Zoff bei den Fechtern: «Die Italiener waren besser eingestellt»

Das mit grossen Hoffnungen angetretene Schweizer Degenteam verliert den Viertelfinal gegen Italien hoch. Der Berner Fabian Kauter wirft den Betreuern eine falsche Taktik vor.

Fabian Kauter (rechts neben Max Heinzer) spricht Klartext.

Fabian Kauter (rechts neben Max Heinzer) spricht Klartext.

(Bild: Keystone)

Sie haben Ihre rechte Hand einbandagiert. Was ist passiert?Fabian Kauter: Ich habe schon länger Probleme; jetzt ist die Hand wohl definitiv verbraucht. Es werden ein paar Operationen nötig sein.

Haben Sie die Schmerzen stark behindert?Ich bin ein Fechter, der bei hohen Emotionen nichts spürt – da könnte mir ein Messer im Rücken stecken. Gegen Italien hatte ich noch nichts gespürt, aber als der Druck weg war, konnte ich den Degen kaum noch halten.

Was lief im Viertelfinal gegen Italien schief?Wir waren übermotiviert. Wir wollten zu viel, wir wollten dominieren und den Gegnern zeigen, wie gut wir sind. Doch Beni (Steffen, die Redaktion) und ich sind Contre-attaque-Fechter. Spätestens nach drei Kämpfen hätten wir wissen müssen, dass sie nur hinten hineinstehen.

Wer legte die Taktik fest?Das spielt keine Rolle. Wir haben das zusammen so entschieden. Aber wir haben uns schon wie Schulbuben verhalten. Dabei ist auf diesem Niveau die Taktik das Wichtigste.

Den ersten Kampf gegen den nominell schwächsten italienischen Fechter Marco Fichera haben Sie nach gut anderthalb Minuten abgebrochen. Weshalb?Wenn Fichera nur hinten hineinsteht, liegt mir das nicht – vor allem im Team, weil man nicht viel Zeit hat. Wir hätten das Ergebnis knapp halten sollen. Am Ende hätte Max (Heinzer, die Redaktion) vier, fünf Treffer aufgeholt, das weiss ich. Er ist im neunten Match der beste Fechter auf der Welt. Wir anderen sind eher sensibel, wenn man uns in eine Ecke drängt, uns etwas aufzwingt. Dann kommt es nicht gut.

Haben Sie sich zu wenig gegen die Ihrer Meinung nach falsche Taktik gewehrt?Letztlich kann ich auf der Piste immer noch selber entscheiden. Aber ich will nicht, dass es in der Box heisst: «Jetzt haben wir abgemacht, dass man etwas versucht, aber du versuchst nichts.» Leider bringt man in dieser Situation die kleine Stimme fast nicht aus dem Kopf, die einem sagt, dass man nicht an den Erfolg glaubt.

Der olympische Teamwettkampf war vier Jahre lang das grosse Ziel von Ihnen und Ihren Teamkollegen. Haben Sie nun das Gefühl, es sei alles für die Katz gewesen?Nein, gar nicht. Es gibt nicht viele Fechter, die als Mannschaft so viele Erfolge gefeiert und so viele schöne Momente erlebt haben wie wir. Aber klar haben wir mehr erwartet, zumal wir alle sehr gut in Form sind. Gegen die Russen hat man gesehen: Das Fechterische ist nicht das Problem. Es lag bei uns auch nicht an der Motivation oder am Selbstvertrauen.

Sondern?Die Italiener waren besser eingestellt. Sie legten sich Plan A, Plan B und Plan C zurecht. Bei uns gab es nur Plan A. Wir wollten dominieren, dabei hatten wir die Italiener in der Vergangenheit nie so geschlagen.

Wie wichtig waren die Platzierungsbegegnungen noch?Gegen die Russen ging es noch ­darum, zu zeigen, wie es gehen könnte. Sie sind fechterisch ähnlich wie die Italiener; als wir mal vorne lagen und sie uns angreifen mussten, war es vorbei für sie. Leider waren gegen Italien wir die Russen. Dabei könnten auch wir gut sticheln, die nervigen Typen sein. Doch diesmal waren wir die Genervten.

Nationaltrainer Gianni Muzio sagt, alle drei hätten schlecht ­gefochten.Er kann sagen, was er will. Ich ­sehe es anders. Wir haben unter ihm viele Erfolge gefeiert, aber in diesem Viertelfinal liessen wir uns in Positionen bringen, in denen wir nicht stark sind. Die Coachs hätten uns bremsen sollen. Ich muss dem Coachingstaff und auch uns Athleten den Vorwurf machen, dass wir taktisch zu wenig flexibel waren.

Berner Zeitung

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