Viel Training und viel Schlaf

«Das Hauptziel ist, die Olympischen Spiele zu geniessen», sagt Badminton-Spielerin Sabrina­ ­Jaquet aus Biel. Das bedeutet nicht, dass es ihr an Ehrgeiz mangelt, überhaupt nicht.

Aussenseiterin Sabrina Jaquet ist mit der Auslosung ihrer Gegnerinnen zufrieden.

Aussenseiterin Sabrina Jaquet ist mit der Auslosung ihrer Gegnerinnen zufrieden.

(Bild: Adrian Ruch)

Sabrina Jaquet wirkt relaxed, als sie den Village Plaza betritt. Dieser Platz beim Athletendorf ist einem Strand nachempfunden. Es hat unter anderem Sand, eine Bühne für Musiker und Liegestühle. Die Neuenburgerin, die seit vielen Jahren im Bernbiet wohnt, findet die brasilianische Atmosphäre sympathisch.

Sie macht es sich bequem, obwohl sie nicht im Sinn hat, in Rio de Janeiro zu faulenzen – im Gegenteil. Sie trainiert zweimal täglich, und das nicht etwa mit halber Kraft. «Die Intensität muss vor dem Wettkampf hoch bleiben», sagt die Badmintonspielerin.

Keine Tiefstapelei

Ihr erster Ernstkampf steht morgen Abend auf dem Programm; sie trifft auf die Schottin Kirsty Gilmour, die Nummer 15 der Welt. «Hätte ich eine Gesetzte auswählen können, hätte ich sie genommen», sagt Jaquet. Überhaupt ist sie mit der Auslosung zufrieden. Die zweite Gegnerin heisst Linda Zetchiri, kommt aus Bulgarien und ist die Nummer 32.

Viele Sportler reden ihre Widersacher stark, Jaquet nicht. Die Rechtshänderin ist im Ranking auf Position 82 zu finden und ­damit die am schlechtesten ­klassierte Olympiateilnehmerin. «Das ist schlimm», hält sie verlegen lächelnd fest, fügt aber sofort an: «Ich glaube nicht, dass ich vom Niveau her die Schlechteste im Feld bin.»

Jaquet weiss: Sie steigt in beide Partien als Aussenseiterin. Doch sie hat sowohl Gilmour als auch Zetchiri schon geschlagen und glaubt daran, dass ihr das auch in Rio gelingen kann – umso mehr, als sie im Gegensatz zu Gilmour und Zetchiri Olympiaerfahrung hat.

Keine Selfies

Vor vier Jahren hatte sie ihre eigenen Erwartungen nicht erfüllt, diesmal soll es anders sein. Sie sei viel entspannter, lasse sich durch das Drumherum weniger ablenken als noch in London. Dass sie sich dies nicht nur ein­redet, merkte sie an der Eröffnungsfeier. «Es war schön, doch meine Emotionen waren viel weniger stark als noch in London.»

Jaquet, die in den letzten vier Jahren jeweils alle Schweizer-Meister-Titel (Einzel, Doppel, Mixed) geholt hat, nimmt sich vor, das Erlebnis Olympia zu geniessen. «Ich will für mich spielen; 2012 hatte ich das Gefühl, ich müsse allen beweisen, dass ich die Selektion verdient hatte.» Geniessen bedeutet freilich nicht den Sport vernachlässigen und im Athletendorf möglichst viele Selfies schiessen. «Ich bin keine, die den Stars hinterherrennt.»

Die in Biel wohnhafte Badmintonspielerin hat von den Klagen bezüglich Unterkunft und Nahrung gehört. Doch sie fühlt sich wohl. Die Zimmer seien zweckmässig eingerichtet, erzählt sie. «Es ist klar, für 10'000 Personen kann kein Gourmetessen zubereitet werden, aber man findet hier alles, was man braucht, und das 24 Stunden am Tag.» Als Vorteil empfindet sie auch die Lage des Athletendorfs: «Ich muss nur über die Strasse gehen. In fünf Minuten bin ich zu Fuss in der Halle.»

Keine Nachteule

Das Einzige, was ihr nicht behagt, ist die Ansetzung ihrer Partien. Am Donnerstag und am Samstag kommt sie jeweils um 21.05 Uhr an die Reihe. «So spät spielen wir sonst nie», sagt Jaquet. Weil sie einige Trainings früh am Vormittag absolvieren muss, legt sie sich jeweils für einen Mittagsschlaf ins Bett. «Ich mache das zwar sonst nie, aber hier muss ich fast, sonst werden die Tage zu lang.»

Am Abend versucht die 29-Jährige im Hinblick auf ihre Matchs möglichst lange wach zu bleiben. Bis Mitternacht? «Das wäre perfekt, aber meistens bin ich schon schon um elf zu müde.» Das mit dem Entspannen scheint vorzüglich zu klappen.

Berner Zeitung

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