Kauter: «Ich habe mein gutes Gesicht gezeigt»

Der Berner Degenfechter Fabian Kauter scheidet im Achtelfinal unglücklich aus, bleibt aber wie Max Heinzer in der Fechthalle, um Teamkollege Benjamin Steffen zu unterstützen.

Wie schon 2012 in London fand Fabian Kauter im Franzosen Yannick Borrel seinen Meister.

Wie schon 2012 in London fand Fabian Kauter im Franzosen Yannick Borrel seinen Meister.

(Bild: Keystone)

Nach einem Freilos trifft Fabian Kauter auf den Ukrainer Anatolii Herey. Der Berner und der Teamweltmeister liefern sich einen attraktiven Kampf mit vielen Klingenberührungen und spektakulären Aktionen – ähnlich wie es der Laie aus den Musketierfilmen kennt.

Nach dem 15:9-Sieg berichtet Kauter, es seien nach seinem 14. Treffer Emotionen hochgekommen. «Das Erlebnis von London tut immer noch weh.» Als der 30-Jährige das erzählt, werden seine Augen feucht. «Jetzt sind es Freudentränen», stellt er klar. Kurz darauf kommt es wie 2012 in London zum Achtelfinalduell mit Yannick Borrel.

Der Berner gerät gegen den französischen Hünen rasch ins Hintertreffen, gibt aber nicht auf. Er holt zuerst einen 7:11- und dann auch einen 12:14-Rückstand auf. Der nächste Treffer muss entscheiden. Mit einem Sprungangriff holt sich der amtierende Europameister den Sieg. Kauter wirft enttäuscht den Helm zu Boden.

Kurz darauf erklärt er, er habe gewusst, dass diese Flèche kommen würde. «Deshalb mache ich mir den Vorwurf, dass ich am Schluss nicht angegriffen habe.» Kauter wirkt anders als nach dem vorangegangenen Auftritt gefasst. «Ich bin wohl nicht am Boden zerstört, weil ich stolz auf meine Leistung im ersten Match bin. Ich habe mein gutes Gesicht gezeigt, das gibt mir Zuversicht für den Teamwettkampf.»

Er ist enttäuscht, doch er kann das Geschehene einordnen – und sagt dann etwas ­Bemerkenswertes: «Olympia ist etwas Schönes, Spezielles, aber letztlich ist es ein Fechtturnier. Ich bin gesund, ein glücklicher Mensch, ich erachte es als Privileg, hier zu sein. Wenn ich nun die Halle verlassen würde, statt meine Kollegen zu unterstützen, wäre ich kein guter Mensch.»

Heinzers Misstritt

Nach dem Viertelfinal steht Max Heinzer am selben Ort und muss die 4:15-Niederlage gegen den Südkoreaner Park Sang-young erklären. Auch er tut dies souverän und sagt, er sei stolz auf seine Leistung. «Ich hatte am Tag X keine Angst.» Doch er habe beim Aufwärmen zu viel riskiert, bei einem kurzen Sprint einen Misstritt gemacht und sich so am rechten Bein einen starken Krampf oder eine Zerrung zugezogen. «Das ist ganz klar mein Fehler», gibt der Luzerner zu. Aber er sei nicht besonders enttäuscht, «weil ich mich fühle, als hätte ich gar nicht gefochten».

«Der grösste Fan»

Als Heinzer gegen Park feststellte, dass er so nicht würde gewinnen können, schonte er sich im Hinblick auf den Mannschaftswettkampf. Der starke Teamgeist der Eidgenossen zeigt sich auch in bitteren Momenten. Heinzer sagt noch: «Ab jetzt bin ich der grösste Fan von Benjamin ­Steffen.»

Berner Zeitung

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