mit mobilen Scannern ausgestattet, scheinen jedoch nur teilweise instruiert worden zu sein, wie man die Geräte benutzt. Der eine Kontrolleur registriert das Handy in der rechten Hosentasche, der andere nicht.

Der Berichterstatter aus China, welcher seine Wasserflasche in die Aussentasche seines Rucksacks gesteckt hat, darf sie nicht in den geschützten Bereich mitnehmen. Wer die Tranksame hingegen im Rucksack unter einem Pullover mit sich führt, bekundet keine Probleme, die Schleuse mit der Wasserflasche zu passieren. Nach ein paar Tests wird klar: Es herrscht mehr oder weniger Willkür. Was aus persönlicher Optik keine gute Erkenntnis ist.

Berner Zeitung

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